Lebensdaten
1733 bis 1790
Sterbeort
Mannheim
Beruf/Funktion
Physiker ; Meteorologe ; deutscher Sprachforscher
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118826190 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hemmer, Johann Jacob
  • Domitor, Jakob
  • Domitor, Johann
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Hemmer, Johann Jacob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118826190.html [25.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm, Landwirt;
    M Margarethe N. N.

  • Leben

    H. genoß Unterricht in der Schule der Jesuiten zu Köln, studierte Philosophie und Mathematik und trat dann in das Kölner Jesuitenkollegium ein, um sich der Theologie zuzuwenden, unterließ es aber auf Wunsch seines Vaters, die Gelübde des Ordens zu leisten. Nach dem Studium wurde er Hauslehrer, 1760 kurpfälzisch Hofkaplan in Mannheim, 1768 Kanonikus des Kollegiatsstifts Sankt Gangolf in Heinsberg, 1776 Geistlicher Rat und Direktor des kurfürstlich physikalischen Kabinetts in Mannheim und 1788 Geistlicher Geheimrat. Er war seit 1767 außerordentlich, seit 1768 ordentlich Mitglied der kurpfälzisch Akademie der Wissenschaften. In Mannheim richtete H. für Kurfürst Karl Theodor ein physikalisches Kabinett ein. Er hielt vor Damen und Herren der Gesellschaft Kurse in „Erfahrungsnaturlehre“ ab und stellte vielerlei physikalische Versuche an, namentlich über statische Elektrizität (auch über deren physiologische Wirkungen), über den elektrischen Zustand der Atmosphäre und über das Schmelzen von Metallen mit großen Brennlinsen. Schon seit 1769 galt H.s Eifer den Fragen des Blitzschutzes. Er gehört neben J. A. H. Reimarus|zu den Vorkämpfern für die „Wetterleiter“ in Deutschland. In Süddeutschland errichtete er eine große Zahl von Blitzableitern, die aus einer senkrechten Stange und einem waagerechten Stangenkreuz (Fünfspitz) bestanden. Die ersten dieser Art baute er 1776. H.s wissenschaftliches Hauptverdienst liegt im Gebiete der Meteorologie. Er war Sekretär und spiritus rector der 1780 gegründeten Klasse für Wetterkunde der kurpfälzisch Akademie. Unter seiner Leitung wurde das erste internationale meteorologische Beobachtungsnetz der Erde aufgebaut, das 39 Stationen, davon 14 in Deutschland, umfaßte. Die Stationen wurden mit vollständigen Sätzen wohldurchdachter Instrumente ausgerüstet, so daß wirklich vergleichbare Beobachtungen gemacht werden konnten. Durch die Kriegsereignisse seit 1792 ging das großzügige Unternehmen zugrunde. – H. betätigte sich auch als deutscher Sprachforscher, wobei er für eine der Aussprache angepaßte Rechtschreibung eintrat.

  • Werke

    u. a. Abh. üb. d. dt. Sprache, Mannheim 1769;
    Vertheidigung dieser Abh., ebd. 1771;
    Dt. Sprachlehre z. Gebrauch d. kuhrpfälz. Lande, ebd. 1775;
    Kern d. dt. Sprachkunst u. Rechtschreibung, ebd. 1780;
    Kurzer Begriff u. Nutzen d. Wetterableiter, Düsseldorf 1782, 21783;
    Descriptio instrumentorum Societatis Meteorologicae Palatinae, Mannheim 1782;
    Anleitung, Wetterableiter … anzulegen, Offenbach 1782, 21788;
    Verhaltungsregeln … z. Gewitterzeit, ebd. 1789;
    versch. Arbb. üb. Meteorol. u. Blitzerscheinungen in: Commentationes Academiae Electoralis Scientiarum … Theodoro-Palatinae.

  • Literatur

    ADB XI;
    [M. Güthe?], De vita et morte J. J. H. brevis narratio, in: Ephemerides Societatis Meteorologicae Palatinae, Bd. 1789, Mannheim 1793, S. V-XI;
    [A. Lamey?], Vita J. J. H., in: Commentationes Ac. Electoralis … Theodoro-Palatinae, Hist. R., Bd. 7, 1794, S. 11-16;
    Mannheimer Gesch.-Bll. 16, 1915, Sp. 74-80;
    A. Kistner, Zur Lebensgesch. v. J. J. H., ebd. 19, 1918, S. 1-5;
    ders., Die Pflege d. Naturwiss. in Mannheim z. Z. Karl Theodors, 1930, S. 71-109;
    P. Fuchs, Palatinatus Illustratus, 1963, S. 569;
    Meusel V;
    Pogg. I.

  • Autor/in

    Friedrich Klemm
  • Empfohlene Zitierweise

    Klemm, Friedrich, "Hemmer, Johann Jacob" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 510 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118826190.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hemmer: Johann Jacob H., Meteorolog und deutscher Sprachforscher, wurde 1733 (Tag und Monat sind nicht bekannt) zu Horbach in der Herrschaft Landstuhl in der Pfalz geboren, wo sein Vater ein armer Bauersmann war. Nachdem er drei Jahre lang kümmerlich die lateinische Schule zu Kaiserslautern besucht hatte, entzog er sich dem Zwange, gleichfalls Bauer zu werden, durch eine heimliche Flucht nach Cöln, wo es ihm gelang, in dem Jesuiten-Collegium Aufnahme und Unterricht und bald darauf auch eine Hauslehrerstelle bei den Söhnen des böhmischen Patriciers a Queita zu erhalten. Er studierte hierauf in dieser Stadt anfangs Philosophie und Mathematik und, nachdem er in den Jesuitenorden eingetreten war, Theologie. Aus diesem Orden trat er jedoch bald wieder aus, wurde Informator in der altadeligen schwäbischen Familie Sturmfeder, bis ihm, nachdem er inzwischen eine Pfarrei des Deutschherrenordens ausgeschlagen hatte, am 1. Febr. 1760 die Stelle eines Churpfälzischen Hofcaplans übertragen ward. Im J. 1767 wurde er außerordentliches, 1768 ordentliches Mitglied der pfälzischen Academie der Wissenschaften „Theodoro-Palatina“, erhielt 1776 die Stelle eines geistlichen Rathes und die eines Aufsehers des physikalischen Cabinets und starb in diesen Aemtern, sowie als Stiftsherr zu Heinsburg und Mitglied der landwirthschaftl. Gesellschaft zu Kaiserslautern, auch mit dem Titel eines geheimen Hofraths des Herzogs von Zweibrücken, Karl August und des polnischen Königs Stanislaus, zu Mannheim am 3. Mai 1790. Hemmers meteorologische Untersuchungen, die er in seinem großen Werke: „Ephemerides Societ. Palatinae“ in acht Bänden (1781—1788) veröffentlichte, fanden zu ihrer Zeit durch ganz Europa den größten Beifall und wohlverdienteste Aufnahme, wie er auch in der Churpfalz der erste war, der durch Lehre und Beispiel die Nützlichkeit der Blitzableiter veranschaulichte. Auch als deutscher Sprachforscher ("Abhandlung über die deutsche Sprache“ 1769; „deutsche Sprachlehre für die Pfalz“ 1775 u. a. ähnliche Schriften) zeichnete er sich durch gründliche Kenntnisse und eigenes Nachdenken aus, wenn auch die seitherigen Forschungen auf diesem Gebiete seine Arbeiten überholt haben. Außerdem ist er Verfasser vieler anderweitiger Abhandlungen in den Commentaren der genannten Akademie.

    • Literatur

      Acta Acad. Theod.-Palat. VII, 11—17. Büttinghausen, Beiträge zu pfälz. Geschichte. I, 196.

  • Autor/in

    J. Franck.
  • Empfohlene Zitierweise

    Franck, Jakob, "Hemmer, Johann Jacob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 721 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118826190.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA