Lebensdaten
1713 bis 1751
Geburtsort
Königsberg (Preußen)
Sterbeort
Königsberg (Preußen)
Beruf/Funktion
Philosoph
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118723898 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Knutz, Martin
  • Knutzen, Martinus
  • Knutzenius, Martinus

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Zitierweise

Knutzen, Martin, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118723898.html [28.09.2016].

CC0

Knutzen, Martin

Philosoph, * 14.12.1713 Königsberg (Preußen), 29.1.1751 Königsberg (Preußen). (evangelisch)

  • Genealogie

    V Hagen ( 1719), Kaufm., aus Dänemark zugewandert; M Constantina Rump ( 1714); 1) 1745 Aegina Dorothea Georgi ( 1746), 2) Maria Barbara, T d. Verlagsbuchhändlers Christoph Gottfr. Eckart (1693–1750), begründete 1722 in K. e. Buchhandlung (s. Altpr. Biogr.).

  • Leben

    Nach dem frühen Tod der Eltern sorgten Verwandte für K.s Erziehung und seine Ausbildung an der Altstädtischen Pfarrschule. 1728 bezog er die Königsberger Universität. Neben philosophischen und historischen Studien hörte er Philosophie und Mathematik vor allem bei dem Wolffianer und Pietisten Ammon, Physik bei Teske und Theologie bei A. Wolff und F. A. Schultz. Sein Hauptinteresse galt jedoch der Philosophie. Er wandte sich bewußt von dem damals in Königsberg dominierenden Aristotelismus (Gregorovius) und Eklektizismus (Kypke) ab und orientierte sich am Leibniz-Wolffschen Rationalismus. Schon ein Jahr nach seiner Promotion (Dissertatio metaphysica de aeternitate mundi impossibili, 1733) wurde er außerordentlicher Professor für Logik und Metaphysik. Trotz dieses vielversprechenden Beginns und pädagogischer Fähigkeiten hat K. es zu keiner ordentlichen Professur gebracht. 1744 wurde er zum Adjunkten der Schloßbibliothek und zum Oberinspektor des akademischen Collegs ernannt. Seinen Nachruhm verdankt K. in erster Linie dem Umstand, daß er – seit etwa 1740 – entscheidenden Einfluß auf Kant ausgeübt hat: Er führte ihn in das Studium der Mathematik und Philosophie ein, machte ihn mit den Werken Newtons bekannt und unterstützte ihn darüber hinaus mit Rat und Tat.

    K.s Werk umfaßt in seinen Haupttiteln 6 philosophische Schriften und je eine theologische, naturwissenschaftliche und mathematische Abhandlung. Erstere befassen sich mit Fragen der Logik und Metaphysik und sind auf der Grundlage des Wolffschen Rationalismus konzipiert. An der zum Teil hohen Auflage läßt sich ihr popularwissenschaftlicher Erfolg abschätzen. Das Hauptwerk K.s ist die philosophische Abhandlung über die Wirkursachen: „Systema causarum efficientium“ (1745), eine Schrift von „geradezu epochemachender Bedeutung für den Streit um die prästabilierte Harmonie“ (B. Erdmann). K. beantwortet die Frage nach dem Verhältnis zwischen Leib und Seele in einer bis dahin nicht geschehenen Weise, indem er den Standpunkt der Cartesianischen Influxustheorie mit der Leibnizschen Konzeption von der prästabilierten Harmonie verbindet.

  • Werke

    Weitere W Commentatio philosophica de commercio mentis et corporis per influxum physicum explicando, 1735;  Theoremata nova de parabolis infinitis eodem parametro et circa eundem axin descriptis, 1737;  Phil. Beweis v. d. Wahrheit d. christl. Rel., 1740;  Commentatio philosophica de humanae mentis individua natura sive immaterialitate, 1741;  Vernünftige Gedanken v. d. Kometen, 1744;  Nachrr. v. e. neuen, nach phil. Lehrart abgefaßten Gedächtniskunst, 1746;  Elementa philosophiae rationalis seu logicae cum generalis tum specialioris mathematica methodo demonstrata, 1747.

  • Literatur

    ADB 16;  B. Erdmann, M. K. u. s. Zeit, 1876;  D. Nolen, Les maîtres de Kant, in: Revue philosophique 7-9, 1879;  M. van Biéma, M. K., La Critique de ľharmonie préétablie, 1908;  S. Drescher (Hrsg.), Wer war Kant? Drei zeitgenöss. Biogrr. v. L. E. Borowski, R. B. Jachmann, E. A. Ch. Wasianski, 1968;  K. Vorländer, Immanuel Kants Leben, mit neuer Einl., Ausw.bibliogr. u. Qu.texten hrsg. v. R. Malter, 1974;  Überweg III;  Altpr. Biogr.

  • Autor

    Friedbert Holz
  • Empfohlene Zitierweise

    Holz, Friedbert, "Knutzen, Martin" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 231 f. [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118723898.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Knutzen, Martin

  • Leben

    Knutzen: Martin K., geb. am 14. December 1713 in Königsberg i. Pr., ebendort am 29. Januar 1751, Sohn eines Kaufmannes, kam nach dem frühen Tode seines Vaters (1719) zu Verwandten und erwarb durch deren Unterstützung die humanistische Vorbildung an der altstädtischen Pfarrschule; im Herbst 1728 ging er an die Universität über, wo er neben Philologie, Geschichte und orientalischen Sprachen hauptsächlich Mathematik und Philosophie (bei Ammon) hörte, hierauf aber die theologischen Vorlesungen des Franz Albert Schultz besuchte. Durch diesen Studiengang war er in die damals ziemlich verbreitete Richtung gekommen, welche den Wolffianismus mit dem Pietismus zu vereinbaren suchte, wovon bereits ein Zeugniß in der Dissertation vorliegt, mit welcher er im November promovirte: "Dissertatio metaphysica de aeternitate mundi impossibili", worin er die von den Theologen geforderte Endlichkeit der Welt mittelst Wolff'scher Mittel zu beweisen versuchte. Da er im folgenden Jahre (1734) zum außerordentlichen Professor der Logik und Metaphysik ernannt wurde, verfaßte er als Antrittsschrift: "Commentatio philosopdica de commercio mentis et corporis per influxum physicum explicando" (2. Aufl. 1745), wobei er in den durch Leibniz' prästabilirte Harmonie hervorgerufenen Fragen entschieden die Ansicht vertheidigte, daß ein physischer Einfluß vom Körper auf die Seele wirke, — ein Differenzpunkt zwischen ihm und der Wolff'schen Philosophie, bei welchem er auch später verharrte. In seinen Vorlesungen, durch welche auch Kant (nach 1740) eine hervorragendste Anregung empfing, vertrat er alle Zweige der Philosophie und der Mathematik und außerdem Rhetorik und Mnemonik, über welch letztere er auch (1746) ein kleines Lehrbuch herausgab. In den Acta Eruditorum (1737) veröffentlichte er eine mathematische Abhandlung|"Theoremata nova de parabolis infinitis", dann folgte "Philosophischer Beweis von der Wahrheit der christlichen Religion" (1740, 5. Aufl. 1763, ins Dänische überseht 1742), eine wahrhaft merkwürdige Verbindung zwischen rationalistischer Methode und pietistischer Gläubigkeit, deren praktische Seite in den Begriffen der Sündhaftigkeit und der Wiedergeburt die entscheidende ist. In der Schrift "Commentatio philosophica de humanae mentis individua, natura sive immaterialitate" (1741, in deutscher Uebersetzung 1745) suchte er unter scharfer Ablehnung des Materialismus auf Grund der Einheit des Selbstbewußtseins die Immaterialität der Seele zu erweisen. Ein im J. 1744 erscheinender Komet gab ihm Veranlassung zu der auf Newton's Theorie beruhenden Abhandlung "Vernünftige Gedanken von den Kometen" (1744). Wol seine bedeutendste Leistung aber war "Systema causarum efficientium" (1745), worin er die erwähnte Lehre vom influxus physicus durch Gesetze der Mechanik stützte und zugleich behufs Bekämpfung der prästabilirten Harmonie die Wechselwirkung der im Körper vereinigten Monaden erörterte. Sein letztes Werk "Elementa philosophiae rationalis seu logicae mathematica methodo demonstrata" (1747) steht auf Wolff'scher Grundlage mit einzelnen Modificationen, sowie mit manchen Zugeständnissen an die empiristische Erkenntnißlehre. In der Ungunst der Verhältnisse lag es, daß K. trotz fruchtbringender Schriftsteller- und Lehrthätigkeit nicht zu einer ordentlichen Professur gelangen konnte; gewissermaßen einen Ersatz hierfür erhielt er dadurch, daß er (1744) zum Adjuncten der Schloßbibliothek und zugleich zum Oberinspector des akademischen Collegiums, d. h. eines mit der Universität verbundenen Alumnates ernannt wurde. In Folge von Ueberanstrengung an Atonie der Nerven leidend erlag er einem frühen Tode.

    • Literatur

      Benno Erdmann, Martin Knutzen und seine Zeit. 1876.

  • Autor

    Prantl.
  • Empfohlene Zitierweise

    Prantl, Carl von, "Knutzen, Martin" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 334-335 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118723898.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA