Lebensdaten
1861 bis 1900
Geburtsort
Züllchow bei Stettin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Volkskundler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117065587 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jahn, Ulrich

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Zitierweise

Jahn, Ulrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117065587.html [22.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav (1818–88), urspr. Landwirt u. Weißgerber, seit 1858 Hausvater d. Züllchower Rettungshauses u. Vorsteher d. dortigen Brüderanstalt, Vf. frommer Gedichte (u. a. d. Gesangbuchliedes „Jesus allein, kein andrer Meister mehr“), volkstüml. Schriftsteller (s. ADB 50; Kosch. Lit.-Lex.);
    M Dorothea (1832–71), T d. preuß. Oberst August v. Dieskau u. d. Bertha Mentz;
    1887 N. N.

  • Leben

    J. studiert in Leipzig, Berlin und Breslau zunächst Theologie, dann deutsche Philologie. Die Begegnung mit Karl Weinhold, der, 1882 nach Breslau berufen, dort über germanische Mythologie liest, wird für ihn bestimmend. Seine Dissertation: „Die deutschen Opfergebräuche bei Ackerbau und Viehzucht“ zeigt seine Zugehörigkeit zur (später so genannten) „mythologischen Schule“. Nach dem 1885 in Religion und Deutsch abgelegten Staatsexamen kehrt J. nach Pommern zurück und beginnt dort mündliche Überlieferungen zu sammeln. Seine Sammeltätigkeit erregt die Aufmerksamkeit Rudolf Virchows, der an Altertümern interessiert ist. Er empfiehlt J. für ein Lehramt am Berliner städt. Gymnasium. Für das 1888 zusammen mit dem Bankier A. Meyer Cohn gegründete „Museum für Volkstrachten und Erzeugnisse des Hausgewerbes“ sammelt J. in Pommern (Rügen, Pyritzer Weizacker, Friesenkolonie Jamund) „Bauernaltertümer“, Trachten, Hausgerät. Gemeinsam mit Weinhold, der 1889 an die Berliner Universität berufen wird, gründet er 1890 den Verein für Volkskunde mit einer eigenen Zeitschrift, die aus der Abteilung Volkskunde der Zeitschrift für Sprachwissenschaft und Völkerpsychologie (Lazarus und Steinthal) entsteht, die J. ein Jahr geleitet hatte.

    J. begibt sich 1892 auf „ethnographische Reisen“, richtet ein Museum in Altona ein, plant eine Ausstellung deutscher Volkstrachten in London, baut 1893 das deutsche Dorf auf der Columbus-Weltausstellung in Chicago auf. Weinhold spricht in seinem Nachruf auf ihn von einem „Beutezug von Friesland bis Südtirol“. Schließlich verlegt J. seinen Wohnsitz nach London, gründet ein kleines Museum und wird „Altertumshändler“. Sein Lehrer Weinhold schreibt: „Genug, der reich und gut angelegte Mensch war auf Wege geraten, die ihm von Haus aus ganz fremd waren, er vergeudete seine Kraft in ungestümem, sittlich und geistig leerem Ringen nach Geld; was er einst verheißen, war nicht gehalten.“ – Neben seiner Sammeltätigkeit verdienen J.s Bemerkungen zur Situation des Märchenerzählens, zu Sammlung mündlicher Überlieferung und seine frühe Erkenntnis, daß nicht Bauern, sondern vor allem Landarbeiter Vermittler solcher Überlieferung waren, Beachtung.

  • Werke

    Weitere W Volkssagen aus Pommern u. Rügen, 1886;
    Hexenwesen u. Zauberei in Pommern, 1886;
    Schwänke u. Schnurren aus Bauernmund, 1889;
    Volksmärchen aus Pommern u. Rügen I, 1891 (mehr nicht ersch.).

  • Literatur

    K. Weinhold, in: Zs. d. Ver. f. Volkskde. 10, 1900, S. 216-19;
    U. Bentzien, in: Dt. Jb. f. Volkskde. 6, 1960, S. 419 f.

  • Autor/in

    Konrad Köstlin
  • Empfohlene Zitierweise

    Köstlin, Konrad, "Jahn, Ulrich" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 306 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117065587.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA