Lebensdaten
1641 bis 1697
Geburtsort
Bacharach/Rhein
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
evangelisch-reformierter Theologe ; anglikanischer Theologe
Konfession
evangelisch-reformiert,anglikanisch
Normdaten
GND: 135741750 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Horneck, Anton
  • Hornbeck, Anthony
  • Horneck, A.

Orte

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Zitierweise

Horneck, Anton, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135741750.html [20.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp Elias, Stadtschreiber, 1645 Bgm. in B.

  • Leben

    H. studierte in Heidelberg Theologie (1659–61). Bei J. H. Hottinger erwarb er sich gründliche alttestamentliche, arabische und talmudische Kenntnisse. F. Spanheim beeinflußte ihn möglicherweise im Sinne des sich anbahnenden Pietismus niederländischer Prägung. Ob der Wunsch, nach England zu gehen, schon in Heidelberg geweckt wurde oder erst in den Niederlanden, läßt sich nicht ausmachen. Offenbar siedelte H. 1663 nach England über und wurde 1664 in das Queen's College in Oxford aufgenommen. Da er sich schnell in die englischen kirchlichen Verhältnisse einlebte und ein beliebter Prediger wurde, dazu auch ein angesehener Gelehrter war, erhielt er schließlich als Pfarrei die Savoykirche in London. Alle Bemühungen des pfälzischen Hofes, ihn zurückzuholen, blieben daher erfolglos. Den Aufstieg zu noch höheren Ämtern vereitelte seine offene Sprache im seelsorgerlichen Tadel an hochgestellten Persönlichkeiten. 1689 wurde er aus diesem Grunde, obwohl vom späteren Erzbischof John Tillotson von Canterbury vorgeschlagen, als Pfarrer für die Kirche von Covent Garden im Zentrum Londons abgelehnt. Beim Regierungsantritt Wilhelms III. (1689) wurde er einer seiner acht Hofkapläne, und sein neuer Gönner Edward Russel, später Earl of Orford, verschaffte ihm eine Domherrenstelle an der Westminsterabtei (1693).

    H. gewann großen Einfluß auf die adelige Jugend. Aus den regelmäßigen Zusammenkünften, in denen die jungen Menschen von ihrem Seelenzustand berichteten und sich christliche Lebensziele steckten, auch bald soziale Verantwortung übernahmen, erwuchs seit 1678 eine Bewegung, die allmählich über die Hauptstadt hinausgriff, die „religious societies“ (kirchliche Gemeinschaftsbewegung, in mancher Hinsicht der neupietistischen landeskirchlichen Gemeinschaftsbewegung Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert ähnlich). Zu ihr hatte neben dem Überdruß am flachen Hofleben auch die große Londoner Feuersbrunst von 1666 beigetragen. H. gab den Gruppen feste Regeln, die die Heiligkeit des Herzens und des Lebens an die Spitze stellten, als Mittel aber die Treue zur Kirche von England, die regelmäßige und bewußte Teilnahme an ihrem gottesdienstlichen Leben empfahlen. Dazu kam ein freundlicher, wenn auch zurückhaltender Umgang mit den Christen anderer Überzeugung. So wurde das exklusive Verhältnis der Anglikaner zu den|Freikirchen aufgelockert. Alle Streitpunkte sollten umgangen und Lehrauseinandersetzungen vermieden werden. Die Fragen des öffentlichen Lebens sollten keinen Platz haben; man wollte keine Politisierung der Gemeinschaften. Ein in der Höhe völlig freier finanzieller Beitrag sollte dazu dienen, Schulen für arme Kinder zu errichten. Die Regeln entsprachen ganz der englischen Art. Es fehlte jede Polemik, etwa gegen ein abgestorbenes, entleertes, wirkungsloses Kirchentum oder gegen eine bloß äußerliche Anhänglichkeit an ein solches. Sie waren vielmehr völlig auf Ergänzung und Steigerung des Bestehenden, auf die Ernstnahme des äußeren Rahmens gerichtet. Das ganze trat so anspruchslos wie möglich auf den Plan. Jede Emphase, jeder Wille, Reformator zu sein oder zu werden, eine neue Epoche in der Geschichte der christlichen Frömmigkeit oder Sozialtätigkeit zu eröffnen, lag fern.

    Trotzdem bezeichneten diese kleinen, aus der persönlichen Seelsorge erwachsenen Gemeinschaften einen epochalen Einschnitt in der Kirchengeschichte Englands. Sie überflügelten die gleichzeitigen humanitären, profan gedachten, parallel und konkurrierend gegründeten „Societies for the Reformation of Manners“ (Gesellschaften für Sittenreform). Überhaupt ging ihre Wirkung und Tätigkeit trotz der Verwurzelung in der inneren Sphäre des persönlichen Lebens bald nach außen. Neben der hervorstechenden Gründung der Armenschulen, die seit 1700 zum regelmäßigen Austausch mit A. H. Francke und seinem Waisenhause in Halle führte, verbreiteten sie christliche Schriften, vor allem Kleinschriften, sorgten für Kranke und Gefangene und erwiesen sich als geeignete Kraft, laue Kirchengemeinden zu aktivieren. Vielleicht haben auch die von G. J. B. de Renty um 1640 in Paris gegründeten Seelsorgegemeinschaften, mindestens bestätigend, wenn nicht anregend, mitgewirkt. In diesem Sinne arbeitete Samuel Wesley, der anglikanisc he Pfarrer von Epworth (Lincolnshire), der Vater von John und Charles Wesley, eng mit ihnen zusammen. Aus der größten, der „Society for the Promoting Christian Knowledge“ (gegründet 1698), erwuchs das führende Verlagshaus der Kirche von England, aus der zweiten, der „Society for the Propagation of the Gospel in Foreign Parts“ (gegründet 1701), die erste britische Missionsgesellschaft noch vor der Aussendung der hall. Missionare B. Ziegenbalg und H. Plützschau nach Trankebar in Ostindien (Südindien) (1706). Sie wurden zu den Vorläufern der methodist. Erweckungsbewegung in der Kirche von England.

    In allem war H. praktischer Theologe. Das gilt auch von seiner Schriftstellerei, die offenbar in einem großen Umfang aus seinen Predigten erwuchs. Sie verbindet die Aufforderung zur Frömmigkeit mit der Zeitkritik, etwa in der Schrift „The Great Law of Consideration“ (1678), wo die Gedankenlosigkeit als Quelle des von den Deisten inaugurierten und ausgenutzten Glaubensverfalles hingestellt und ausdrücklich die Staatsraison nach der Auffassung von Hobbes als Götze der Gegenwart verurteilt wird. Sie ermahnt zur Selbstprüfung im Stil der puritanischen Gewissenstheologie (The true Nature of the Christian Religion in a Dialogue between a Christian an his own Conscience, 1690), oder sie legt den Sinn des Altarsakraments zusammen mit Anweisungen zu andächtigen Gebeten dar (The Crucified Jesus, or a full Account of the Nature, End, Design and Benefits of the Sacrament of the Lord's Supper with necessary Directions, Prayers, Praises and Meditations, 41700; The Fire of the Altar or Holy Discoveries and Flames, 1691). H. empfiehlt ein enthaltsames Leben (The Happy Ascetic, 1694). Er griff in die brennende Streitfrage der Re-Romanisierung Englands mit der Flugschrift ein: „Questions and Answers, concerning the two religions viz. that of the Church of England and the other of the Church of Rome“ (1688). In seiner Savoykirche trat am 5.5.1689 Edward Sclater, der Pfarrer von Putney, der 1685 als Parteigänger Jakobs II. römisch-katholisch geworden war, mit einer öffentlichen Erklärung und Wiederaufnahme zur Kirche von England zurück, worüber H. einen Bericht veröffentlichte.

    Seine theologische Bildung, die der Auktionskatalog seiner Bibliothek spiegelt, war ungemein breit. Sie entsprach dem Charakter der Kirche von England zu seiner Zeit, sowohl dem prinzipiell altkirchlichen Normbewußtsein als auch den bewegenden Problemen des 17. Jh.|

  • Auszeichnungen

    Doctor of Divinity (Cambridge 1681).

  • Literatur

    A. Summary Account of the Life of A. H., In a Letter to a Friend, 1697;
    Richard (Kidder), Lord Bishop of Bath and Wells, Life of A. H., Late Preacher of the Savoy, 1698;
    R. B. Hone, Lives of Eminent Christians II, 51850, S. 275-330 (P);
    G. V. Portus, Caritas Anglicana, or a Historical Inquiry into those Religious and Philanthropical Societies that flourished in England between the years 1678 and 1740, 1912 (mit Einf. v. W. H. Hutton), dazu: J. Woodward, An Account of the Rise and Progress of the Religious Societies in the City of London and of their|Endeavours for Ref. of Manners, 1698, 51724;
    Martin Schmidt, Das Grab e. Deutschen in d. Westminsterabtei, in: Der Londoner Bote, Gemeindebl. d. dt. ev. Kirchengemeinden in London, 6, 1954, S. 35-37;
    ders., A. H. aus Bacharach (1641–97) u. s. Bedeutung f. d. KG Englands, in: Mhh. f. ev. KG d. Rheinlands 16, 1967 (L);
    DNB;
    RGG3.

  • Autor/in

    Martin Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Martin, "Horneck, Anton" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 635-637 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135741750.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA