Lebensdaten
gestorben 534
Beruf/Funktion
König der Thüringer
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 119444720 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Herminafridus
  • Hermannfrit
  • Irmfrid
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Zitierweise

Irmfrid, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119444720.html [19.02.2019].

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  • Genealogie

    V Bessinus, Kg. d. Thüringer;
    M Menia (od. Basina?);
    B Berthachar u. Baderich, beide Könige d. Thüringer;
    Schw Radegundis ( Wacho, Kg. d. Langobarden);
    - Amalberga ( n. 531), T d. Thrasamund ( 523), Kg. d. Vandalen, u. d. Amalfrida ( vor 526, Schw d. Theoderich d. Gr., 526, Kg. d. Ostgoten, s. NDB III [unter Dietrich v. Bern]);
    S Amalafrid, byzantin. Heerführer;
    N Radegundis ( 587, Chlothar I., 561, Kg. d. Franken, s. NDB III), später im Kloster, als Heilige verehrt.

  • Leben

    I. begegnet in den Quellen zuerst in einem Briefe Theoderichs d. Gr. um 510, der ihm damals seine Nichte Amalaberga zur Ehe übergab, dann erst wieder aus Anlaß der Kämpfe mit den Franken, die 531/34 zum Untergang des mächtigen Thüringerreichs führten. Das Reich war unter die 3 Söhne des Bessinus geteilt worden, von denen I. der älteste und bedeutendste gewesen zu sein scheint, ohne daß sich ein Oberkönigtum nachweisen läßt. Es kam zu Streitigkeiten und Kämpfen zwischen den Brüdern, in die gelegentlich auch die Franken eingriffen. 531 war nur noch I. am Leben, der das Reich jetzt wieder in seiner Hand vereinigte. Gegen ihn zogen in diesem Jahre die mit einer sächs. Gruppe verbündeten Frankenkönige Theuderich und Chlothar und schlugen ihn in mehreren Schlachten, nach später Überlieferung zuletzt – mit der sächs. Gruppe vereinigt – bei Burgscheidungen/Unstrut. Von einem Friedensschluß ist nichts überliefert. Thüringen geriet in Abhängigkeit vom Frankenreich. I. wurde anscheinend zunächst als König belassen, aber wahrscheinlich 534 nach Zülpich gelockt und von einer Mauer gestürzt. Die karge Überlieferung läßt die geschichtliche Bedeutung der thür. Reichsbildung nicht erkennen, die sehr groß ist, wie vor allem aus den Folgen des Zusammenbruchs des Reichs deutlich wird: Vordringen der Slawen bis zur Saale, der Sachsen bis zur Unstrut, Bildung des bayer. Stammes. Ob das Zentrum des Reiches I.s in Erfurt, in Weimar oder an der Unstrut gelegen hat, läßt sich nicht entscheiden.

  • Literatur

    ADB XII (unter Hermannfrit);
    H. Patze, Bibliogr. z. thür. Gesch., 1965, Nr. 2380-2405;
    W. Schlesinger, in: Gesch. Thüringens I, hrsg. v. H. Patze u. W. Schlesinger, 1968, S. 320-24, Anm. S. 430 (Qu.); Zur Beteiligung d. Sachsen zuletzt:
    K. Hauck, Goldbrakteaten aus Sievern, 1970.

  • Autor/in

    Walter Schlesinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Schlesinger, Walter, "Irmfrid" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 179 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119444720.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hermannfrit, König der Thüringer, wird der Sohn des Königs Basinus, der Bruder des Baderich und Berthar genannt. Er ist Zeitgenosse der letzten Jahre Chlodovechs und der Regierung von dessen Söhnen. Mit den Brüdern herrscht er anfangs gemeinsam. Im bewußten Gegensatze gegen die heranwachsende Macht der Franken schließt er sich an die Ostgothen an und empfängt die Tochter von Theoderichs Schwester Amalfrida, die Amalberga, zur Gattin. Diese Verbindung sicherte die Thüringer zunächst vor dem Angriff der Frankenkönige, allein die Sage läßt gerade aus dieser Ehe die Ursache des späteren Untergangs entstehen. Amalberga reizte der Ueberlieferung nach den Gemahl zum Brudermord und zur Vereinigung des gesammten Thüringervolkes unter einer Herrschaft. Berthar ward ermordet, Baderich aber entfloh und in dem nun ausbrechenden Bruderkriege suchte und fand H. Hülfe bei Theuderich, dem Könige der Franken. Als Sieger herrschte H. von da ab allein über die Thüringer, aber unter den Verbündeten entstand bald Zwist, da H. die Bedingungen des Vertrags nach erfochtenem Siege nicht einhielt. Die Rache kam nach dem Tode Theoderich des Großen. Verbündet zogen die Brüder Theuderich I. und Chlothar I. im J. 530 gegen die Thüringer. Eine erste Schlacht entschied gegen die Thüringer, obwol viele Franken bei dem Angriff in Fallgruben gestürzt waren. Die zweite Schlacht an der Unstrut bei Runiberg (Ronneberg bei dem|Dorfe Zingst?) nöthigte H. zur Flucht nach Scheidungen. Eine sächsische Streifschaar half den Fall dieser Feste herbeiführen und die sächsische Sage (bei Widukind) hat deren Mitwirkung durch Einzelzüge über die Verhandlungen zwischen H. und Theuderich ausgeschmückt. Bei dem letzteren sehen wir H. im J. 531 in Zülpich, in Verhandlungen begriffen. Als die Könige auf der Mauer der Stadt sich ergehen, wird H. von der Höhe herabgestürzt, jeden Falls auf Veranlassung Theuderichs, nach Fredegar sogar durch dessen eigenen Sohn Theudebert. Das Reich der Thüringer ward ein Theil des Frankenreiches, Amalberga entkam zu ihrem Bruder Theodat, dem Könige der Ostgothen.

  • Autor/in

    Albrecht.
  • Empfohlene Zitierweise

    Albrecht, "Irmfrid" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 188-189 unter Hermannfrit [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119444720.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA