Lebensdaten
1777 bis 1845
Geburtsort
Erbach (Odenwald)
Sterbeort
Darmstadt
Beruf/Funktion
Verbesserer der Papierfabrikation ; Erfinder der Leimung des Papiers in der Masse
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 13768553X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Illig, Moritz Friedrich

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Zitierweise

Illig, Moritz Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13768553X.html [23.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus alter, bes. in Oberhessen verbreiteter Papiermacherfam.;
    V Johannes (1748–1813), Papiermachermeister in Erbach, Amorbach u. Nieder-Ramstadt, S d. Johannes, aus Nidda, Papiermüller in Unterschmitten u. Nieder-Ramstadt, u. d. Maria Catharina Schneider aus d. Frankensteiner Mühle b. Pfungstadt;
    M Christiane Elisabeth (1753–1817), T d. Amtssekr. Kilian Ludwig Wittich in Dornberg b. Groß-Gerau u. d. Henriette Marie Scriba;
    B Louis (1786–1836), Schreiber in D.;
    - Darmstadt Marie Elisabeth (1789–1873), T d. Leinenwebers Nicolaus Pfeil aus Darmstadt;
    4 K.

  • Leben

    I. war das älteste von 10 Kindern. Mit 13 Jahren kam er in Amorbach, wo sein Vater eine Papiermühle betrieb, zu einem Uhrmacher in die Lehre. Eine Taschenuhr, die er mit 15 Jahren fertigte, wurde später in die Uhrensammlung des Großherzogs von Hessen aufgenommen. In jenen Jahren erwarb er auch gründliche Kenntnisse in der Papiermacherkunst. 1796 ging I. auf Wanderschaft. Er weilte in Basel, Solothurn, Neufchatel und La Chaux-de-Fonds. Offenbar fand er aber in der Schweiz keine Anstellung und kehrte 1799 nach Deutschland zurück. Er wirkte nun zeitweilig als Papierergeselle in der Papierfabrik Cröllwitz an der Saale, stellte dort schon Versuche in der Harzleimung an, kehrte nach 1800 in die Papiermühle seines Vaters nach Erbach zurück und brachte dort in mehrjährigen Versuchen seine Erfindung zur Harzleimung zustande, bei deren Einführung und Vertrieb ihn sein jüngerer Bruder Louis unterstützte. 1807 veröffentlichte I. seine Schrift „Anleitung auf eine sichere, einfache und wohlfeile Art Papier in der Masse zu leimen“ (Neudr. 1959). Seine Erfindung, den Papierstoff in der Masse mit Harzseife zu leimen, wurde später für die Papierfabrikation von größter Bedeutung, besonders seit der Erfindung des „endlosen Papiers“ auf der Papiermaschine. In den ersten Jahrzehnten konnte sie sich aber nicht durchsetzen, so daß I., obwohl er 1827 eine Neuauflage seiner Schrift erscheinen ließ, aus seiner Erfindung keinen Nutzen ziehen konnte. Der geringe Erfolg zwang ihn, sich nach dem Tode des Vaters wieder dem Uhrmacherberuf zuzuwenden. 1813 ließ er sich in Darmstadt als Uhrmacher und Mechanikus nieder und hinterließ dort einige vorzügliche Arbeiten. Obwohl einige Fabrikanten schon früh seine Methode der Papierleimung anwandten, starb I. in bitterer Armut. Erst ein Jahrzehnt nach seinem Tode begann sein Name bekannt zu werden.

  • Literatur

    ADB 50;
    L. Piette, Traité de la Fabrication du Papier, 1831;
    ders., Die Gebr. Louis u. M. F. Illig im hess. Odenwald als Erfinder d. Leimens d. Papiers in d. Masse, in: Gewerbebl. f. d. Ghzgt. Hessen 18, 1855, S. 366-68;
    C. Hofmann, Prakt. Hdb. d. Papierfabrikation I, 21891, S. 289-96;
    F. Knapp, Zur Gesch. d. Papierfabrikation, in: Prometheus 3, 1892, Nr. 150, S. 721-24;
    Th. Beck, in: Hess. Chronik 3, 1914, S. 229-47;
    ders., in: Hess. Biogr. I, 1918 (L);
    E. Kirchner, Von d. Papiermacherfam. Illig u. d. Erfindung d. Masseleimung v. M. F. I. in Erbach, in: Wbl. f. Papierfabrikation 47, 1916, Nr. 11, S. 448 f.;
    A. Renker, Das Buch vom Papier, 41951, S. 70.

  • Autor/in

    Albert Haemmerle
  • Empfohlene Zitierweise

    Haemmerle, Albert, "Illig, Moritz Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 138 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13768553X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Illig: Moritz Friedrich J. (1777—1845), Erfinder der Papierleimung mit Harz. — Schon der Großvater des J., Johannes J., wird im Kirchenbuche der evangelischen Gemeinde zu Nieder-Ramstadt als „Papierfabrikant auf der hiesigen Papiermühle“ erwähnt; er starb dort am 17. Februar 1806 im Alter von 86 Jahren. Sein Sohn, der auch Johannes hieß, starb ebenda und wird im Kirchenbuche als „gewesener Papierfabrikant zu Amorbach“ (geboren am 2. October 1748 zu Niederramstadt, ebenda am 10. December 1813) verzeichnet. Dieser Johann J. hatte zehn Kinder, davon war das zweite unser Moritz Friedrich J. Er wurde am 30. October 1777 zu Erbach geboren. Am 17. April 1813 ward er als Bürger und Uhrmacher zu Darmstadt aufgenommen. In dem Anfang der 20er Jahre erschienenen Schriftchen „G. A. Pauli, Topographisches Gemälde von Darmstadt“ heißt es auf S. 205 unter den Künstlern Darmstadts: „Illig, tiefdenkender Mechamkus, wissenschaftlicher Uhrmacher, verfertigt physicalische und mathematische Instrumente.“ Er war mit Elisabeth Pfeil aus Darmstadt verheirathet und hatte zwei Kinder, Johann Wilhelm und Jakobine Florentine Theodore. Im J. 1807 hatte J. seine epochemachende Schrift: „Anleitung auf eine sichere, einfache und wohlfeile Art Papier in der Masse zu leimen“ herausgegeben. Unter der Vorrede heißt es: „Erbach, im Januar 1806, M. F. Illig“. Seine darin niedergelegte Erfindung, Papier mit Harz u. s. w. zu leimen, muß er in jungen Jahren, gemäß einer Bemerkung auf S. 65 seiner Schrift, bereits auf der väterlichen Papiermühle gemacht haben. Schnell verdrängte die Illig'sche Harzleimung die alte Leimung des Papiers mit thierischer Gallerte und wurde für die Massenfabrikation des Papiers unentbehrlich. Am 26. Juli 1845 starb J. in Darmstadt.

    Die Familie J. soll nach dem 30jährigen Krieg aus der Schweiz nach Deutschland eingewandert sein. Ein Zweig ließ sich in Ober-Ramstadt bei Darmstadt nieder. Einer dieser Illigs gründete eine Papiermühle in Unter-Schmitten in Oberhessen. Von hier aus kamen sie nach Büdingen, Gelnhausen, Gedern, Kloster Klarental und Ober-Wesel. Die Familie J. erhielt in mehreren westdeutschen Staaten Papiermacherprivilegien und Monopole zum Lumpensammeln. Bekannt sind Papiere mit Wasserzeichen von Christian I. (1680—1720), Heinrich J. (1720—1780), Johann Georg J. (1780—1830). J. erhielt für seine Erfindung der Harzleimung von der französischen Regierung 200 000 Frcs.

    • Literatur

      C. Hofmann, Handbuch d. Papierfabrikation, II. Aufl., I. Theil, S. 292. — Stammbaum der Familie Scriba, Darmstadt 1824, S. 223. —
      Mittheilungen des Herrn Prof. Th. Beck in Darmstadt. — Papier-Zeitung, Berlin 1905, Nr. 5, S. 146.

  • Autor/in

    F. M. Feldhaus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Feldhaus, Franz Maria, "Illig, Moritz Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 50 (1905), S. 667-668 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13768553X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA