Lebensdaten
erwähnt 1207, gestorben nach 1244
Beruf/Funktion
Reichsmarschall ; kaiserlicher Hofmarschall ; Marschall <Hofamt>
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137787715 | OGND | VIAF: 81924352
Namensvarianten
  • Anselm von Justingen
  • Justingen, Anselm von
  • Anselm von Justingen
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Zitierweise

Justingen, Anselm von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137787715.html [17.10.2021].

CC0

  • Genealogie

    Aus schwäb. edelfreiem Geschl. mit Stammburg Justingen (Kr. Münsingen), vielleicht eines Stammes mit d. Herren v. Steußlingen u. Gundelfingen, um 1330 erloschen. V (?) Anselm (erw. 1153/82), Marschall, wohl S d. Berthold (erw. 1137);
    M N. N.;
    Tante-v Adelhaid (⚭ Eberhard v. Tanne gen. Truchseß v. Waldburg, 1234);
    B Rudolf, Marschall Philipps v. Schwaben;
    Schw Bertha ( 1266), Äbtissin v. Heiligenkreuzthal;
    - N. N.;
    S (?) Anselm d. J., Marschall.

  • Leben

    J. wird erstmals in einer Privaturkunde vom 1.7.1207 erwähnt. Nachdem die staufische Partei im Sept. 1211 Kg. Friedrich von Sizilien gegen Otto IV. zum Kaiser gewählt hatte, schickte sie J. nach Italien, um die Zustimmung Papst Innocenz' III. und des jungen Staufers zur Wahl zu erlangen. Als Friedrich II. im Herbst 1212 in Deutschland eingetroffen war, ernannte er J. zum Hofmarschall, doch mußte dieser sein Amt kurz darauf an Heinrich v. Kalden abgeben. Erst nach dessen Tod (erstmals am 23.4.1215) erscheint J. wieder mit dem Titel eines Reichsmarschalls, fast ständig im Gefolge Friedrichs II., den er 1220 auch zur Kaiserkrönung nach Rom begleitete. Im Aug. 1221 kam er mit einer Flotte den im ägypt. Damiette bedrängten Kreuzfahrern zu Hilfe. Seit Mai 1223 begegnet er in der Umgebung Kg. Heinrichs (VII.) in Deutschland. Zwischen Dez. 1224 und Dez. 1227 scheint er sein Amt verloren zu haben. Im Juni 1228 ist er bei Friedrich II. in Brindisi, im März 1229 – mit seinem alten Titel – bei Hzg. Rainer von Spoleto in der Mark Ancona. Im Sommer 1230 weilte J. als Gesandter Heinrichs (VII.) bei Hzg. Ludwig von Bayern. Als sich der junge König gegen seinen Vater empörte, stellte sich ihm J. zur Verfügung. Im Dez. 1234 schloß er, wieder als „kaiserl. Hofmarschall“, in Mailand das Bündnis Heinrichs mit den Lombarden gegen Friedrich II., im Sommer 1235 kämpfte J. in Schwaben gegen die kaiserl. Partei, noch im gleichen Jahre wurde seine Stammburg Justingen zerstört. Er flüchtete zu dem vom Kaiser geächteten Hzg. Friedrich II. von Österreich, an dessen Hof er bis zum 1.7.1244 wiederholt nachweisbar ist. Ob J. identisch ist mit dem Anselm v. Justingen in einer Urkunde Friedrichs II. vom März 1236 oder mit dem gleichnamigen Marschall in der Umgebung Kg. Wilhelms von Holland 1249, bleibt fraglich, zumal im Mai 1242 als Zeuge in einer Kaiserurkunde ein Anselmus iunior de Iustingen, wohl ein Sohn unseres J., genannt wird.

  • Literatur

    ADB 14;
    Wirtemberg. UB II-IV, 1858-83;
    Regg. Imp. V, 1881-1901;
    UB z. Gesch. d. Babenberger in Österreich II, 1955;
    E. Winkelmann, Forschungen z. Dt. Gesch. I, 1860, S. 38, 41;
    Jbb. d. Dt. Gesch. I, Friedrich II., S. 151;
    J. Ficker, Die Reichshofbeamten d. stauf. Periode, 1863, S. 18-20;
    K. Weller, in: Württ. Vjhh. NF 4, 1895,|S. 176-84, NF 6, 1897, S. 132;
    K. Bosl, Die Reichsministerialität d. Salier u. Staufer II, 1951, S. 410;
    Oberbad. Geschl.buch, hrsg. v. J. Kindler v. Knobloch, II, 1905.

  • Autor/in

    Hans Martin Schaller
  • Empfohlene Zitierweise

    Schaller, Hans Martin, "Justingen, Anselm von" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 709-710 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137787715.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Justingen: Anselm von J. (südwestlich Blaubeuren) wurde von den fürstlichen Gegnern Otto's IV. 1211 mit Heinrich von Neifen nach Italien geschickt, um bei Innocenz III. die Bestätigung der Wahl Friedrichs II. zum römischen Kaiser, bei diesem die Annahme derselben zu erwirken und ihn selbst nach Deutschland zu geleiten. Er führte seinen Auftrag glücklich aus und Friedrich II. ernannte ihn nach der Ankunft in Deutschland (Herbst 1212) zum Reichshofmarschall. Da indessen der bisherige Inhaber dieses Amtes, der berühmte Heinrich von Kalden (Pappenheim), bald darnach ebenfalls dem Staufer sich anschloß, mußte J. ihm weichen und er erscheint mit jenem Amtstitel erst 1215 wieder, als Kalden wahrscheinlich schon todt war. Er machte Friedrichs Römerzug mit, nahm an der verspäteten Hülfsleistung für Damiette 1221 Antheil und kehrte erst nach dem Juli 1222 nach Deutschland heim. Aus unbekannten Gründen ist ihm zwischen 1225 und 1227 der Amtstitel wieder entzogen und den Pappenheim's zu Theil geworden und das mag wol der Grund gewesen sein, weshalb er sich bei der Rebellion Heinrichs VII. gegen den Kaiser auf des ersteren Seite stellte, der ihm nun das Amt wieder zusprach. Er schloß für den König zu Mailand am 17. Decbr. 1234 das hochverrätherische Bündniß mit den Lombarden ab, vertheidigte sich 1235, als die Rebellion unterlag, noch tapfer auf der Stammburg gegen die Kaiserlichen, mußte aber zuletzt zum Herzoge Friedrich von Oesterreich fliehen, der damals Feind des Kaisers ward. Seine Stammburg ward 1236 zerstört; er selbst ist wahrscheinlich in Oesterreich gestorben. Das Amt des Reichshofmarschalls aber verblieb den Pappenheims, obwol bei König Wilhelm 1249 noch einmal ein Auselm von Justingen, vielleicht der Sohn jenes Empörers, den Amtstitel geführt hat.

  • Autor/in

    Winkelmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Winkelmann, Eduard, "Justingen, Anselm von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 757-758 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137787715.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA