Lebensdaten
1768 bis 1864
Beruf/Funktion
österreichischer General ; Feldzeugmeister
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 135943809 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Berger von der Pleiße, Johann
  • Pleiße, Johann Freiherr von der
  • Berger von der Pleisse, Johann Nepomuk
  • mehr

Zitierweise

Berger, Johann von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd135943809.html [21.07.2017].

CC0

Artikel noch nicht erschlossen.

Berger, Johann

  • Leben

    Berger: Johann B. Freiherr von der Pleiße, k. u. k. Feldzeugmeister, der tapfersten Einer aus den Reihen der alten kaiserlichen Armee, geboren 1768 zu Nagy Márton, trat am 23. Juli 1786 als Cadett in das|Infanterieregiment Nr. 34, nahm im Türkenkriege 1787—1789 an der Belagerung von Schabacz und Belgrad theil und trug bei Eröffnung der Laufgräben durch sein beherztes Benehmen wesentlich dazu bei, daß die Arbeiten fortgesetzt und die Tranchéen erweitert werden konnten. Nachdem B. am 1. August 1788 zum Fähnrich befördert worden war, kam er am 1. April 1790 als Unterlieutenant zum Wenzel Colloredo-Infanterieregiment (Nr. 56). Während des Krieges gegen die französische Republik zeichnete er sich wiederholt durch Umsicht und hervorragende Tapferkeit aus, namentlich 1793 beim Sturm auf Valenciennes und Dünkirchen, in der Schlacht auf dem camp de César und bei Warwick, 1794 in den Schlachten von Tournai, Charleroi und Fleurus, bei Kaiserslautern und bei Mannheim, 1795 bei der Belagerung und dem Sturm auf Mannheim und 1796 bei Würzburg. In diesem Jahre zum Oberlieutenant, am 11. December 1800 zum Capitänlieutenant befördert, zeichnete er sich in der unglücklichen Schlacht von Hohenlinden aus, indem er beim allgemeinen Rückzuge an 300 Mann verschiedener Regimenter, die zurückgeblieben waren und sich den verfolgenden feindlichen Reitern ergeben wollten, sammelte, sie zur Vertheidigung aneiferte und sie mitten durch den Feind auf einem zwölfstündigen Umwege glücklich zur Armee brachte. Den Feldzug 1805 in Italien machte B. als Hauptmann mit, und commandirte, vor Beginn des Feldzuges von 1809 zum Major vorgerückt, das zweite Bataillon von Nr. 56, an dessen Spitze er in dem Gefecht bei Hausen schwer verwundet wurde. Am 1. September 1809 wurde B. zum Oberstlieutenant, am 8. October 1813 zum Obersten befördert. Am ersten Tage der Schlacht von Leipzig durchwatete er an der Spitze des ersten Bataillons seines Regiments einen vor der Pleiße befindlichen tiefen Abzugsgraben, um das vom Gegner beim Dorfe Lößnig hartnäckig vertheidigte jenseitige Ufer zu forciren, wurde jedoch hierbei durch zwei Pistolenschüsse verwundet, fiel vom Pferde, das ebenfalls verwundet zusammenbrach, und rettete sich nur dadurch, daß er ins Wasser sprang und dasselbe durchwatete, wobei er beinahe ertrunken wäre. "Herr Oberst Berger von Wenzel Colloredo, der verwundet wurde", so sagt die Relation des FML. Fürsten Liechtenstein vom 22. October 1813, "verdient, daß seine Bravour, mit der er seiner anvertrauten Mannschaft zum Beispiel war, vorzüglich angeführt werde." In dem Gefechte bei St. Julien am 27. Februar 1814 that sich das Regiment Colloredo unter Berger's Führung wiederholt glänzend hervor, in dem Gefechte bei Les Lusiettes, 1. März 1814, schlug B., welcher mit dem zweiten Bataillon und zwei Geschützen auf die Höhen von Tairier eilte, um die rechte Flanke der Stellung zu decken, den Feind mit großem Verluste aus den eben erst eroberten Dörfern Crache und Tairier, behauptete die Höhen gegen die ferneren Angriffe und ließ hier unter dem feindlichen Geschütz- und Gewehrfeuer die neuen Fahnen seines Regiments feierlich einweihen. Es war ein erhebender Act, als die Krieger, von heiliger Begeisterung ergriffen, sich auf die Kniee warfen und mitten im Kampfgetöse schwuren, die Fahnen mit Blut und Leben zu vertheidigen. An dem neu belebten Muthe seiner Soldaten scheiterte jetzt jeder Versuch des übermächtigen Feindes. Bis tief in die Nacht hinein behauptete Oberst B. seine bisherige Stellung, über welcher die soeben gesegneten Fahnen flatterten. In Anerkennung dieser vielen Verdienste erhielt B. ohne Capitelbeschluß infolge Handschreibens des Kaisers vom 26. März 1814 das Ritterkreuz des Maria-Theresienordens und vom Kaiser Alexander von Rußland den St. Georgsorden vierter Classe. Die statutenmäßige Erhebung in den Freiherrnstand mit dem Prädicate "von der Pleiße" erfolgte im April 1816. Am 21. Mai 1815 kam B. als Commandant zum Infanterieregiment Splényi Nr. 51, am 29. October 1824 wurde er zum Generalmajor befördert|und kam als Brigadier zuerst nach Cremona, dann nach Mantua, wurde 1826 in der Wiener-Neustädter Akademie angestellt, 1827 aber wieder als Brigadier nach Wien eingetheilt. Im J. 1830 kam B. als Militärcommandant von Tirol nach Innsbruck, wo er am 6. September 1832 zum Feldmarschalllieutenant avancirte und am 5. Januar 1833 zum zweiten Inhaber des Infanterieregiments Nr. 51 ernannt wurde. Im J. 1837 erhielt B., nachdem er von der Stadt Innsbruck zum Ehrenbürger ernannt und von den Ständen des Landes als "Herr und Landmann" immatriculirt worden war, das Commando der Festung Temesvár, 1844 jenes von Arad, in welcher Eigenschaft er die Stürme des Revolutionskrieges von 1848—1849 mitmachte. Nach der unvermeidlichen ehrenvollen Capitulation der Festung ernannte Kaiser Franz Joseph am 31. Juli 1849 den 81jährigen Helden zum Feldzeugmeister ad honores und zum geheimen Rath und verlieh ihm das Commandeurkreuz des Leopoldsordens. Gleichzeitig trat B. auch nach 63jährigen, fünf Kaisern treu geleisteten Diensten in den Ruhestand. B. war seit 1836 mit Agnes Gräfin Gleispach vermählt und lebte nach seiner Pensionirung zuerst in Wien, seit dem Jahre 1851 aber in Oedenburg, woselbst er am 2. April 1864 im 96. Lebensjahre starb.

    • Literatur

      Die Acten des k. u. k. Kriegsarchivs. — Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. — Hirtenfeld, Der Militär-Maria-Theresienorden und seine Mitglieder. — Maendl, Geschichte des k. u. k. Infanterieregiments Nr. 51.

  • Autor

    Oscar Criste.
  • Empfohlene Zitierweise

    Criste, Oscar, "Berger, Johann von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 46 (1902), S. 372-373 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd135943809.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA