Lebensdaten
um 1448 oder 1454 bis 1526 oder 1527
Geburtsort
Augsburg
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Goldschmied in Augsburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 123622085 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Seld, Georg (II)
  • Seld, Jörg
  • Seld, Georg (II)
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Zitierweise

Seld, Jörg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123622085.html [18.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Jörg (Georg) ( 1497/98), Bierbrauer in A.;
    M Ursula N. N.;
    B Clas (Nicolaus) ( 1514), Goldschmied in A. (s. W), Hans ( 1533), Bierbrauer, Kellermeister in A., 3 Schw u. a. N. N. ( vor 1511, 1488 Caspar Haller, Stadtsöldner in A.);
    1) Augsburg um 1478 Margarethe ( vor 1493), T d. Ulrich Keymen (Keimen), Bierbrauer in A., 2) Augsburg um 1493 Kolumna Gintherin ( vor 1514), vermutl. T d. Günther Zainer (vor 1443–78, Buchdrucker in A. (s. ADB 44; Augsburger Stadtlex.), 3) Augsburg 1514 Priscilla (Priska) (vor 1500–65, 2] Hans Hegenmüller, 1540, Goldschmied in A.), T d. Hans Schaller, Weber in A., u. d. Barbara N. N.;
    1 S aus 1) Hans (um 1483–1528, Goldschmied in A., 2 T Ursula ( n. 1537, ⚭ Stephan Schwar[t]z, n. 1535, Bildhauer in A. u. Nürnberg), Afra ( um 1527 Caspar Huber[erinus], 1500–53, luth. Theol., seit 1525 bzw. 1529 ev. Prediger u. Pfarrer an St. Georg in A., 1535 Diakon, 1544 Stiftsprediger in Öhringen, s. NDB IX; BBKL II; Augsburger Stadtlex.), bis 1526 Nonne im Benediktinerinnenkloster St. Nikolaus in A., 2 S aus 3) (bzw. vorehelich?) Christoph (1514/15–57, Jur. in München, HR (s. Bosl), Georg Sigmund (s. 2), 2 T aus 3) (bzw. vorehelich?) Anna ( 1570/71, 1550 Michael Mack, vor 1564, Jur. am ksl. Kammergericht in Speyer), Maria ( um 1600, ⚭ Hans Laminit, Kramer in A.);
    N Hans Haller (vor 1500–47, Kaspar Haller ( vor 1533), beide Goldschmiede in A., Ursula Haller ( 1531, Jörg Zorer, 1489–1559, Goldschmied in A.);
    E Raimund Laminit (um 1520/24–1600, Goldschmied in A.; Verwandter Christoph, Goldschmied in A. u. Mindelheim.

  • Leben

    S. ist in den Quellen erstmals 1478 nachzuweisen und zwar im Haus des Goldschmieds Anthoni Nathan in Augsburg, was darauf schließen läßt, daß er bei diesem das Handwerk erlernte und in dessen Werkstatt mitarbeitete. Schon die um 1485 entstandene sog. Rechberg-Pax (Augsburg, Diözesanmus. St. Afra) zeugt von seinem außergewöhnlichen Können. Sie weist Einzelformen auf, die auch an späteren Arbeiten S.s vorkommen. Die Edelsteinfassungen stammen von S.s Bruder Clas (Nicolaus), dem bis ca. 1503/04 wohl wichtigsten Mitarbeiter in S.s Werkstatt. 1489 erwarb S. das Nathan-Anwesen mit Werkstatt.

    Für Augsburg schuf S. hauptsächlich Prunkgeschirre, welche vom Rat der Stadt als Ehrengeschenke in Auftrag gegeben wurden. Allein 1484–1511 erhielt S. dafür mehr als 900 Gulden. Viele andere Arbeiten S.s sind heute nur noch aus der Literatur oder aus archivalischen Quellen bekannt, so auch sein Hauptwerk, das Silberretabel des Augsburger Doms. S. vollendete die silberne Tafel, die bereits 1482 durch den Augsburger Goldschmied Peter Rempfing begonnenen worden war, vor Ende des Jahres 1508. Während des 30jährigen Krieges wurde der Altar vor der schwed. Besatzung (1632) zunächst nach Salzburg in Sicherheit gebracht, dort aber im weiteren Verlauf des Krieges eingeschmolzen.

    Nach den Aufzeichnungen Wilhelm Wittwers, eines Mönchs in St. Ulrich und Afra in Augsburg, setzte die Tätigkeit S.s als Goldschmied und Gutachter für die Abtei in den 1480er Jahren ein und umfaßte Neuanfertigungen von Goldschmiedearbeiten und Reparaturen älterer Werke. 1494/95 kamen aus S.s Werkstatt u. a. das neue, aufwendig gestaltete, in St. Ulrich und Afra erhaltene Gehäuse des Ulrichskreuzes, ferner ein Abtsstab, der Schmuck einer Mitra preciosa sowie (möglicherweise nach 1509) das als sichere Zuschreibung geltende Ostensorium für Sudarium und Vexillum des hl. Ulrich.

    Neben dem Ostensorium für das Wunderbarliche Gut des Augustiner-Chorherrenstiftes in Augsburg 1494 (Augsburg, Diözesanmus. St. Afra) lieferte S. zahlreiche weitere Werke für die Kirchen und Klöster der näheren und weiteren Umgebung (Eichstätter Altärchen, 1492, heute München, Wittelsbacher Ausgleichsfonds; Monstranz, um 1500, Tiefenbronn, kath. Pfarrkirche Maria Magdalena; Monstranz, um 1500, Stötten am Auerberg, St. Peter u. Paul).

    Auch der bekannte Augsburger Stadtplan von 1521, der ein detailgetreues Bild der Reichsstadt in der Frühen Neuzeit liefert, geht auf S. zurück. Die zwischen 1514 und 1516 angefertigte Zeichnung wurde 1521 von Hans Weidnitz auf acht Holzstöcke übertragen und im Verlag von Sigmund Grimm und Markus Wirsung in Augsburg veröffentlicht. Erhalten sind auch die von S.s Hand stammende Visierung des Perlachturms von 1503 (Holzmodel, Städt. Kunstslgg. Augsburg, Maximilianmus.) sowie eine Visierung der berühmten Straßburger Bastei vom Dez. 1515, die wohl im Zuge des geplanten Ausbaus der Luginsland-Befestigung in Augsburg entstand (StadtA Augsburg).

    Darüber hinaus war S. als Schiedsrichter, Gutachter und Vertragszeuge tätig sowie als Vorgeher bzw. Geschaumeister der Goldschmiedezunft. 1496 wurde er von Abt Konrad Mörlin mit der Registrierung des gesamten Besitzes des Stifts St. Ulrich und Afra an kirchlichen und weltlichen Goldschmiedearbeiten betraut; 1495–1500 und erneut 1506 verwaltete er das Hirn'sche Stiftungsvermögen und das sonstige Vermögen der Augsburger Goldschmiede.

    S. war der bedeutendste Augsburger Goldschmied am Übergang von der Gotik zur Renaissance. Von seinem ansehnlichen Vermögen zeugt auch sein stetig wachsendes Steueraufkommen. Damit unterschied er sich deutlich von vergleichbaren Goldschmieden und anderen Kunsthandwerkern seiner Zeit.

  • Werke

    u. a. silberne Versehpyxis d. Propstes Vitus Fackler, 1504 (Augsburg, Diözesanmus., Leihgabe d. kath. Pfarramtes St. Maximilian);
    Rahmenreliquiar f. d. Sudarium d. Hl. Ulrich, 1506 (Augsburg, kath. Stadtpfarrkirche St. Ulrich u. Afra);
    nicht erhaltene Arbb.:
    Brustbild d. Hl. Bf. Simpert, 1493;
    Büste d. Augsburger Bf. St. Narzissius, 1494/95;
    Monstranz, d. das Schweißtuch d. Hl. Ulrich enthielt, 1486/89;
    Silberfigur e. sitzenden Muttergottes f. d. Zisterzienserkloster Kaisheim, 1519;
    W-Verz. getrennt nach Auftraggebern in:
    Lieb, Die Augsburger Fam. S. (s. L), S. 47–55.

  • Literatur

    N. Lieb, Die Fugger u. d. Kunst im Za. d. Spätgotik u. frühen Renaissance, 1952, S. 7, 48 f., 252, 334 f., 461 u. Abb. 1, 19a, 36;
    ders., Die Augsburger Fam. S., in: Lb. Bayer. Schwaben VI, 1958, S. 38–87 (W-Verz., P);
    Augsburger Renaissance, Ausst.kat. Augsburg 1955, S. 80, Kat.nrr. 437–39;
    Hans Holbein d. Ä. u. d. Kunst d. Spätgotik, Ausst.kat. Augsburg 1965, S. 196, Kat.nrr. 270–74;
    Bayern, Kunst u. Kultur, Ausst.kat. München 1972, S. 204 f. u. Kat.nrr. 286–90 u. 348;
    I. S. Weber, Drei Aufrisse spätgot. Monstranzen im StadtA Ulm, in: Pantheon 36, Jan.-März 1978, S. 16–31;
    H. Seling, Die Kunst d. Augsburger Goldschmiede 1529–1868, Bd. I: Gesch. u. Werke, 1980, S. 42;
    ebd., Bd. III: Meister, Marken, Beschauzeichen, 1980, S. 32 f., 35 u. 42;
    ders., Die Kunst d. Augsburger Goldschmiede 1529–1868, Meister, Marken, Werke, 2007, S. 60;
    Gold u. Silber, Augsburgs glänzende Exportwaren, hg. v. M. Thierbach, Ausst.kat. Augsburg 2003, S. 14, 33 ff., 101 ff., 124 ff., 135 ff. u. 147–52;
    J. Harksen, Augsburger Goldschmiede, Zs.stellung n. d. Goldschmiedeakten d. StadtA Augsburg (Ms., StadtA Augsburg), S. 277 f.;
    ThB;
    Augsburger Stadtlex. (P);
    – Qu StadtA Augsburg;
    Bayer. HStA (Nekr. St. Moritz).

  • Portraits

    Zeichnung v. H. Holbein d. Ä., 1491 (Mus. Bayonne, Coll. Bonnat), Abb. in: Lieb, Die Augsburger Fam. S. (s. L) u. Augsburger Stadtlex.

  • Autor/in

    Simone Herde
  • Empfohlene Zitierweise

    Herde, Simone, "Seld, Jörg" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 212-213 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123622085.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA