Lebensdaten
1833 bis 1885
Geburtsort
Trier
Sterbeort
Trier
Beruf/Funktion
Choralforscher
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 103902058 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hermesdorff, Michael
  • Hermesdorff, Mich.
  • Hermesdorff, Michele

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Zitierweise

Hermesdorff, Michael, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd103902058.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Matthias (1789–1835), S d. Nikolaus, aus Gusenburg/Hunsrück, beide Schneider;
    M Margaretha Schoemann (1794–1858), aus Schneiderfam.;
    B Matthias (1820–79), Musiklehrer u. Organist.

  • Leben

    H. erhielt schon früh Musikunterricht bei seinem Bruder. 1843 spielte er bereits in öffentlichen Gottesdiensten die Orgel und übernahm 1852, nach der Gymnasialzeit, die Organisten- und Chorleiterstelle (einschließlich Musikunterricht an den Schulen) in Ettelbrück (Luxemburg). 1855 begann er mit dem Studium der Theologie (1859 Priesterweihe) und wirkte seit 1862 in Trier als Domorganist, Dom-Musikdirektor, Gesanglehrer am Priesterseminar sowie als Orgel- und Glockenrevisor (1884 Domvikar). Er gründete 1872 den „Verein zur Erforschung alter Choralhandschriften“ (Choralverein) und redigierte 1872-78 die Kirchenmusikzeitschrift „Cäcilia“ (Trier). Seit 1875 war er ordentliches Mitglied der „Gesellschaft für Musikforschung“.

    Etwa 1850 begann eine Choralreform, in der es darum ging, aus einer im Laufe der Jahrhunderte entstandenen Vielzahl verschiedener Singweisen die ursprünglichen Melodien zu rekonstruieren. H. widmete sich – von geringfügigen Eigenwilligkeiten abgesehen – mit beachtlichen Resultaten dieser Aufgabe, indem er viele alte Choralhandschriften in Kues (Bibliothek d. Nicolaus Cusanus) und Trier (Dombibliothek) miteinander verglich. Unter dem Druck des Kulturkampfes, aus Mangel an Mitarbeitern sowie an finanzieller Unterstützung und anderem mehr konnte er sein Hauptwerk, das „Graduale ad norman cantus S. Gregorii“, nicht vollenden. Trotzdem ist er als der wichtigste deutsche Choralforscher seiner Zeit anzusehen. – Die Kompositionen H.s lassen Musikalität und gründliche Kenntnis der Tonsatzlehre erkennen; allerdings kann die 4stimmige Harmonisation der Gregorianischen Meß- und Vespergesänge („Harmonia cantus choralis“) stilistisch nicht positiv gewertet werden. – Die Übersetzungen alter Musiktraktate, die „Gesangschule“ und so weiter sind von bleibendem Wert. – Peter Wagner (1865–1931), der bisher bedeutendste Choralwissenschaftler und Mitherausgeber der neuen offiziellen Vatikanischen Choralbücher (seit 1905), war H.s Schüler.

  • Werke

    u. a. Graduale juxta usum Ecclesiae Cathedralis Trevirensis, 1863;
    Antiphonale juxta usum Ecclesiae Cathedralis Trevirensis, 1864;
    Harmonia cantus choralis, 7 Bde., 1865-68;
    Gesangschule, 1874, 21879;
    Graduale ad norman cantus S. Gregorii (mit hinzugefügten Neumen), in Lfg., 1876-82 (nach 11. Lfg. abgebrochen);
    Micrologus Guidonis de disciplina artis musicae (1026), übers. u. hrsg., 1876;
    Epistola Guidonis Michaeli Monacho, übers., erklärt u. hrsg., 1884.

  • Literatur

    H. Lonnendonker, in: Rhein. Musiker, hrsg. v. K. G. Fellerer, 2. T., 1962, S. 35 ff. (vollst. W-Verz., L);
    A. Scharnagl, in: MGG VI, Sp. 239 f. (W, L);
    Riemann (W).

  • Autor/in

    Hans Lonnendonker
  • Empfohlene Zitierweise

    Lonnendonker, Hans, "Hermesdorff, Michael" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 673-674 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd103902058.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA