• Leben

    Khell: Joseph K. v. Khellburg, geb. zu Linz am 15. Aug. (o. 13. Aug.) 1714, zu Wim am 4. November 1772, trat 1729 in den Jesuitenorden, lehrte anfangs, während er philosophischen und theologischen Studien oblag, in den unteren Schulen zu Klagenfurt, dann nacheinander in Linz und in der theresianischen Ritterakademie zu Wien Philosophie. An die Universität versetzt las er über griechische Litteratur, gab nebenher auch Collegia über die hebräische Sprache und biblische Exegese. Nachdem er an der Universität Doctor theologiae geworden, kehrte er ins Theresianum zurück. Daselbst übernahm er nach Erasmus Fröhlich's Tode (Bd. VIII S. 132) die Aufsicht über die sogenannte Garelli'sche Bibliothek (s. Denis, Merkwürdigkeiten der Garelli'schen Bibliothek. Wien, Bd. I, S. 20 f.), lehrte zugleich zwei Jahre Geschichte und dann bis zu seinem Tode Numismatik und Alterthumskunde. Im Interesse seiner numismatischen Studien unternahm er Reisen nach Italien und Deutschland; besonders aber suchte er in den geistlichen Stiften Oesterreichs Anhänger dieses Studiums zu gewinnen. Zu seinen Schülern gehört der berühmte Numismatiker Joseph Eckhel|(Bd. V S. 633). Seine Schriften lassen sich in drei Klassen scheiden, gemäß den drei Bereichen seiner Lehrthätigkeit. Aus seiner Lehrthätigkeit in den Fächern des sogenannten philosophischen Cursus erwuchs seine „Physica ex recentiorum observationibus, accommodata usibus academicis“, 1753, 2 Tomi (günstig beurtheilt in Nova Acta Eruditorum, Leipzig 1753, S. 360 u. 362). Der Epoche seiner theologischen Lehrthätigkeit gehören an: „Auctoritas utriusque libri Maccabaeorum“ (1749), hervorgerufen durch einen litterarischen Streit zwischen E. Fröhlich und dem Leipziger Gelehrten G. Wernsdorf (s. s. v. E. Fröhlich); „De epocha historiae Ruth,“ (1756); „Ecloge odservationum in libros N. T.“ (2 Voll. 1756, 1757); „Altera vita S. Pauli Eremitae“, aus den griechischen Handschriften der Wiener Bibliothek hervorgezogen und abgedruckt in den von Matthias Fuhrmann (Bd. VIII. S. 189) herausgegebenen Acta sincera S. Pauli Thebaei graecolatina, (1760). Seine Thätigkeit als numismatischer Schriftsteller begann er als Herausgeber des von Fröhlich und Duval verfaßten Kataloges der antiken Münzen des kaiserlichen Münzencabinets (s. s. v. Fröhlich), an welchen er die letzte Hand anlegte; dazu als Nachtrag: „Epicrisis censurae Lipsiensis a. 1756 latae in librum: Numismata C. R. Cimelii etc.“ (1756); ferner „Erasmi Fröhlich, de Familia Vaballathi nummis illustrata opusculum“ (1762). Unter Khell's Leitung edirte der Theresianumszögling Graf Christiani eine lateinische Uebersetzung des ersten Bandes von N. F. Haym's Tesoro britannico (London 1719 f.); den zweiten Theil der Uebersetzung dieses Werkes gab K. selbst heraus (1762). Weiter folgende Schriften sind: „Appendicula in J. J. Gesneri numismata graeca“ (1764); „De numismate Augusti aureo formae maximae ex ruderidus Herculani eruto“ (1765, dem Minister Tanucci gewidmet und abgedruckt in Nova Acta Erud. 1765); „Epicrisis observationum Cl. Bellay Acad. Paris. in numinum Magniae Urbicae Aug. ab ill. Barone Ph. Stosch vulgatum“ (1767. Stosch's Schrift war 1755 zu Florenz erschienen; K. vertheidigt gegen Abbe Bellay Stosch's Behauptung, daß Magnia Urbica die Gattin des Carinus gewesen sei); „Ad numismata Imp. Rom. aurea et argentea a Vaillantio edita Cl. Badinio aucta ex solius Austriae utriusque aliisque aliquibus museis supplementum a Jul. Caesare usque ad Comnenos se porrigens“ (1767); „Mnemosyne ad rem numismaticam“ (1771). Dazu noch 4 Briefe numismatischen Inhalts an Murr in dessen Journal zur Kunstgeschichte (Bd. 5) abgedruckt.

    • Literatur

      Bergmann, Sitzungsberichte der philos. Klasse der kais. Akad. d. Wiss., Bd. XIX, S. 58. — Meusel. —
      Backer V, S. 362—366. — Wurzbach.

  • Autor/in

    Werner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Werner, "Khell von Khellburg, Josef" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 704-705 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd131766503.html#adbcontent

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