Lebensdaten
1648 bis 1719
Geburtsort
Bamberg
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
kölnischer Kanzler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119550016 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Karg Freiherr von Bebenburg, Johann Friedrich
  • Bebenburg, Johann Friedrich Karg Freiherr von
  • Karg von Bebenburg, Johann Friedrich Ignaz Reichsfreiherr
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Zitierweise

Karg von Bebenburg, Johann Friedrich Reichsfreiherr, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119550016.html [16.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus Bamberger Bürgerfam.;
    V Friedrich K. (um 1610-79), bambg. Obereinnehmer;
    M Eva Schweigker (nicht Lorber) ( 1696);
    B Hieronymus Carl (Reichsadel 1709, 1651-1723), Dr. iur., bamberg. GR, seit 1714 Hofgerichtspräs. u. Kanzler;
    Schw Anna Kunigunde ( Joh. Baptist Deckler, Kaufm. in Bamberg); - ledig;
    N Georg Carl (1686–1747), kurtrier. Gesandter am Reichstag (s. Dipl. Vertr. II), Joh. Friedrich Deckler, seit 1732 Frhr. de Cler (1677–1749), köln. Geh. Conferentialrat;
    Groß-N Friedrich Karl (1709–73), Reichstagsgesandter f. Kurköln, Kurpfalz u. a. (s. Dipl. Vertr. II u. III), Joh. Friedrich Frhr. de Cler (1708–84), köln. Geh. Konferenzrat, Wilhelm Ignaz (1709–85), köln. Gen.-Lt., Gouverneur v. Bonn;
    Ur-Groß-N Maximilian Joseph (1745–97), Reichstagsgesandter f. Kurköln u. a. (s. Dipl. Vertr. III).

  • Leben

    In früher Jugend zum Geistlichen bestimmt, studierte K. 1664-66 in Bamberg Philosophie, 1666-68 in Rom Theologie, später in Prag beide Rechte (1666 Dr. phil., 1668 Dr. theol., 1676 in Padua Dr. iur. utr. ). 1672 zum Priester geweiht, wurde er Geistlicher Rat des Bamberger und Würzburger Fürstbischofs Peter Philipp von Dernbach. Seit 1679 trat er mit einer Reihe theologischer und kirchenpolitischer Schriften hervor. Nach Dernbachs Tod 1683 machte ihn Kurfürst Max Emanuel zum Direktor des geistlichen Rats und zum Dechanten des Münchener Frauenstifts. Bereits 1683/84 war er erfolgreicher Werber bei den Wahlen von Max Emanuels Bruder Joseph Clemens zum Koadjutor in Regensburg und Freising, dann erkundete er die politische Haltung des Großen Kurfürsten in Berlin. Entscheidend für seine weitere Laufbahn war der Auftrag, die bayerischen Interessen bei Kurfürst Max Heinrich, Träger der bayerischen Sekundogenitur in Kurköln, zu vertreten. Er konnte zwar Ende 1687 die von Max Heinrich unter französisch Einfluß eingeleitete Wahl des Kardinals Wilhelm Egon von Fürstenberg zum Koadjutor nicht verhindern, doch sie wurde vom Papst nicht bestätigt und daher hinfällig, als der Kurfürst starb. Nun wußte K. die Front der Anhänger Fürstenbergs im Domkapitel so zu schwächen, daß dieser bei der Neuwahl am 19.7.1688 nicht die für seine Erhebung notwendige Zweidrittel-Mehrheit erhielt. 9 der 24 Domherren stimmten für Joseph Clemens, und K. hat, nachdem er auch noch in Lüttich der Bewerbung Wilhelm Egons erfolgreich entgegengewirkt hatte, persönlich in Rom die päpstliche Anerkennung des bayerischen Prinzen sich aushändigen und nach seiner Rückkehr dessen Proklamation als Kurfürst im Kölner Dom vornehmen lassen. Inzwischen hatte sich Fürstenberg mit Hilfe französischer Truppen der Herrschaft in dem Erzstift bemächtigt. In dem damit beginnenden großen Krieg wirkte K. als Plenipotentiarius Joseph Clemens' von der rechtzeitig gegen französischen Zugriff sichergestellten Stadt Köln aus bei der Vorbereitung des Kampfes am Niederrhein mit, der 1689 zur Vertreibung Fürstenbergs und seiner Beschützer durch die gegen Frankreich verbündeten Mächte führte.

    War die kampflose Übergabe der Festung Rheinberg seiner Einwirkung auf den Kommandanten zu danken, so hat er vergebens das Bombardement Bonns durch die Brandenburger widerraten. Es legte die kölnische Residenzstadt in Trümmer, deren französische Besatzung aber erst nach langwieriger Belagerung zur Kapitulation genötigt wurde. Noch war der Gegensatz, in den K. in den folgenden Monaten bei dem Versuch, Ordnung in den durch die Kriegswirren schwer getroffenen kölnischen Landen herzustellen und die Übernahme der Gewalt durch seinen jungen Herrn vorzubereiten, zu Domkapitel und Landständen geriet, nicht ausgetragen worden, da er 1690 nach Bayern zurückgerufen wurde, um dem dort noch weilenden Joseph Clemens im politischen Geschäft beizustehen, dessen Belehnung durch den Kaiser in Wien zu betreiben und in Rom Grundlagen für eine weitere Ausdehnung seiner Macht|zu schaffen. In der Tat gelang es 1694, dem kölnischen Kurfürsten noch die Koadjutorschaft in Hildesheim und die Nachfolge in Lüttich zuzuwenden. Von diesem bereits am 2.2.1694 zum Kanzler des Geheimen Rats ernannt, wurde K. in der Folgezeit die maßgebende Persönlichkeit der in Bonn eingerichteten Regierung, die in dem Bestreben, auch in diesen geistlichen Staaten den fürstlichen Absolutismus aufzurichten, in heftigen Konflikt mit Domherren und Ständevertretern geriet. Wenn diese seine auch publizistisch verfochtenen Angriffe mit bitteren Beschwerden beantworteten, so konnten sie das Vertrauen des Kurfürsten, der ihn zum Oberstkanzler erhob und 1698 seine Nobilitierung erreichte, nicht erschüttern. Daß ausgerechnet der Mann, der einst die Einsetzung des Wittelsbachers in Köln gegen Frankreich erkämpft hatte, diesen mit dazu bestimmte, in dem neuen europäischen Krieg um die spanische Erbfolge Partei für Ludwig XIV. zu nehmen, hatte auch innenpolitische Gründe: Nur mit politischer und finanzieller Unterstützung des Königs glaubte K. des ständischen Widerstandes Herr werden zu können. Freilich folgten, als er am 13.2.1701 das Geheimbündnis mit Frankreich in Brüssel, der niederländischen Residenz des bayerischen Kurfürsten, unterzeichnete, Joseph Clemens und er doch in erster Linie dem Rat des Königs. Als sie darauf französische Truppen in Kurköln und Lüttich aufnahmen, traf sie dasselbe Schicksal wie 12 Jahre zuvor Fürstenberg: Kräfte der sich erneut gegen Frankreich bildenden Allianz eroberten die Lande an Niederrhein und Maas, aus denen der Kurfürst und sein Kanzler Ende 1702 flüchten mußten. Über ein Jahrzehnt lang hat K. das Exil seines Fürsten in Namur, Lille und Valenciennes geteilt. Immerhin hat sich ihm, der in die gegen diewittelsbach. Brüder erlassenen Mandate von Kaiser und Reich eingeschlossen war, Ludwig XIV. dankbar erwiesen, indem er ihm 1703 die Abtei Mont Saint Michel verlieh. Kirchliche Pflichten waren damit nicht verbunden, er blieb auch in der Verbannung Politiker, Berater Joseph Clemens' und auch Max Emanuels, der in umfangreicher Korrespondenz Nachrichten sammelte und sie mit eigenen Kommentaren an den Kardinalstaatssekretär Paolucci in Rom weitergab.

    Hatte seine politische und publizistische Tätigkeit gegen die Ächtung der Wittelsbacher und für ihre Teilnahme an der Kaiserwahl von 1711 zunächst keinen Erfolg, so ermöglichte der seit 1711 eintretende Zerfall der Allianz ihm die Rückkehr in die internationalen Verhandlungen. 1713 tauchte K. in Utrecht auf, als dort der Friede zwischen Frankreich und den Seemächten geschlossen worden war. Während der Rastatter Verhandlungen mit dem Kaiser hielt er sich in Paris auf, um die Franzosen zu nachhaltiger Vertretung der wittelsbachischen Forderungen zu bestimmen, und er nahm 1714 als kölnischer Bevollmächtigter an dem Reichsfriedenskongreß im schweizerischen Baden teil, zu dessen Schluß er sogar die Unterzeichner des Friedensvertrags, den Prinzen Eugen und den Marschall Villars, bei sich zu Gast sah. Nicht in jeder Beziehung war er mit dem Ergebnis der Verhandlungen zufrieden, doch bedeutete die Tatsache, daß die Kölner Domherren nun wieder die Regierung dem in alle seine Würden und Rechte wiedereingesetzten Kurfürsten und seinem Oberstkanzler überlassen mußten, für ihn einen großen Triumph. Wenn er nach der Rückkehr nach Bonn 1715 Joseph Clemens bei dem scharfen Vorgehen gegen die noch in der Stadt liegenden holländischen Truppen eher gebremst zu haben scheint, so hat er in dem rasch wieder ausbrechenden Streit mit Kapitel und Ständen seiner Leidenschaft immer wieder die Zügel schießen lassen. Der Kurfürst hat sich mitunter abfällig über ihn ausgesprochen, sich aber auch in des Kanzlers letzten Lebensjahren politisch auf ihn gestützt. – K. war ein fähiger Diplomat, ein kenntnisreicher und geschickter Publizist, ein zäher Kämpfer für die fürstlichen Rechte und Ansprüche, wirklich Staatsmännisches aber ging ihm ab. Charakterlich und moralisch nicht vorwurfsfrei, hat er auch in religiöser Beziehung keine klare Rolle gespielt: Er galt auch einem Fénelon, der ihn während des Exils kennenlernte und einmal als einen durchtriebenen Menschen bezeichnete, als Anhänger des Jansenismus, suchte dabei aber gute Beziehungen zur Kurie zu unterhalten.

  • Literatur

    ADB 15;
    E. Roth, Gesch. d. Frhrl. Fam. K. v. B., hrsg. v. Joseph Frhr. v. K.-B., 1891 (L, P);
    M. Braubach, in: Kurköln. Gestalten u. Ereignisse aus 2 Jhh. rhein. Gesch., 1949 (L), auch in: Kurköln. Miniaturen, 1954;
    L. Jadin, L'Europe au début du XVIIIe siècle, Correspondance du Baron K. de B., … avec le Cardinal Paolucci, Secrétaire d'État (1700-19), 2 Bde., 1968 (W-Verz.).

  • Portraits

    Kupf. n. Gem. v. N. van Haften, 1709 (Köln, Stadtmus.);
    n. Gem. v. G. Vivien v. J. Audran (ebd.).

  • Autor/in

    Max Braubach
  • Empfohlene Zitierweise

    Braubach, Max, "Karg von Bebenburg, Johann Friedrich Reichsfreiherr" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 153 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119550016.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Karg: Johann Friedrich Ignaz K. Freiherr von Bebenburg, (diese Vornamen stehen auf den Titeln der Schriften), geb. 1647 in Bamberg, am 30. Novbr. (nach dem Grabmonument, nach andern am 31. Decbr.) 1719 in Bonn, machte seine Studien in Rom, Paris, Prag, Bamberg und Würzburg, Geheimrath des Fürstbischofs von Bamberg und Würzburg Peter Philipp von Dernbach, hierauf des Kurfürsten Max Emanuel von Baiern, geistlicher Rathsdirector desselben, 1683 Dechant von Unserer Lieben Frauen in München, vom Kaiser Leopold I. mit einer Gesandtschaft beim Papst Innocenz XI. betraut; er setzte durch seine Bemühungen 1688 als Legat die Wahl des Prinzen Joseph Clemens von Baiern zum Erzbischof von Köln durch, in Folge dessen dieser ihn zum Kanzler und Staatsminister machte. Während er in einer zu Rom 1728. 4. von neuem sub auspiciis Bened. XIII. aufgelegten Schrift „Erotemata mixtimque problemata juris can. et civilis illustria una cum XIII. dissertationibus ad utrumque jus proemalibus“ für die weitestgehenden Befugnisse der Päpste eintritt, hat seine Schrift „Pax religiosa seu de exemtionibus et subjectionibus religiosorum opusc.“, Würzb. 1680, trotz der Schutzschrift „Fecialis pacis rel.“ cet., Bamb. 1683, Ven. (Bonn) 1778 sich mit Decret vom 21. April 1690 die Censur der Indexcongregation zugezogen. „Friedreiche Gedanken über die Religions-Vereinigung in Teutschland aus dem Wort Gottes, Conciliis, Patribus, Kirchen-Historie zusammengetragen“, Würzb. 1679. „Diss. theol. ad constitut. Greg. P. de immunitate locali ecclesiarum seu de jure sacri asyli“, Köln 1690. „Isagoge parascevattica succinctam meditandi methodum utriusque testamenti, conc. Trident. et status ecclesiast notitiam continens ad usum conferentiarum cleri Bamberg, et Herpibol.“, Würzb. 1683. „Diss. sopra i concilii Romani di Giov. VIII.“, Rom 1686.

    • Literatur

      Hartzheim, Bidl. Colon. 170, 344 (Grabschrift). Praef. der Schrift De jure asyli. Jäck, Pantheon Sp. 539, 2124. Kobolt S. 364.

  • Autor/in

    v. Schulte.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schulte, von, "Karg von Bebenburg, Johann Friedrich Reichsfreiherr" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 121 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119550016.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA