Lebensdaten
1425 bis 1492
Beruf/Funktion
Herr zu Ravenstein und Winnendahl ; Statthalter des Hennegaus
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 132255952 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Adolf
  • Adolf zu Ravenstein
  • Ravenstein, Adolf Herr zu
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Zitierweise

Adolf von Kleve und von der Mark, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd132255952.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf I., Herzog von Kleve;
    M Maria ( 30.10.1463), T des Herzogs Johann von Burgund;
    1) 6.5.1453 Beatrix ( 1462), T des Herzogs Pedro von Coimbra, Nichte der Herzogin Isabella von Burgund (Portugal), 2) 21.6.1470 Anna, natürliche T des Herzogs Philipp des Guten von Burgund;
    S aus 1) Philipp Eberhard von Kleve.

  • Leben

    A. wurde als Neffe Herzog Philipps von Burgund gemeinsam mit seinem Bruder Johann an dessen Hofe erzogen. Während Johann das Herzogtum Kleve übernahm, blieb A. in den Niederlanden und erhielt bei der Erbteilung (1450) die brabantischen Lehen Ravenstein, Herpen und Uden sowie die Anwartschaft auf die Herrschaft Winnendahl, Mitgift seiner Mutter, dazu nach der Vermählung mit Beatrix von Portugal die Herrschaft Dreischor in Seeland. Seine von Herzog Philipp veranlaßte Ernennung zum Erzbischof von Köln durch Papst Eugen IV. (1446/47) verwirklichte sich nicht. Einer der gefeiertsten Turnierhelden, Empfänger einer hohen jährlichen Pension und Ritter des Goldenen Vlieses, gehörte er vielmehr zum engsten Kreise des burgundischen Hofadels. Schon Teilnehmer der Feldzüge gegen Luxemburg und Gent ist er im Guerre du Bien Public (1465) und in den Kriegen gegen Lüttich (1467/68) einer der führenden Hauptleute des burgundischen Heeres. Herzog Karl von Burgund ernannte ihn für die Zeit seiner Abwesenheit im lothringischen Feldzug zum Statthalter in den Niederlanden (22.7.1475). Dessen Tod eröffnete den klevischen Brüdern kurze Zeit die Möglichkeit der Nachfolge. Herzogin Maria bevollmächtigte A. mit der Regentschaft über alle burgundischen Lande (28.1.1477) und erklärte ihn zum Statthalter des gefährdeten Hennegau (7.7.1477-6.8.1482). Ebenso wie Herzog Johann von Kleve soll auch A. für seinen Sohn um die Hand Marias geworben haben. Deren Entscheidung für Erzherzog Maximilian hat nichts an A.s Vorrangstellung am Hofe geändert. Er machte Maximilian zum Ritter des Goldenen Vlieses und wurde Pate des jungen Erzherzogs Philipp (22.6.1478). Nach dem Tode der Herzogin Maria (27.3.1482) hatte A. die Vormundschaft und Erziehung des jungen Prinzen in den Händen. Als führendes Glied des 1483 von Maximilian in Flandern für Philipp zugestandenen Regentschaftsrates vertrat A. zunächst die Interessen Flanderns, bemühte sich jedoch seit Ausbruch des offenen Krieges (1484) um den Ausgleich, der zum Brügger Frieden führte (28.6.1485). Die Erziehung des Prinzen - seit 1485 in Mecheln und im Verein mit Olivier de la Marche - blieb auch weiterhin in seiner Hand. Politisch trat er zurück vor seinem bedeutenderen Sohne Philipp, dessen Versöhnung mit Maximilian in dem 1488 neu ausbrechenden flandrischen Kriege seine letzte Sorge war.

  • Literatur

    ADB IV;
    J. de Kervyn de Lettenhove, Histoire de Flandre V, Bruxelles 1850;
    J. de Chestret de Haneffe, Histoire de la maison de la Marck, Liége 1898, S. 47-49 (P);
    O. Cartellieri, Am Hofe d. Hzge. v. Burgund, 1926;
    A. de Fouw, Philips van Kleef, Groningen, 1937; Qu.:
    Staatsarch. Düsseldorf, Bestand Ravenstein.

  • Portraits

    Ölgem. vom „Meister d. Fürstenbildnisse“, Berlin. Staatl. Mus., Abb. in: Pantheon 28, 1941, S. 274;
    Rötelstiftzeichnung in einem Ms. d. Bibl. v. Arras (vgl. L. Chestret de Haneffe).

  • Autor/in

    Henny Grüneisen
  • Empfohlene Zitierweise

    Grüneisen, Henny, "Adolf von Kleve und von der Mark" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 82 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd132255952.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Cleve: Adolf v. C., Herr zu Ravenstein und Winnendahl, geb. 1425, 1492, wurde mit seinem älteren Bruder Johann, spätern Herzog von Cleve, am Hofe Philipps von Burgund erzogen und erhielt 1450 in Folge Testaments seines Vaters gegen seinen Verzicht auf das Herzogthum Cleve und auf die Grafschaft Mark die Grafschaften Ravenstein und Winnendahl nebst 700 Kronen aus den Einkünften von Herzogenbusch und nebst 2000 Kronen aus dem Brügger Schatze. 1452 führte er dem Herzoge von Burgund Hülfsvölker gegen die aufrührerischen Genter zu und vermählte sich 1453 mit der portugiesischen Prinzessin Beatrix, Tochter des Herzogs Pedro von Coimbra und Nichte des Königs von Portugal, welche ihm eine Mitgift von 25000 Kronen jährliche Einkünfte mitbrachte. Diese Beatrix hob 1457 Maria, die einzige Tochter Karls des Kühnen von Burgund, aus der Taufe und gebar einen Sohn Philipp Everhard, Nachfolger Adolfs in Ravenstein und Winnendahl, dem das Leben durch einen Kaiserschnitt erhalten wurde. Adolfs Ansprüche auf das Herzogthum Coimbra erhielten nicht die Genehmigung des Königs von Portugal, obgleich, wie besagt, ein Sohn aus der Ehe entsprossen war. Beatrix hatte vor ihrem Tode zu Quesnoy ein Kloster gestiftet und erbaut, woselbst sie auch auf ihren Wunsch die letzte Ruhestätte fand. Erst 1463 war Adolf in den Besitz von Ravenstein gekommen und trat Winnendahl sogar erst 1473 an, nachdem Johann von Burgund, Graf v. Nivers, und dessen Gemahlin Jacoba gestorben waren. Er erbaute zu Winnendahl ein ansehnliches Schloß. 1464, als Karl der Kühne, damals noch Erbprinz, gegen Ludwig XI. König von Frankreich vor Paris zog, begleitete ihn Adolf mit seinen Hülfstruppen und befehligte in den beiden Treffen bei Paris den linken Heeresflügel. Durch diesen Feldzug erhielt Burgund Amiens, Abbeville, St. Quentin, Peronne und die Städte an der Somme zurück. Nach seiner Rückkehr aus Frankreich strafte Karl der Kühne die rebellischen Lütticher. Adolf befehligte dabei das Fußvolk. Auch bei der Zerstörung Dinants focht Adolf an Karls Seite. Inzwischen starb Herzog Philipp von Burgund und Karl der Kühne heirathete nach dem Tode|seiner ersten Gemahlin, Elisabeth von Bourbon, 1469 eine englische Prinzessin, wobei Adolf die Braut führte. Im nämlichen Jahre vermählte sich Adolf mit Anna, der natürlichen Tochter Philipps von Burgund, welche bei ihrem kinderlosen Tode 1507 ihrem Stiefsohn Philipp ihre ansehnlichen Güter vermachte. Nachdem Karl der Kühne bei Nancy gefallen war, traten als Brautbewerber seiner einzigen Tochter Maria der König von Frankreich für den Dauphin, Kaiser Friedrich für seinen Sohn, Erzherzog Maximilian von Oesterreich, Herzog Johann von Cleve für seinen Sohn Johann und Adolf v. Ravenstein für seinen Sohn Philipp auf. Maria entschied sich für Erzherzog Max 1477, und wird Adolf v. Ravenstein Gouverneur des 1478 geborenen Prinzen Philipp, Sohnes von Max und Maria. Frankreich war durch die Wahl Maria's beleidigt gegen Arras gezogen, wo Adolf Statthalter war. Gelegentlich einer Reise Adolfs von Arras nach Gent zur Herzogin Maria hatte er in Arras den Herrn v. Crevecoeur als Befehlshaber zurückgelassen, welcher verrätherischer Weise die eine Hälfte der Stadt dem Könige von Frankreich überlieferte. Wir finden sodann Adolf in Brügge, woselbst Erzherzog Max aus seinen Händen das goldene Vließ empfängt. 1480 begleitet Adolf die Herzogin nach dem Gravenhage. 1484 gaben die aufständischen Genter und Flamländer, welche den Erbprinzen Philipp von Burgund in ihrer Gewalt hatten, dem letztern Adolf von Ravenstein als Beirath, welcher im Namen Philipps regierte und administrirte. Sein Einfluß sowol bei dem burgundischen Hofe, als bei den rebellischen flandrischen Städten blieb bis zu seinem Tode höchst bedeutend. Er starb, nachdem zwischen den Parteien der Friede zu Sluys geschlossen war, 1492 zu Brüssel und wurde daselbst bei den Predigern beigesetzt, woselbst ihm ein ehernes Denkmal errichtet wurde. Seine Gemahlin Anna wurde 1507 ebendaselbst bestattet.

    • Literatur

      Ponti Heuteri rer. belgicar. lib. XV.

  • Autor/in

    Strauven.
  • Empfohlene Zitierweise

    Strauven, Karl Leopold, "Adolf von Kleve und von der Mark" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 329-330 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd132255952.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA