Lebensdaten
1418 bis 1486
Geburtsort
Rauschenberg bei Kassel
Sterbeort
Trient, Castel Buonconsiglio
Beruf/Funktion
Bischof von Trient ; Humanist ; Jurist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118915967 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hinderbach, Johannes
  • Johannes Hinderbach
  • Johann Hinderbach (in der ADB)
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118915967.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Scheib ( 1428), Dorfschöffe in R.;
    M Innrael Hinderbach;
    Om Dietmar ( 1453), Mag. artium, Dr. med., Prof. u. mehrfach Rektor d. Univ. Wien, Pfarrer v. Kirchberg/Wagram u. Domherr v. Passau (1434), Konrad ( vor 12.3.1451), Kanonikus v. St. Stephan/Wien, Dekan d. Propstei Ardagger u. Pfarrer v. Ybbs/Donau; Verwandte-m Heinrich Heinbuche v. Langenstein ( 1397, s. NDB VIII), Paul u. Andreas v. Langenstein ( 1399), Professoren a. d. Univ. Wien, Hermann Lelle v. Treysa ( 1413), Mediziner, mehrfach Rektor d. Univ. Wien, Kanonikus v. St. Stephan/Wien, Peter v. Treysa, Dr. theol., Rektor d. Univ. Würzburg;
    B Heinrich (Heuze) ( n. 14.6.1485), Stadtkämmerer, Ratsmitgl. u. „Genannter“ in Wien, Amtmann in Klosterneuburg, Konrad (1427- um 1488), Mag. artium, 1459 Pfarrer in Kirchberg/Wagram, 1470 Domherr v. Trient (u. v. Brixen?), 1472 Propst v. St. Viktor vor Mainz, 1480 Generalvikar v. Trient.

  • Leben

    Als Angehöriger der rhein. Nation wurde J. im WS 1434/35 unter dem Dekanat seines Onkels Dietmar an der Univ. Wien immatrikuliert, erlangte hier 1436 den Grad eines Baccalaureus und 1438 den eines Magister artium. 1439 begann er mit dem Jura-Studium, das er 1441 in Padua fortsetzte. Er trat in die Dienste Kaiser Friedrichs III., der ihn 1448/49 als Gesandten nach Mailand sandte und ihn 1449 mit der Pfarre Mödling belohnte. Später erhielt er Kanonikate in Passau, Regensburg und Trient, dort auch die Propstei, um die er aber prozessieren mußte (1455). Politisch war J. durch eine Mission nach Venedig an den Vorbereitungen und durch persönliche Teilnahme am Krönungszug Friedrichs III. beteiligt (1451). Bei dieser Gelegenheit wurde er am 14.1.1452 in Gegenwart Friedrichs III. in Padua zum Doktor in decretis promoviert. Mehrfach war er als kaiserl. Gesandter an der Kurie tätig, wo er 1455 vor Calixt III. und 1459 vor Pius II. Obedienz leistete. Dafür wurde er 1459 zum Hofpfalzgrafen ernannt und in den Adelsstand erhoben. 1461 als Gesandter Friedrichs III. bei Georg Podïebrad, machte er 1462 die Belagerung des Kaisers in Wien mit, wobei seine Habe geplündert wurde. Durch Gunst der Kaiserin Eleonora, die er auf ihrer Reise nach Wien 1452 begleitet hatte, schon 1464 für das Bistum Brixen empfohlen, erlangte er am 30.8.1465 das benachbarte Bistum Trient durch Wahl der Kapitularen und am 12.5.1466 die päpstl. Bestätigung durch persönliche Bemühungen. Am 20.7.1466 ließ er sich in SS. Apostoli in Rom zum Bischof weihen, allein die kaiserl. Belehnung erfolgte erst am 13.2.1469 zu Venedig. 1469 neuerdings am Papsthof, eröffnete er 1471 im Namen des Kaisers den Reichstag von Regensburg und vertrat diesen 1474 auf dem Augsburger Reichstag. Noch 1486 war er als Gesandter in Venedig tätig. Bemühungen um das Kardinalat scheiterten hingegen am Widerstande Friedrichs III. J., den Zeitgenossen als gelehrten Juristen und gewandten Redner schildern, widmete sich mit Eifer seiner Diözese und legte den Grundstein zum neuen Schloß in Trient. Er verfolgte 1475 die eines Ritualmordes verdächtigen Juden. Durch vorzügliche Verwaltung, Mäzenatentum – u. a. Anlage der Trienter Musikhandschriften – und die Einführung des Buchdruckes in Tirol sowie die Wiederherstellung der 1410 beraubten Dombibliothek sicherte er sich einen ehrenvollen Platz.

    Von seinem literarischen Nachlaß ist – abgesehen von Gelegenheitsgedichten und einer regen Glossatorentätigkeit in ihm gehörenden Handschriften – nur die Fortsetzung von Enea Silvios „Historia Friderici“ für die Jahre 1460/62 und eine – noch unedierte – „Chronologia Friderici imperatoris III. et sue familie“ (1432/70) zu erwähnen, wenn man von einer Notiz über den Trienter Bischofspalast absieht (ed. H. v. Voltelini, in: Zs. d. Ferdinandeums f. Tirol u. Vorarlberg 3. Folge 42, 1898).

  • Literatur

    ADB XII (unter Hinderbach);
    E. Hannak, Ein Btr. z. Erziehungsgesch. Kaiser Maximilians I.|a. d. J. 1466, in: Mitt. d. Ges. f. dt. Erziehungs- u. Schulgesch. 2, 1892;
    V. v. Hofmann-Wellenhof, Leben u. Schrr. d. Dr. J. H., Bischofs v. Trient, in: Zs. d. Ferdinandeums f. Tirol u. Vorarlberg, 3. Folge, 37, 1893;
    F. Schneller, Btrr. z. Gesch. d. Bisthums Trient a. d. MA, ebd. 39, 1895;
    O. Lechleitner, Der Kampf um d. Rechtskraft d. dt. Konkordate im Bistum Trient, ebd. 57, 1913;
    L. Santifaller, Das Brixner Domkap. in s. persönl. Zusammensetzung im MA, 1925;
    ders., Urkk. u. Forschungen z. Gesch. d. Trientner Domkapitels im MA I, 1948;
    K. Großmann, Die Frühzeit d. Humanismus in Wien b. zu Celtis Berufung 1497, in: Jb. f. Landeskde. v. Nd.-Österreich 22, 1929;
    G. A. Tarugi Secchi, La biblioteca vescovile trentina, 1930, S. 36 ff.;
    H. Göhler, Das Wiener Kollegiat-, nachmals Domkapitel z. hl. Stephan …, Diss. Wien 1932 (ungedr.);
    A. Piccolrovazzi, La contrastata nomina del card. F. Gonzaga al vescovado di Bressanone, 1935, S. XV ff.;
    G. Rasmo, Documenti mantovani sulla nomina dell'Hinderbach a vescovo di Trento, in: Studi Trentini 18, 1937;
    A. Cetto, I codici viennesi della Bibl. vescovile di Trento, ebd. 37, 1958;
    C. Santoro, I codici miniati della bibl. trivulziana, 1958, S. 51, 99 f.;
    A. Lhotsky, Qu.kde. z. ma. Gesch. Österreichs, in: MIÖG Erg.bd. 19, 1963;
    J. Kögl, La sovranità dei vescovi di Trento e Bressanone, 1964, S. 171 ff.;
    W. P. Eckert, Aus d. Akten d. Trienter Judenprozesses, in: Judentum im MA, 1966, S. 286-89, 296-302;
    A. A. Strnad, J. H.s Obedienz-Ansprache vor Papst Pius II., in: Röm. Hist. Mitt. 10, 1967;
    Vf.-Lex. d. MA II, V;
    RTA 19,1, 1969, 22,1, 1973.

  • Portraits

    Tafelbild Madonna mit Heiligen v. Girolamo da Trento (Trient, S. Maria Maggiore, zeitgenöss.);
    Grabstein im Dom v. Trient u. Siegel;
    alles abgeb. b. G. Gerola, Iconografia dei Vescovi di Trento fino a Bernardo Cles, in: Atti della Società italiana per il progresso delle scienze XIX/1, 1931, S. 869 f., Tafel XII-XIV; Zum Grabstein vgl. noch:
    G. De Carli, La Cattedrale di S. Vigilio, 1965, S. 47, Fig. 27.

  • Autor/in

    Alfred A. Strnad
  • Empfohlene Zitierweise

    Strnad, Alfred A., "Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 538 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118915967.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hinderbach: Johannes H., geb. c. 1418; starb als Bischof von Trient am 21. Septbr. 1486. — Die erste Nachricht über diesen einflußreichen Priester und nicht unverdienstlichen Geschichtschreiber läßt ihn 1437 als Baccalaureus, 1439 als 21jährigen Magister der artistischen Facultät an der Wiener Hochschule erscheinen, allwo er Vorlesungen über lateinische Grammatik hielt. Er setzte dann die eigenen Studien in Padua, vornehmlich im römisch-canonischen Rechte, fort und kam wieder nach Wien zurück, zur Zeit, als Enea Silvio Piccolomini seine einflußreiche Stellung am kaiserl. Hofe bekleidete. Durch die Gönnerschaft des Senesen gelangte H. zur Hofkaplanschaft, erhielt die Pfarre zu Mödling und ein Passauer Canonicat. Als Kaiser Friedrich III. zur ersten Romfahrt sich bereit machte, reiste H. (1451) in Gesellschaft des Grafen Michael Hardegg auf Maidburg nach Venedig und in andere Städte Italiens als Vorbote. Er war Zeuge der Kaiserkrönung und Hochzeit des Habsburgers mit Lenor von Portugal und erlebte die Auszeichnung, am 14. Januar 1452, in Gegenwart des kaiserlichen Hofes zum doctor juris canonici promovirt zu werden. Daß H. ein im Kirchenrechte sattelfester und gebildeter, beredter Mann war, bezeugt Enea Silvio, damals bereits Bischof von Siena und Candidat des Cardinalates. Der Kaiser bediente sich daher bald Hinderbach's als Geheimschreibers und Diplomaten. Als solcher überbrachte er die kaiserlichen Glückwünsche seinem Gönner von ehedem, dem neugewählten Papste Pius II. (Enea Silvio) im Jahre 1459. Bereits im Jahre 1455 hatte H. bei dem Papste Calixt III. ein Canonicat und eine Dompropstenstelle zu Trient erwirkt; 1459 verschaffte ihm der Kaiser ein Regensburger Canonicat und hob|ihn als „Grafen des lateranensischen Palastes und des römischen Reiches“ in den Adelstand. In den bösen Händeln des Kaisers mit den Wienern als Parteigängern seines Bruders Erzherzogs Albrecht VI. war H. ein wohlunterrichteter Zeuge der Ereignisse; seine Fortsetzung der „Historia Friderici“ des Aeneas Silvius, deren Schlußtheil 1452—58 ihm nicht vorlag, ist daher namentlich für die Geschichte der J. 1460—63 von nicht zu unterschätzendem Werthe. — Die Wahl des Trienter Domcapitels berief den Liebling des Kaisers zur Bischofswürde. Obschon nun eine mächtige Partei in Rom, wo Papst Paul II. dem Gönner Hinderbach's gefolgt war, gegen seine Bestätigung arbeitete, bewirkte dennoch der kaiserliche Einfluß am 12. Mai 1466 die Confirmation. Am 13. Febr. 1469 erhielt er bei der Rückkehr Friedrichs III. von der zweiten Romfahrt zu Venedig die kaiserliche Belehnung mit dem Bisthumslehen. Als kaiserl. Botschafter erscheint er 1470 auf dem Regensburger Reichstage. In der folgenden, wirrenvollen Epoche suchte H. sich mehr auf die Angelegenheiten seines Bisthums zu beschränken. 1486 wurde er aus Anlaß des Zwistes H. Sigmunds von Tirol mit den Venetianern an die Signoria entsendet und starb bald nach der Rückkehr (21. September). Eine reiche Handschriften- und Büchersammlung läßt in ihm den Freund der Wissenschaft, den Humanisten erkennen. Von seinem litterarischen Nachlasse sei die ungedruckte „Chronologia Friderici imperatoris III et suae familiae ab ao. 1432—70“ hervorgehoben.

    • Literatur

      Aschbach. Gesch. d. Wiener Universität, S. 361 f. und Lorenz, Mittelalt. Gesch. Q. Deutschlands II. S. 287; s. auch Voigt. Enea Silvio Piccolomini und seine Zeit.

  • Autor/in

    Krones.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krones, Franz von, "Johannes" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 457-458 unter Hinderbach [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118915967.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA