Lebensdaten
um 1455 oder 1460 bis 1519
Geburtsort
Wesel/Niederrhein
Sterbeort
Haarlem
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119454041 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Joest, Jan
  • von Kalkar, Jan (genannt, von ist kein Adelsprädikat)
  • Kalkar, Jan von (genannt, von ist kein Adelsprädikat)
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Joest von Kalkar, Jan, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119454041.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich Joest;
    M Kathrynken Baegert;
    Om Derik B. ( n. 1515), Maler (s. NDB I); Schwager Bartholomäus N. N., Maler (vielleicht identisch mit Bartholomäus Bruyn d. Ä., 1555, Maler, s. NDB II).

  • Leben

    J. stammt aus Wesel, nicht aus Kalkar. Er lernte bei seinem Onkel Derick Baegert in Wesel. Wahrscheinlich ist er personengleich mit „Juan de Holanda“, genannt im „Libro de acuerdos“ der Kathedrale von Palencia, und mit „Jehan de Hollande“ in den Hofarchivalien zu Brüssel. Hier malte er im Auftrag des Bischofs Don Juan de Fonseca, der 1505 als Gesandter in Brüssel weilte, den „Siebenschmerzenaltar“ für die Kathedrale jener span. Stadt. Um 1490, vor seinen niederländ. Arbeitsjahren, wirkte J. zusammen mit seinem Onkel Derick Baegert in Köln am Altar für die Laurentiuskirche (heute in München und Brüssel). Seit 1505/06 beteiligte J. sich als Maler der Flügelbilder (Vorder- und Rückseite) an dem im Mittelteil holzgeschnitzten Hochaltar der Kalkarer Nikolaikirche. Seit 1509 ist er in Haarlem nachweisbar; 1515 führte er dort einen Auftrag für die St. Bavokirche aus.

    Der Kalkarer Altar ist eine Gemeinschaftsleistung mehrerer Bildschnitzer und Maler; das über 6 m hohe und 4 m breite Werk „Unserer Lieben Frauen Brüderschaft“ beanspruchte 20 Jahre Zeit in Planung und Durchführung. Der Schnitzauftrag für den vielgliedrigen Kalvarienberg in der Mitte und für das Abendmahl und die Fußwaschung der Predella erging 1490/92 an Arnt „Beeldesnider“ in Zwolle; nach dessen Tod (1492) zieht man dessen Gehilfen Jan van Haldern (15./16. Jh., s. ThB) für die übrigen Predellenstücke heran, um das große Schnitzwerk in der Mitte endlich 1498-1500/01 durch den aus Marburg/Lahn stammenden Bildhauer Ludwig Juppe durchführen zu lassen. Den Malauftrag erhielt 1505 ein bis heute unbekannt gebliebener „Meister Matheus“, dem man für Entwürfe („Patronen“) immerhin 4 Gulden 5 Stüber auszahlte.

    Weder die Komposition der zahlreichen christologischen Szenen noch die in der Infrarotaufnahme herausgetretenen Vorzeichnungen und zahlreichen „Reuezüge“ (Pendimente) geben das Geheimnis um diesen „Matheus“ preis, wohl aber zeugen sie von der über allem obwaltenden Meisterhand eines bedeutenden Malers, nämlich J.s, der 1505/06 „die Tafel angenommen zu malen“. Mitarbeiter am Malwerk waren der junge Bartholomäus Bruyn und der wenig ältere Joos van Cleve. (Joos van der Beke), an dessen 1507 datiertes Gemälde der Ureltern im Louvre das eingemalte Triptychon mit Adam und Eva in der „Darstellung Christi“ zu Kalkar erinnert. Ein Selbstporträt J.s erkennt man rechts im „Ecce homo“. Alles in allem bleibt der Gesamteindruck der bindenden Meisterhand J.s bestimmend, dessen Bildwelt noch durchdrungen ist von der Hochstimmung in der Kunst des Genter Malers Hugo van der Goes. In seiner Anbetung der Könige hat J. Bildgedanken des Monfortealtars (Berlin) aufgegriffen und im Kalkarer Marientod die Komposition der „dormitio Mariae“ (Brügge) des Hugo van der Goes aufgenommen. Eine Schulung J.s bei dem aus Holland nach Brügge herübergewanderten Maler Gerard David wurde von Baudisch vertreten. In Köln sah J. als Lehrknabe in der Laurentiuskirche die Tafelmalerei des Dirck Bouts und seiner Haarlemer Gruppe (Triptychon, heute in München), ganz zu schweigen vom Eindruck der spätgotischen Kölner Malerschule (Meister der Hl. Sippe u. a.). Am Kalkarer Hochaltar wird zudem deutlich, wie sehr die am Niederrhein tätigen Künstler die niederländ. Kunst im frühen 16. Jh. beeindruckt haben; vornehmlich die durch die Lehre bei Derick Baegert hervorragend angelegte Porträtkunst J.s dürfte über seinen Mitarbeiter Joos van Cleve weithin ihre Wirkung getan haben.

  • Literatur

    ADB 13 (unter Jan Joest v. Calcar);
    C. P. Baudisch, J. J. v. K., ein Btr. z. Kunstgesch. d. Niederrheins, 1940;
    A. Stange, in: Kindlers Malerei Lex. III, 1966;
    ders., Die dt. Tafelbilder vor Dürer, Krit. Verz. I, 1967;
    E. Willemsen, Die Wiederherstellung d. Altarflügel d. J. J. vom Hochaltar in St. Nikolai zu Kalkar, in: Jb. d. rhein. Denkmalpflege 27, 1967;
    R. Wallrath, in: Kat. Herbst d. MA, Spätgotik in Köln u. am Niederrhein, 1970, Nr. 44;
    J. Białostocki, Joos van Cleve in d. Altar v. Kalkar, in: Festschr. Otto Pächt, 1972;
    F. Gorissen, Meister Matheus u. die Flügel d. Kalkarer Hochaltars, Ein Schlüsselproblem d. niederrhein. Malerei, in: Wallraf-Richartz-Jb. 35, 1973;
    ThB (unter Jan; L).

  • Autor/in

    Rolf Wallrath
  • Empfohlene Zitierweise

    Wallrath, Rolf, "Joest von Kalkar, Jan" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 465-466 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119454041.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Jan Joest von Calcar. Dieser Maler, über den die meisten Kunsthandbücher nichts zu berichten wissen, ist in der Neuzeit Gegenstand der Forschung geworden. Er soll um 1460, wahrscheinlich in Calcar das Licht der Welt erblickt und sich unter dem Einfluß von Memling, Ger. David und Quintin Messis zum Künstler ausgebildet haben. Eisenmann glaubt ihm das Bild der Münchner Pinakothek: Tod der Maria, dessen Künstler man bis jetzt den Meister des „Tod der Maria“ zu nennen pflegte, zuschreiben zu müssen, da es mit dem Hauptaltarbild in Calcar dieselbe Hand zeigt. Dann ist auf seinen Namen ein Flügelbild des Berliner Museums getauft. Das Hauptbild stellt die Anbetung der Könige dar, auf den Flügeln ist links die heil. Katharina, rechts die heil. Barbara, deren Rückseiten die Heiligen Christoph und Sebastian, grau in grau enthalten. Weitere Nachrichten fehlen.

  • Autor/in

    Wessely.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wessely, Joseph Eduard, "Joest von Kalkar, Jan" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 692 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119454041.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA