Lebensdaten
1816 bis 1877
Geburtsort
Magdeburg
Sterbeort
Bielefeld
Beruf/Funktion
Textilindustrieller ; Präsident des Deutschen und Österreichischen Leinen-Industrie-Vereins ; Landtagsabgeordneter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 137717563 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kaselowsky, Ferdinand
  • Caselowsky, Ferdinand

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Zitierweise

Kaselowsky, Ferdinand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137717563.html [13.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Gottlieb Ferdinand (1796–1846), Regimentsschuhmacher in Potsdam;
    M Catharina Dor. Riehstedt;
    B Theodor (1822–1904), Spinnmeister Emil (1837–1900), GKR, Gen.dir. d. Berliner Maschinenbauges;
    - Marie Coupin geb. Campe ( 1888); kinderlos;
    N Richard (1852–1921), Teilh. u. Dir. d. Fa. Dürkopp (Fahrrad- u. Nähmaschinenfabrik) in B., 1899-1903 nat. lib. Abgeordneter im Preuß. Landtag;
    Groß-N Richard ( 1944, gd Ida verw. Oetker), Industrieller, Leiter d. Oetker-Konzerns in B.

  • Leben

    K. besuchte Gymnasium und Gewerbeschule in Potsdam und absolvierte ein Praktikum in einer Schlosserwerkstatt. Seit 1836 studierte er am Gewerbe-Institut Berlin. Ausgezeichnete Leistungen brachten ihm bei einem Wettbewerb eine Goldmedaille und im Anschluß an das Studium eine staatlich finanzierte praktische Ausbildung in den damals fortschrittlichen Leinenindustrien in Schlesien, England, Irland und Belgien ein. 1841 erhielt K. den staatlichen Auftrag zur Errichtung und Inbetriebsetzung der Flachsspinnerei zu Landeshut/Schlesien und der Flachsspinnerei, Weberei, Bleich- und Appreturanstalt in Erdmannsdorf. Er übernahm die technische Leitung dieser zur Königlichen Seehandlung gehörenden Betriebe und richtete weitere in Schlesien ein. Mehrfach reiste er nach England, Irland und Belgien zur Besichtigung technischer Neuerungen. 1849 wandte er sich für längere Zeit nach England, um von dort aus zunächst in Leeds, dann aber auch in Deutschland und Österreich größere Spinnereibetriebe einzurichten. Er entwickelte Verbesserungen für Textilmaschinen, die zum Teil in England als Patente angemeldet wurden, und konstruierte eine Flachsbrech- und Schwingemaschine. Um Bau und Leitung der in Bielefeld einzurichtenden Ravensberger Spinnerei AG zu übernehmen, kehrte K. 1854 endgültig nach Deutschland zurück. Als Fachmann für die industrielle Umstellung des Leinengewerbes wurde er zum ersten technischen Direktor ernannt. Mit Arbeitskräften aus Schlesien und England und Maschinen, die zum Großteil ebenfalls aus England stammten, überwand K. die Anfangsschwierigkeiten. Unter seiner 16 Jahre währenden Führung entstand ein moderner Großbetrieb mit 1300 Beschäftigten (1862), einer eigenen Bleiche und der im Anschluß an die Ravensberger Spinnerei 1862 gegründeten Bielefelder AG für Mechanische Weberei. Nach seinen Plänen wurde 1863 die Errichtung einer Hede(Werggarn)-Spinnerei mit 5000 Spindeln in Wolfenbüttel beschlossen. Betriebliche Schwierigkeiten und Meinungsverschiedenheiten mit dem Verwaltungsrat veranlaßten K. 1871, sein Amt als technischer Direktor niederzulegen. Drei Jahre später schied er auch aus dem Verwaltungsrat der Ravensberger Spinnerei AG aus. Als wohlhabender Rentner in Bielefeld beteiligte er sich an der Finanzierung der Firma Dürkopp (Fahrrad- und Nähmaschinenfabrik) und setzte 1876 seinen Neffen Richard Kaselowsky als deren Direktor ein. Die Ravensberger Spinnerei AG bestand auch im 20. Jahrhundert als bedeutendes Unternehmen der Textilindustrie fort.

    Mit der Einführung der Flachsspinnerei nach englischem System förderte K. die Ausdehnung der modernen Spinnereiindustrie in Deutschland. Er gehörte der „Ministerial-Commission zur Beratung von Zollfragen“ sowie der Reichspatent-Enquête als Sachverständiger an und war von der Gründung (1863) bis zu seinem Tode Präsident des Deutschen und Österreichischen Leinen-Industrie-Vereins. 1844 erfolgte die Ernennung zum Königlichen Commissions-Rath, K. war Abgeordneter des Preußischen Landtages für den Wahlkreis Lauban-Görlitz.

  • Literatur

    Der Leinen-Industrieelle, Jg. 1877, Nr. 434;
    75 J. Handelskammer zu Bielefeld, 1849–1924, 1924;
    G. Engel, Ravensberger Spinnerei AG, 1954. |

  • Quellen

    Qu.: Westermann-Slg. (Bielefeld, Stadtarchiv).

  • Autor/in

    Barbara Gerstein
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerstein, Barbara, "Kaselowsky, Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 315 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137717563.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA