Lebensdaten
1770 bis 1829
Geburtsort
Rödelheim bei Frankfurt/Main
Sterbeort
Geroldsgrün (Oberfranken)
Beruf/Funktion
Politiker ; Agitator
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 137598742 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hoffmann, Karl
  • Hoffmann, Carl Wilhelm
  • Hoffmann, Carl
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Orte

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Zitierweise

Hoffmann, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137598742.html [22.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Christoph Friedrich, solms-rödelheim. Regierungs- u. Konsistorialrat;
    M Eleonore Christine (1744–88), T d. Kammerrats Ludwig Carl Schott in R. u. d. Anna Justina v. Pfaffenrath;
    Schw Marie ( 1811 Gf. Volrat zu Solms-Rüdelheim, 1762–1818);
    - um 1795 Luise (* 1771), T d. solms. Rentmeisters Martin Buchner in Laubach u. d. Joh. Caroline Müller.

  • Leben

    H., zunächst Advokat in Rödelheim, trat 1791 als Regierungssekretär in die Dienste des Graf Volrat zu Solms-Rödelheim, stieg zum Leiter der gräflichen Gerichts- und Verwaltungsbehörde auf, wurde schließlich Justizrat, Vertrauter des Grafen, nach Übernahme von Rödelheim durch Hessen-Darmstadt (1806) hessischer Amtmann, dann Landrichter zu Rödelheim. 1821-29 war H. als Mitglied der Ständigen Bürgerrepräsentation auch kommunalpolitisch für Frankfurt tätig, wo er 1810 Bürgerrecht und die Approbation als Advokat erhalten hatte.

    H. ist in napoleonischer Zeit als Patriot hervorgetreten. Schon 1796 unterbreitete er Erzherzog Karl Pläne für eine bewaffnete Volkserhebung, ebenso 1805 den Regierungen Preußens und Österreichs. 1813 wandte er sich deswegen an Stein, auf dessen Veranlassung er in die Allgemeine Deutsche Bewaffnungskommission eintrat. Er organisierte den Landsturm in den Fürstentümern Fulda und Aschaffenburg und wurde 1814 zum Obersten und Generaladjutanten des Bannerherrn über den Landsturm des bisherigen Großherzogtum Frankfurt, des Grafen Ingelheim, ernannt. Durch die Ausarbeitung mehrerer Organisationsentwürfe für den Landsturm leistete er Stein wertvolle Hilfe. Sein Plan einer „Rheinischen Legion“ (1813) wurde jedoch ebensowenig verwirklicht wie der einer „Deutschen Freischar“ (1814/15).

    H. ist besonders als Hauptagitator des von Wilhelm Snell in Nachfolge des „Tugendbundes“ und der „Teutschen Gesellschaften“ initiierten „Deutschen (sogenannten Hoffmannschen) Bundes“ (1814/15) bekannt geworden, der in der Krisenzeit vor der Entscheidung von Waterloo Preußens deutsche Aufgabe, notfalls mit Hilfe einer Freischar, unterstützen wollte, die Billigung der preußischen Reformer und große Anhängerschaft im Rhein-Main-Gebiet fand, sich aber schon am 8.10.1815 (anstelle seiner eigentlichen Konstituierung) in Frankfurt wieder auflöste, überholt durch die Wendung der preußischen Politik, die nach Abschluß der Heiligen Allianz (26.9.1815) eine nationale Einigung Deutschlands unter preußischer Führung unmöglich machte. – H. war schon am 24.9.1815 aus dem „Deutschen Bund“ ausgetreten, angeblich wegen dessen Unterwanderung durch demokratisch-revolutionäre Elemente. Sein Austritt bewahrte ihn jedoch nicht vor der Verfolgung durch die Mainzer Zentraluntersuchungskommission (1820/21). – H. endete, nachdem er im Mai 1829 auf eigenen Wunsch aus der Frankfurter Bürgervertretung ausgeschieden war, durch Freitod, mit dem Vorwurf (1827) belastet, 150 000 Gulden solmsische Gelder unterschlagen zu haben. – Ob H., als Jurist und Politiker hochbegabt, ein glänzender Redner, auch literarisch interessiert – seine umfangreiche Rödelheimer Bibliothek war bekannt und besucht –, tatsächlich ein Hochstapler gewesen ist, hat die Forschung noch nicht feststellen können.

  • Werke

    u. a. Aufforderung an Frankfurts teutschgesinnte Bewohner, 1814;
    Vfg.-Urk. u. Gesetze d. teutschen Ges. zu * * *, 1815;
    Des Teutschen Volkes feuriger Dank- u. Ehrentempel od. Beschreibung, wie d. … Teutsche Volk d. Tage d. … Rettungsschlacht b. Leipzig … zum erstenmale gefeiert hat, 1815.

  • Literatur

    Verz. d. v. … C. H. hinterlassenen Bücherslg., 1830;
    F. Meinecke, Die Dt. Ges. u. d. H.sche Bund, 1891;
    ders., Zur Gesch. d. H.schen Bundes, in: Qu. u. Darst. z. Gesch. d. Burschenschaft 1, 1910, S. 4-17;
    H. Haupt, W. Snell u. s. Dt. (sog. H.scher) Bund v. 1814/15 u. dessen Einwirkung auf d. Urburschenschaft, ebd. 13, 1932, S. 133-208;
    E. Hartmann u. P. Schubert, Alt-Rödelheim, 1921, S. 120 ff.;
    W. K. Prinz v. Isenburg, Um 1800, Aus Zeit u. Leben d. Gf. Volrat zu Solms-Rödelheim 1762-1818, 1927;
    A. Scharff, Der Gedanke d. preuß. Vorherrschaft i. d. Anfängen d. dt. Einheitsbewegung, 1929;
    K. Richter, L. Snells pol. Wirksamkeit i. d. J. 1812–27, in: Nassau. Ann. 53, 1933, bes. S. 102 ff.;
    Scriba II.

  • Autor/in

    Wolfgang Klötzer
  • Empfohlene Zitierweise

    Klötzer, Wolfgang, "Hoffmann, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 431 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137598742.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA