Lebensdaten
1607 bis 1676
Geburtsort
Lyon
Sterbeort
Tours
Beruf/Funktion
Bankier ; politischer Unterhändler
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 135925223 | OGND | VIAF: 80358374
Namensvarianten
  • Hörwarth, Bartholomäus
  • Hoerwarth von Hohenburg, Bartholomäus
  • Herwarth, Bartholomäus
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Zitierweise

Herwarth, Bartholomäus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135925223.html [25.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Daniel (1574–1622/30), Bankier in Augsburg, Ende 16. Jh. n. Lyon übergesiedelt, S d. Ulrich (1539–86) u. d. Regina Welser;
    M Anna ( 1622), T d. Hans Erlin aus Rottweil u. d. Maria Haupt aus Hagenau;
    B Joh. Heinrich (* 1609), Bankier, arbeitete mit H. gemeinsam bis ca. 1650;
    - Lyon 11.12.1629 Esther, T d. Apothekers Joh. Wymar in L.;
    3 S, 1 T, u. a. Anne ( 1699, später kath.), franz. GR, Parlamentsrat, Gönner La Fontaines.

  • Leben

    H. durchlief im Dienste der französische Monarchie eine glänzende Karriere als Finanzmann. Erbe einer gut fundierten Lyoneser Bank, führte er einige Jahre lang das väterliche Geschäft erfolgreich, indem er Verbindungen mit den Rheinlanden herstellte. 1632 lebte er mit seinem Bruder in Frankfurt/Main und verfolgte mit ihm dort seine Lyoneser Geschäfte. 1636 wurde er Finanzier bei der Armee Herzog Bernhards von Sachsen-Weimar. Er ließ sich in Paris nieder, leitete aber seine Bank weiter. 1643 wechselte H. in die Dienste des Kardinals Mazarin über, dem er bis zu dessen Tod diente: Er stellte die Bezahlung der Truppen sicher, verhandelte in Deutschland, lieh dem König und dem Kardinal Geld, während der schweren Jahre der Fronde streckte er ihnen verschiedene Male bis zu 900 000 Livres vor. Im Januar 1650 wurde H. zum Intendanten der königlichen Finanzen ernannt, als Anerkennung für seine Integrität und seine Ergebenheit. Trotz des Protests des katholischen Klerus, der ihm sein protestantisches Bekenntnis vorwarf, wurde er von Mazarin gehalten. 1657-66 war er sogar Generalkontrolleur der Finanzen. Diesen wichtigsten Posten im Königreich teilte er mit Nicolaus Fouquet, später mit Colbert. Im Streit zwischen Fouquet und Colbert ergriff H. 1659 Colberts Partei. H. nutzte seine Stellung aus, um viele seiner Glaubensgenossen zu fördern, die in großer Zahl in den „bureaux du contrôle général“ beschäftigt waren, wo sie der Monarchie treu und ergeben dienten.

    Die letzten 10 Jahre seines Lebens verbrachte H. zurückgezogen in seinem von Mignard ausgemalten Haus in der Rue Plâtrière und in seinem Landhaus im Bois le Vicomte (das Haus in Sankt Cloud, wo er 1658 Ludwig XIV. empfangen hatte, hat er kurz danach verkauft). Er förderte Künstler und führte bis zu seinem Tod die väterliche Bank, die er seinen Söhnen vermachte, weiter. Die Persönlichkeit H.s ist noch wenig bekannt. Nur die Tätigkeit für den Staat wurde untersucht: die Dienste im Elsaß und in Deutschland, die Beziehungen zu Fouquet und Colbert, vor und nach dem Sturz des Oberintendanten, die in den zeitgenössischen Memoiren und Korrespondenzen erhalten sind. Aber sein privates Schicksal, die Erfolge als Bankier in Lyon, die Beziehungen zwischen Lyon und den Rheinlanden sind bisher nicht erforscht. Die Erfolge der Familienbank sind bemerkenswert neben den in 30 Jahren erwiesenen Diensten für die Monarchie.

  • Literatur

    ADB 13 (unter Hörwarth); Monogr. steht noch aus
    ;
    H. Herwarth v. Bittenfeld, Die Brüder Bartholomäus u. Joh. Heinr. Herwarth, in: Zs. d. Hist. Ver. f. Schwaben u. Neuburg 1, 1874, S. 183-206;
    G. Depping, Un banquier prot. en France un XVIIe sièle: B. H., contrôleur général des finances (1607-76), in: Revue Hist., Paris 1879, S. 285-355;
    C. Badalo-Dulong, Banquier du roi: B. H., Paris 1951. |

  • Quellen

    Qu. in Paris, Archiv d. Ministère des Affaires Etrangères und Nat.bibl.

  • Autor/in

    Robert Mandrou
  • Empfohlene Zitierweise

    Mandrou, Robert, "Herwarth, Bartholomäus" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 721 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135925223.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA