• Genealogie

    V Friedrich, Gerichtssekr. in B.;
    M Anna Luise Luther;
    Helene Marie Emilie Luther;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    Vorgebildet auf dem Gymnasium zum grauen Kloster zu Berlin (1865–74), studierte K. 1874-78 in Heidelberg und Berlin Mathematik, Physik und Astronomie, nachdem er von W. Foerster ganz für die Laufbahn eines Astronomen gewonnen worden war. In Berlin wurde er mit einer preisgekrönten Dissertation „Untersuchungen über die Ptolemäische Theorie der Mondbewegung“ 1878 promoviert und war anschließend Mitarbeiter des damals noch im Bau befindlichen Astrophysikalischen Observatoriums in Potsdam, dem er bis zu seinem Tode angehörte (Hauptobservator 1900).

    Als Mitarbeiter von Gustav Spörer wandte sich K. zunächst der Sonnenphysik zu, die er auch später durch mehrere Untersuchungen bereicherte: so (mit G. Müller) durch „Bestimmung der Wellenlängen von 300 Linien im Sonnenspektrum“ (1886), eine Untersuchung „Über die drehende Bewegung der Sonnenflecken“ (1910), „Bestimmung der Rotation der Sonne aus der Bewegung von Kalziumflocken“ (1916) und „Über die Refraktion und die Höhenlage der Kalziumflocken“ (1917). Seine Arbeiten über die Masse des Jupiter (1882), die Polhöhe des Potsdamer Observatoriums und die Beschreibung eines Lamellenmikrometers (1888) sowie des Potsdamer Spektrographen (1904) kennzeichnen ihn als einen klassischen Astronomen. In drei weiteren größeren Publikationen (1885–95) legte er sorgfältige Bearbeitungen der von 1881-93 auf dem Telegraphenberg bei Potsdam angestellten meteorologischen Beobachtungen vor.

    K.s herausragendes Verdienst ist die in engster Zusammenarbeit mit Gustav Müller besorgte „Photometrische Durchmusterung des nördlichen Himmels“ (1907, mit Generalkatalog 2 000 S.), die auf 20jährigen gemeinsamen Beobachtungen und Messungen am Fernrohr (Zöllner-Photometer) beruht, und die Bestimmung der Helligkeiten und Farben von 14 200 Sternen der Bonner Durchmusterung bis zur Größenklasse 7.5 enthält. Die darauf fußenden Untersuchungen über den Zusammenhang der Farben und Größen der Sterne (1909, 1913), die Vergleichung mit der Yerkes-Actinometry (1919), die zusammen mit G. Müller bearbeiteten Veränderlichen Sterne (1898–1916), die Bestimmung der Helligkeiten von 96 Plejadensternen (1899) sowie seine Beobachtungen von Sternhaufen und Nebelflecken (1892) weisen ihn als einen hervorragenden Astrophysiker aus, dessen kritisches Urteilsvermögen sich auch in ausführlichen Rezensionen von Arbeiten seiner Zeitgenossen ausprägte. K. hat sich an mehreren astronomischen Expeditionen des Observatoriums beteiligt (1882-1914).

  • Werke

    Weitere W u. a. Newcomb-Engelmann, Populäre Astronomie (mit Eberhard, Ludendorff u. Schwarzschild), 41911, 51914;
    zahlr. Btrr. in: Astronom. Nachrr., seit 1885;
    Mitt. d. Astrophysikal. Observatoriums Potsdam, seit 1885;
    vollst. Verz. in: W. Hassenstein, Das Astrophysikal. Observatorium in d. J. 1875-1939, in: Mitt. d. Astrophysikal. Observatorium Potsdam, Nr. 1, 1941.

  • Literatur

    Astronom. Nachrr. 210, 1920, S. 391 f.;
    Vj.schr. d. Astronom. Ges. 55, 1920, S. 144-53 (P);
    Wi. 1912;
    Pogg IV, V.

  • Autor/in

    Diedrich Wattenberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Wattenberg, Diedrich, "Kempf, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 486 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116127147.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA