Lebensdaten
1819 bis 1884
Geburtsort
Klagenfurt
Sterbeort
Feldbach (Steiermark)
Beruf/Funktion
Bleiweißfabrikant
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 135907055 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Herbert, Franz Paul Anton Freiherr von
  • Herbert, Paul Freiherr von
  • Herbert, Franz Paul Anton Freiherr von
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Zitierweise

Herbert, Paul Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135907055.html [21.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Albin (1787–1834, s. ÖBL), übernahm 1811 d. Bleiweißwerke s. V Franz Paul (s. 1);
    M Marie (1793–1862), T d. k. k. Hofrats Adam Dionys v. Gröller u. d. Anna Marie Freiin v. Herbert;
    Tante-v Cölestine ( Anton v. Moro, Industrieller, übernahm Vormundschaft u. Geschäftsführung f. H. u. s. Geschw.);
    B Edmund (1821–54), Hrsg. d. „Kärnthner. Volkslieder“;
    - 1851 ( 1872) Anna (1833–1908), T d. sachsen-coburg u. gotha. Hauptm. Edward v. Wangenheim u. d. Clementine Freiin v. Pöllnitz; kinderlos;
    Adoptiv-S Ernst Herbert-Kerchnawe (1842–1907), techn. Dir. in d. H.schen Bleiweißfabriken, übernahm 1880 d. Firma, in d. 1891 auch d. Erben nach Albin v. Herbert eintraten, nach Übergang d. Werke an d. Bleiberger Bergwerksunion (1900) gehörte er d. Verwaltungsrat an (s. ÖBL).

  • Leben

    H. konnte dank der Tatkraft des Vaters ein nach wirtschaftlich schwierigen Zeiten im Wiederaufschwung begriffenes Unternehmen übernehmen. Das Klagenfurter Anwesen war 1809 während der französisch Invasion, die Wolfsberger Fabrik 1818 einem Brand zum Opfer gefallen. Doch waren bei der nachfolgenden Wiedereinrichtung unter Albin H.s Leitung wesentliche Verbesserungen vorgenommen worden, vor allem im eigentlichen „Kammersystem“. Auf Einzelfässer hatte man verzichtet, die Kammern zu großen einheitlichen Calcinationsräumen mit zweckdienlicher Inneneinrichtung ausgestaltet. Das Verfahren hatte an Wirtschaftlichkeit, das Produkt an Güte gewonnen. Für ausreichende Kohlensäureversorgung diente das Verbrennen von Holzkohle in Kanonenöfen.

    Während die Fabriken nach dem frühen Tode des Vaters von dem Onkel A. von Moro fortgeführt wurden, bereitete sich H. durch Studien in Physik, Mathematik und Chemie an den Universitäten Wien und Berlin und durch Studienreisen nach Frankreich, Belgien, Holland und England auf die Übernahme der Unternehmen vor. Der Wiederaufschwung kam unter ihm zur vollen Entfaltung. 1854 gliederte er ein weiteres Werk in Lavis (Südtirol) an, das wegen der dortigen reichen und guten Schwerspatlager Bedeutung hatte. Poch- und Mahlwerke wurden eingerichtet. Durch Neuerungen in der Rohstoffversorgung konnten die Herstellungskosten stark herabgesetzt werden. Man verzichtete auf die Verwendung gärender Flüssigkeiten und ging zu Holzessig über, wodurch sich auch der chemische Prozeß übersichtlicher gestaltete und die Bildung braunfärbender Verunreinigungen herabgesetzt wurde. Der Holzessig wurde in eigens errichteten Fabriken in Wolfsberg und Klagenfurt hergestellt.

    Seit 1870 wurde das von H.s Adoptivsohn Ernst Herbert-Kerchnawe erdachte Dampfkammersystem angewandt, wonach man außerhalb der Bleiweißerzeugungskammern entwickelten Essigdampf und nach Bedarf Wasserdampf und Kohlensäure in die Kammern leitete. Infolge solcher technischer und wirtschaftlicher Verbesserungen konnte die Produktion in den besten fahren auf 15 000 Wiener Zentner gebracht, das heißt gegenüber 1825 verdreifacht werden, und das H.sche Erzeugnis genoß seinen Ruf als „das reinste und schönste Bleiweiß, welches noch immer unter dem Namen ‚Kremserweiß' im Handel seinen Ruf als erste Sorte bewahrt hat“ (Gräger).

  • Werke

    u. a. Josef Edelmann, in: Carinthia 47, 1857, S. 161 ff.;
    Karl Maria Gf. v. Lodron-Laterno, ebd. 50, 1860, S. 158 ff.;
    Adolf Rr. v. Tschabuschnigg, ebd. 68, 1878, S. 51 ff.

  • Literatur

    (auch f. Fam.) Carinthia 28, 1838, S. 63 ff.;
    N. Gräger, Die fabrikmäßige Darst. chem. Producte, 1865;
    B. Herbert, Mein Vater Albin Frhr. v. H., 1883;
    E. Herbert-Kerchnawe, Die Bleiweiß-Fabrication in Österreich, 1898;
    F. Sedlacek, Das Werden d. Kärntner Bleiweißverfahrens, in: Bll. f. Techn. Gesch., H. 5, 1938, S. 88 ff.;
    Dinklage-Wakolbinger, Kärntens gewerbl. Wirtsch. v. d. Vorzeit b. z. Gegenwart, 1953, S. 238 f.;
    Wurzbach VIII: ÖBL.

  • Autor/in

    Gustav Otruba
  • Empfohlene Zitierweise

    Otruba, Gustav, "Herbert, Paul Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 581 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135907055.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA