Lebensdaten
1799 bis 1868
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Neograecist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116172096 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kind, Karl Theodor
  • Kind, Theodor
  • Kind, Karl Theodor

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Zitierweise

Kind, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116172096.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Christoph (1769–1813), Kriminalrichter in L. (s. Meusel X, XVIII);
    Ov Friedrich (s. 1).

  • Leben

    Nach Besuch der Landesschule in Pforta, studierte K. in Leipzig Jurisprudenz, wurde 1824 Rechtsanwalt und erwarb 1827 mit einer Arbeit über die Rechtsform der evangelischen Kirche den Doktortitel. 1835-46 gehörte er der juristischen Fakultät der Universität Leipzig an, danach wirkte er als Justizrat im Spruchkollegium bis zu dessen Auflösung 1856. Die letzten Lebensjahre verbrachte er als Privatmann. – Beiträge zur juristischen Fachliteratur liegen von K. nicht vor. In der Zeit der konstitutionellen Bewegung um 1830 hat er sich lediglich in einigen Traktaten zum Teil unter dem Pseudonym „Justus Freimund“ und „Christianus Antiromanus“ beziehungsweise anonym, mit der kurhessischen Verfassung vom 5.1.1831, der ersten konstitutionellen sächsischen Ständeversammlung und zum Teil polemisch gegen das Papsttum mit kirchenrechtlichen Fragen auseinandergesetzt. Die liberale politische Grundeinstellung spiegeln auch 2 Broschüren über den griechischen Freiheitskampf (1827 und 1828) wider. Sie bestimmen den Grundton seiner ganzen späteren literarischen Tätigkeit, die begeisterte und ständig vertiefte Beschäftigung mit den Lebensäußerungen des neuen Griechenlands. Er begann 1827 (im 3. Band von C. Th. Ikens „Eunomia“) mit einer Sammlung neugriechischer Volkslieder im Original und in deutscher Übersetzung. Ständig erweitert und verbessert erlebte dieses Buch noch 3 Auflagen (1844, 1847, 1861). Er übertrug dann auch griechische Prosaschriften, vor allem Alexander Soutsos „Panorama tes Hellados“ (1835), begleitete seine Texte mit grammatischen, Sach- und Worterklärungen und veröffentlichte 1841 das erste umfangreiche neugriechisch-deutsche Wörterbuch. Dazu kamen einige philologische und landeskundliche Beiträge in der „Zeitschrift für vergleichende Sprachwissenschaft“ und in den „Jahrbüchern für Philologie“. 1867 gab er auch noch eigene Gedichte als „Manuskript für Freunde“ heraus. K. war sicherlich mehr der musische als der wissenschaftliche Typ; doch darf er bis auf Gustav Meyer als einer der besten Kenner des Neugriechischen in Deutschland gelten, der trotz seiner fehlenden Ausbildung und obwohl er Griechenland selbst nie gesehen hat außerordentlich viel zur Kenntnis der neugriechischen Sprache und Literatur beigetragen hat.

  • Literatur

    ADB 15; Bergzimmerlings Christian Gotthold.

  • Autor/in

    Gerhard Grimm
  • Empfohlene Zitierweise

    Grimm, Gerhard, "Kind, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 613 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116172096.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kind: Karl Theodor K., Philhellene, der sich besonders um die Verbreitung der Kenntniß der neugriechischen Sprache und Litteratur in Deutschland verdient gemacht hat, war in Leipzig, wo sein Vater Oberhofgerichtsrath und Senior des Schöppenstuhls war, am 7. October 1799 geboren. Nachdem er von 1813 an die Landesschule Pforta besucht, studirte er von 1818 an Jurisprudenz an der Universität Leipzig und ließ sich 1824 in dieser seiner Vaterstadt als Advokat nieder. Im J. 1827 erwarb er sich die juristische Doctorwürde mit der Dissertation: „De iure ecclesiae evangelicae"; in dem gleichen Jahre eröffnete er mit einer als dritter Band der von Dr. K. Iken (vgl. den Art.) herausgegebenen Eunomia bezeichneten Sammlung neugriechischer Volkslieder seine aus warmer Begeisterung für die Wiedergeburt Griechenlands hervorgegangene schriftstellerische Thätigkeit für die Litteratur und Sprache der Neugriechen, der er seitdem, abgesehen von einigen staatsrechtlichen und kirchenpolitischen Aufsätzen in Zeit- und Flugschriften *)Unter dem Pseudonym „Christianus Antiromanus“ hat K. folgende zwei Flugschriften veröffentlicht: „Zur Emancipation der katholischen Kirche von Rom und zur wahren Gleichstellung aller christlichen Kirchen, oder: Verfassungsentwürfe und Grundzüge Verschiedener für die christlich-katholische Kirche Deutschlands, zusammengestellt von Ch. A.“, Neustadt a. d. Orla 1831; „Der sterbende Grégoire und der verdammende Erzbischof von Paris im J. 1831 nach christlicher Zeitrechnung, oder augenscheinlicher Beweis, daß das römische Papstthum ein unchristliches sei“, ebend. dsgl. — Unter seinem eigenen Namen erschien die Schrift: „Von der Stellung sowol der constitutionellen Bundesregierungen als der Ständerversammlungen Deutschlands zum deutschen Bunde“, Leipzig 1833., die freie Zeit, die ihm seine|amtliche Stellung gewährte — er war von 1835 an Mitglied der Juristenfakultät, von 1846 an mit dem Titel „Justizrath“ Mitglied des Spruchcollegiums, nach dessen Auflösung im J. 1856 er sich ins Privatleben zurückzog — später bis zu seinem am 7. December 1868 erfolgten Tode seine ganze Zeit widmete. Die Früchte dieser Thätigkeit, soweit sie in selbständig erschienenen Schriften vorliegen, sind folgende: „Beiträge zur besseren Kenntniß des neuen Griechenlands in historischer, geographischer und litterarischer Beziehung“. Neustadt a. d. Orla 1831 (theils eigene Aufsätze Kind's, theils Bearbeitungen fremder). — „Neugriechische Poesieen, gedruckte und ungedruckte, mit Einleitung und sowol Sach- als Worterklärungen“, Leipzig 1833. — ("Geschichte der griechischen Revolution“, 2 Bde., Leipzig 1833, mir nur dem Titel nach bekannt). — „Neugriechische Chrestomathie mit grammatischen Erläuterungen und einem Wörterbuche“, Leipzig 1835. — Πανόραμα τῆς Ἑλλάδος ἢ συλλογὴ ποιϰίλων ποιηματίων ὑπὸ Ἀλεξάνδϱου Σούτσου. Mit grammatischen Erklärungen und einem Wörterbuche herausgegeben“. Leipzig 1835. — „Handwörterbuch der neugriechischen und deutschen Sprache“, Leipzig 1841. — „Neugriechische Anthologie. Original und Uebersetzung“, Leipzig 1844. — „Μνημόσυνον. Neugriechische Volkslieder in den Originalen mit deutscher Uebersetzung“, Leipzig 1849. — „Anthologie neugriechischer Volkslieder im Original mit deutscher Uebertragung“, Leipzig 1861. — Dazu kommen einige streng wissenschaftlichen Anforderungen allerdings nicht genügende Aufsätze zur Kenntniß des Neugriechischen in der Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung, litterarische und kulturgeschichtliche Mittheilungen aus Griechenland in den Jahrbüchern für Philologie, endlich Anzeigen und Recensionen in diesen und in anderen litterarischen Zeitschriften.

    • Literatur

      Brockhaus' Conversationslexikon, 12. Aufl., Bd. IX, S. 122.

  • Autor/in

    Bursian.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bursian, Conrad, "Kind, Theodor" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 744-745 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116172096.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA