Lebensdaten
1880 bis 1956
Geburtsort
Magdeburg
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119419580 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kohtz, Otto
  • Cohtz, Otto

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Zitierweise

Kohtz, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119419580.html [19.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Julius (1842–1911), Baumeister, S d. Bauern Johann in Ehrental b. Culm (Westpr.) u. d. Caroline Schumacher;
    M Aurelie (1847–1915), T d. Johann Drewitz, Bes. d. Kuddowmühlen (mit Hofgut, Ziegelei u. Holzgeschäft) in Schneidemühl, u. d. Caroline Matthaei;
    B Rudolf (1874–1945), Maler (Landschaften, Blumen, Porträts), geprägt vom ausklingenden Impressionismus u. vom Jugendstil (s. ThB), Georg (1878-ca. 1950), Architekt (Villen u. Einfamilienhäuser in Wiesbaden u. am Bodensee);
    - 1) Berlin 1913 Agnes Kuban (1887–1936), Malerin u. Tänzerin, 2) ebd. 1938 Anne-Marie (* 1905), Pianistin, T d. Gutsadministrators Friedrich Arndt u. d. Gertrud Jacobs; 1. Ehe kinderlos, 1 S aus 2);
    N Kurt Kirstein (* 1900), Prof. f. landwirtsch. Bauwesen.

  • Leben

    Nach Erlangung der Mittleren Reife erlernte K. das Maurerhandwerk bei seinem Vater und wurde 1898 zum Gesellen erklärt. 1899/1900 arbeitete er in Hannover, 1900/01 in Kassel in Architekturbüros und studierte anschließend Architektur an der Kunst- und Baugewerbeschule, dann an der TH Berlin. Studienreisen führten ihn nach Wien (1905), Paris (1906), Brüssel und London (1907) sowie nach Venedig und Genua (1908). Im April 1907 schloß K. mit dem Baumeister E. Schütze, in dessen Büro er seit Februar 1905 tätig war, einen sechs Jahre geltenden Gesellschaftsvertrag (Architektur- und Baugeschäft Schütze & Kohtz) und erbaute zusammen mit Schütze mehrere Geschäftshäuser und Villen. Als selbständige Bauten dieser Zeit seien das Verwaltungsgebäude „Bund der Landwirte“ (1909-11, auf Grund 3. Preis 1908 bei Wettbewerb) in Berlin und das „Ledigenheim“ (1913/14, auf Grund 1. Preis 1909 bei Wettbewerb) in Moabit genannt, die beide dem klassizisierenden Jugendstil verpflichtet sind. 1909 veröffentlichte K. die „Gedanken über Architektur“, in denen er phantastische Architekturentwürfe in übersteigerten Dimensionen als Zukunftstraum vorstellte – Gedankengebilde, wie sie in den 20er Jahren durch die Entwürfe von Hans Poelzig und Erich Mendelsohn als „expressive Architektur“ in die Kunstgeschichte eingingen. Im 1. Weltkrieg kämpfte K. in Galizien und Serbien, in Litauen und Wolhynien sowie in Frankreich und geriet zuletzt in englische Gefangenschaft (1918/19). Nach dem Krieg trat er mit Entwürfen zu überdimensionierten Hochhäusern, sogenannter Büroturmhäusern, an die Öffentlichkeit, die er, Schinkelschen Projekten folgend, an städtebaulich bedeutsamen Plätzen situierte, damit sie als Blick- und Richtungspunkte im Gewirr des Straßengetriebes dienen sollten. So legte er bereits 1921 einen Entwurf vor, der sämtliche Reichs- und Staatsbehörden in großen Bürobauten am Platz der Republik zusammenfaßte – ein Gedanke, der 1929 bei seiner Teilnahme am Wettbewerb um die Erweiterung des Reichstagsgebäudes großen Beifall fand und der bei den Planungen Albert Speers für Berlin konkrete Formen annehmen sollte. Der Typus des kreuzförmigen, vierflügeligen Terrassenhochhauses dagegen, den K. schon 1920 in einem Entwurf für den Platz der Republik vorlegte, wurde in Deutschland erst nach dem 2. Weltkrieg verwirklicht. Durch sein 1924-29 errichtetes Fabrik- und Bürogebäude des Scherl-Verlages in der Jerusalemer Straße in Berlin, das er in Eisen-Skelett-Bauweise mit Muschelkalkplatten-Verkleidung erstellte, erwarb sich K. den Ruf als führender Industriearchitekt. 1929 wurde er mit dem Entwurf der ersten Tonfilmateliers Europas beauftragt, die er für die Universum-Film-AG (UFA) in Tempelhof und Neubabelsberg errichtete. Die kubischen, fensterlosen Hallen mit ihren Klinkerfassaden, die lediglich durch Abluftkanäle gegliedert wurden, galten bis in die 50er Jahre als Musterbeispiel funktionsgerechter und ästhetisch ansprechender Industriearchitektur. Im Gegensatz zu anderen führenden Architekten wurde K. Schaffen durch das 3. Reich nicht unterbrochen. Darin mag einer der Gründe dafür liegen, daß das Werk eines der führenden Architekten der 20er Jahre bis heute noch keine kritische Würdigung erfahren hat. Auszeichnungen in öffentlichen und beschränkten Wettbewerben veranschaulichen die einstige Stellung K.|.

  • Auszeichnungen

    1899 Fassaden für Hildesheim (drei Ankäufe); 1904 Schule für Marburg (3. Preis); 1904 Friedhofshalle für Buer/Westfalen (Ankauf), Festhalle für Landau/Pfalz, Rathaus für Niederschöneweide; 1905 Häuser am Kaiser-Wilhelm-Platz in Bremen (3. Preis); 1906 Warenhaus Tietz in Düsseldorf (Ankauf); 1907 Dom für Freiberg i. Sa. (3. Preis); 1910 Bismarck-National-Denkmal bei Bingen (4. Preis); 1920 Turmhaus Friedrichstraße in Berlin (Ankauf); 1932 Kirche für Zehlendorf (3. Preis); 1936 Verwaltungsgebäude Landesbauernschaft in Dresden (1. Preis).

  • Werke

    Weitere W Schrr. Das Ledigenheim in Moabit, Die Häuser in Petkus u. Vetschau, in: Moderne Bauformen, Mhh. f. Architektur, 1915;
    Das Reichshaus am Königsplatz in Berlin, 1920;
    O. K. u. A. Hugenberg, Die neue Stadt, Für e. gesundes u. schönes Berlin, o. J.;
    Hoffnung auf|e. bessere Zukunft, in: Neue Bauwelt, 1950, H. 52, S. 834;
    Architektur - Sinnbild d. Schöpfung (ungedr.). - Bauten: 1906 Schloß, Brennerei u. Wirtschaftsgebäude auf Rittergut Wansdorf b. Berlin;
    1907 Landhaus Alexander in Mittenwald/Obb., Elektrizitätswerk Süd-West, Berlin-Schöneberg;
    1908 Geschäftshaus Kanonierstr., Berlin;
    1910 Umbau Hafenplatz 2, Berlin;
    1911 Duroplattenwerk in Sperenberg;
    1909 Grabmal Massen;
    1911 Grabmal Schütze, Berlin;
    1912 Umbauten „Dt. Tagesztg.“;
    1913 Kirche u. Schloßumbauten f. v. Lochow auf Petkus;
    1913 Herrenhaus Griebenow in Vetschau;
    1914 Entwurf f. Landhaus u. Kurhaus in Saßnitz auf Rügen, 1. Entwurf f. d. Neubau d. „Lokal-Anzeigers“;
    1915 Grabmal Frhr. v. Rixleben in Colm b. Görlitz;
    1920 Entwürfe f. d. Hochhaus-AG u. erstes Hochhaus f. d. Fa. Scherl, Berlin;
    1921 Umbauten f. Scherl u. Reichslandbund in Berlin;
    1922/23 Umbauten f. Scherl, Bank f. Landwirts., Landwirtschaftl. Bauten in Petkus, Schloßumbauten f. Dr. Rösicke auf Rittergut Görsdorf, Herrenhaus Richter auf Rittergut Risdorf b. Jüterbog, Kreishaus f. Jüterbog, Herrenhaus Zieckau, eigenes Wohnhaus in Dahlem;
    1930 Klebehaus in Babelsberg;
    1931 Entwurf „UFA-Palast“, Berlin am Zoo, UFA-Theater in Freiburg, Erfurt, Danzig u. Amsterdam;
    1932 Filmlehrschau in Babelsberg;
    1933/34 4 Tonfilmateliers in Tempelhof;
    1935 2 Synchron-Ateliers, 1 Trickatelier u. Bibl. in Babelsberg;
    1935 Reisebüro u. Scherlfiliale in Potsdam;
    1936/37 Verwaltungsgebäude d. Landesbauernschaft in Dresden;
    1938 Entwurf d. Filmak. in Babelsberg;
    1939/40 2 Nachwuchsateliers d. Filmak. ebd., Fabrikgebäude f. d. Afifa in Tempelhof;
    1939/42 Entwürfe f. d. Neubau d. Dt. Filmproduktionsstätte in Babelsberg;
    1943/45 Tätigkeit in Eberswalde, Henkelwerke Oranienburg, Lindhorst/Sorau, LN-Übungsstelle Senftenberg, Oberkommando d. Kriegsmarine;
    1946 Vorführraum f. d. franz. Filmverleih;
    1946/48 Synchron-Atelier in Tempelhof, Vorentwurf zu e. Filmtheater, Generalbebauung;
    1949 Jugend- u. Altenheim in Berlin Waldenserstr.;
    1950 Vorentwurf f. Neubau „Dt. Zentraldruckerei“.

  • Literatur

    Stadtbaukunst alter u. neuer Zeit, H. 16, 1920;
    J. Ponten, Architektur, d. nicht gebaut wurde, 1925;
    W. Hegemann (Hrsg.), O. K., 1930;
    Tendenzen d. Zwanziger Jahre, Ausstellungskat., Berlin 1977;
    ThB (W, L);
    Vollmer (W, L);
    eigene Forschungen.

  • Portraits

    Phot. in Architekturslg. d. TU München.

  • Autor/in

    Florian Hufnagl
  • Empfohlene Zitierweise

    Hufnagl, Florian, "Kohtz, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 435 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119419580.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA