Lebensdaten
1777 bis 1853
Geburtsort
Bern
Sterbeort
Bern
Beruf/Funktion
Forstwissenschaftler
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 117495530 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kasthofer, Karl
  • Kasthofer, Albrecht K. Ludwig
  • Kasthofer, Albrecht Karl Ludwig
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Zitierweise

Kasthofer, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117495530.html [20.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus Bayern stammende Fam., 1631 in B. eingebürgert;
    V Gottlieb (1725–1803), Inselspitalverwalter in B., S d. Strumpffabr. Joh. Rudolf u. d. Anna Barbara Müller;
    M Rosina Susanna Chaillet ( 1822);
    B Gottlieb Rudolf (1767–1823), Stadtschreiber in Aarau, Mitgl. d. Gr. Rats d. Kt. Aargau (s. L), Emanuel (1771–1824), bernischer Oberst;
    Schw Rosette (1779–1857, Johs. Niederer, 1843, Päd., s. ADB 24), Mitarbeiterin Pestalozzis, Leiterin e. Mädchenschule;
    - Köniz 1809 Elisabeth (1789–1845), T d. Pfarrers Karl Friedrich v. Graffenried u. d. Maria Magdalena Hartmann;
    1 S, 3 T;
    N Karl Rudolf (1808–77), Maler (s. SKL).

  • Leben

    K. studierte Forstwissenschaft und Kameralwissenschaften an den Universitäten Heidelberg und Göttingen, besuchte anschließend eine Forstschule im Harz (wohl jene von J. H. von Uslar in Herzberg). Er hat sich in dieser Zeit mit Linnés Werk vertraut gemacht, kannte die Werke von Duhamel du Monceau und von Karl von Carlowitz, ferner die naturwissenschaftlichen Werke von Balsazar Hacquet, Pater Placidus a Spescha, Dekan Pol und Heinrich Bansi. Vor allem setzte er sich auch mit den Werken des Forstschriftstellers und Forstpioniers Heinrich Zschokke auseinander. Sein geistiger Habitus ist geprägt von Adam Smith, Arthur Young und Malthus. Mit Malthus teilte er den Pessimismus, wonach die Bevölkerung so rasch anwachsen werde, daß die Nahrungsproduktion nicht folgen könne. Aus dieser Überlegung heraus machte er zahlreiche agrarpolitische und betriebswirtschaftliche Vorschläge zur Intensivierung und Verbesserung der Forst-, Alp- und Landwirtschaft. – K. war 1801 zunächst Archivbeamter beim helvetischen Departement des Innern, 1805 wurde er Sekretär der Forstkommission des Kantons Bern, 1806 Forstinspektor für das Oberland, 1832 Kantonsforstmeister des Kantons Bern; 1834 erhielt er eine Professur für Forstwissenschaft an der neu gegründeten Universität Bern. Verhängnisvoll hat sich seine politische Betätigung ausgewirkt. Er war Verfassungsrat und Großrat für das Berner Oberland und wurde 1837 auch Regierungsrat. Pressefehden und unerquickliche Debatten lösten sich ab, und im Dezember 1843 wurde K. als Regierungsrat nicht mehr bestätigt. Wohl am meisten Konfliktstoff lieferte seine Doppelstellung als Regierungsrat und Forstmeister. Am 7.12.1844 wurde er, nachdem er die Regierung wiederholt heftig angegriffen hatte, als Kantonsforstmeister nicht wiedergewählt. 1850 erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. – K. war ein großer Beweger und Anreger. Selbst wenn viele seiner propagierten Methoden sich nicht durchsetzten, so sind mit dem Namen dieses Forstmannes bleibende Verdienste verknüpft. Er hat die biologische Forschungsmethode im Bereich der schweizerischen Forstbotanik systematisch durchgeführt. In seiner Waldpflege berücksichtigte er erstmals im großen Umfang forstbotanische Kenntnisse. Er erkannte die Bedeutung der biologischen Physiologie des Höhenklimas und führte sie in die Forstwissenschaft ein. Entgegen der landläufigen Auffassung der Bergbevölkerung, welche den Schutz des Waldes wegen Wildwasser, Erdrutsch, Steinschlag und Lawinen örtlich beurteilte, hat K. die umfassende grundsätzliche Schutzwirkung desselben erkannt. Er stellte regelmäßige Höhenmessungen an, er gründete Forstschulen und propagierte Fortbildungskurse. Er regte die Gründung des Schweizerischen Forstvereins an und gab das Forstjournal heraus. Durch seine Mitwirkung bei der Einführung von kantonalen Forstgesetzen und durch seine Gutachten für Waldbesitzer und seine zahlreichen Schriften, hat er den Gedanken verbreitet, daß ohne obrigkeitlichen Eingriff der schonungslose Raubbau in den Wäldern bald zur gänzlichen Vernichtung „des vaterländischen Gebirgswaldes führen mußte“. Der wissenschaftliche persönliche Einsatz K.s bildete das Fundament für die spätere bedeutende Entwicklung der schweizerischen Forstwirtschaft.

  • Literatur

    ADB 15;
    G. Tobler, Forstmstr. K.s Abriß s. Lebens, 1907;
    J. Sterch, in: Bern. Biogrr. V, 1906 (W, P);
    R. Jenny, K. A. K. u. s. Alpenreisen|durch Graubünden, 1952;
    A. Hauser, Zur Bedeutung K. K.s f. d. schweizer. Forstwirtsch. u. Forstgesch. d. 19. u. 20. Jh., in: Schweizer. Zs. f Forstwesen 117, 1966, S. 879-99 (W);
    ders., K. A. K., e. Pionier d. Berglandwirtsch. d. 19. Jh., in: Wege u. Forschungen d. Agrargesch., Feslschr. G. Franz, 1967, S. 213-29;
    ders., K. K., in: Gr. Verwaltungsmänner d. Schweiz, hrsg. v. P. Bischofberger u. B. Schmid, 1975;
    HBLS (auch f. Fam.). - Zu B Gottlieb Rudolf: ADB 15;
    Biogr. Lex. d. Aargaus, 1958.

  • Autor/in

    Albert Hauser
  • Empfohlene Zitierweise

    Hauser, Albert, "Kasthofer, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 322 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117495530.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kasthofer: Karl K., Forstmann, geb. 1777 in Bern, am 22. Januar 1853. Er erhielt den ersten forstlichen Unterricht von seinem Vorgänger, Forstmeister Gruber in Bern, studirte dann drei Jahre lang auf den Universitäten Heidelberg und Göttingen, machte einen forstpraktischen Cursus am Harze durch und bereiste hierauf noch verschiedene Waldgebiete des nördlichen Deutschlands. 1806 wurde ihm die Oberförsterstelle im Berner Oberland mit dem Amtssitze in Unterseen übertragen. Hier wirkte er bis 1832 mit entschiedenem Erfolg. Die Bestände am kleinen und großen Rugen bei Interlaken und anderwärts zeugen von seinem Eifer für die Verbesserung der Forstwirthschaft. Außerdem beschäftigte er sich während dieser Zeit auch mit der praktischen Ausbildung junger Forstmänner und mit literarischen Arbeiten. Im J. 1832 vertauschte er seine Oberförsterstelle mit derjenigen eines Kantonsforstmeisters in der Stadt|Bern, und 1838 wurde er sogar in den Regierungsrath daselbst gewählt. Aus Vorliebe für die Lösung volkswirthschaftlicher Fragen nahm er diese Wahl an, behielt aber seine Forstmeisterstelle daneben bei. Seine Hoffnung, dem Kanton als Mitglied der Regierung recht nützlich zu werden und dessen Wohl kräftigst zu fördern, verwirklichte sich leider nicht, indem seine ideale Richtung nicht immer die gehoffte Anerkennung fand, und oft sehnte er sich in seine frühere Thätigkeit nach dem Oberland, in die von ihm begründeten und gepflegten Wälder zurück. Bei der Erneuerungswahl (1844) wurde er nicht mehr in den Regierungsrath gewählt und sodann auch nicht mehr zum Kantonsforstmeister. Durch diese Zurücksetzung fühlte er sich bei seinem ohnedies reizbaren Temperament so verletzt, daß sich seine letzten Lebensjahre freudlos gestalteten. 1850 wurde er körperlich so leidend, daß er das Krankenlager nicht wieder verlassen konnte. Trotzdem erhielt sich sein Eifer und sein warmes Interesse am Forstwesen und namentlich auch für das Gedeihen des schweizerischen Forstvereins, zu dessen Stiftern er mit gehörte, bis zu seinem Tode.

    K. veröffentlichte folgende Werke und Zeitschriften: „Bemerkungen über die Wälder und Alpen des Bernerischen Hochgebirgs" (1818); „Der Lehrer im Walde" (1828 und 1829 in 2 Theilen); „Der Lehrer im Walde und Gebirge“ (1. Jahrgang 1836); „Kurzer und gemeinfaßlicher Unterricht in der Naturgeschichte der nützlichsten einheimischen Waldbäume, in der Schlagführung zur Förderung der natürlichen Wiederbesamung der Wälder“ etc. (1847) u. s. w. Alle diese Schriften, welche in der Schweiz ziemlich verbreitet sind (namentlich findet sich „Der Lehrer im Walde“ fast in jedem Forsthause), bekunden einen lebhaften Berufseifer, eine sehr gute Beobachtungsgabe und eine richtige Auffassung der einheimischen forstlichen Verhältnisse. Ihre Tendenz geht dahin, beim Volk die leider in der Schweiz noch vielfach zu vermissende Liebe zum Wald zu erwecken und die zur Waldwirthschaft berufenen Personen (Gemeindevorsteher, Gutsbesitzer, Privatwaldeigenthümer, Förster) in allgemein süßlicher und leicht verständlicher Weise über die zweckmäßigste Behandlung der Wälder zu belehren. Wären die Rathschläge und Lehren Kasthofer's mit Eifer und Ausdauer zur Anwendung gekommen, so würde der Zustand der Schweizer Alpenwälder sehr viel besser sein.

    • Literatur

      (Nach Privatmittheilungen.)

  • Autor/in

    R. Heß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heß, Richard, "Kasthofer, Karl" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 437-438 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117495530.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA