Lebensdaten
1707 bis 1791
Geburtsort
Lübeck
Sterbeort
Alt-Döbern (Niederlausitz)
Beruf/Funktion
Gelehrter ; Kunstsammler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118940430 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heineken, Karl Heinrich Ritter von
  • Heinecken, Karl Heinrich (bis 1748)
  • Heineken, Karl Heinrich (bis 1748)
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Zitierweise

Heinecken, Karl Heinrich Ritter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118940430.html [19.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Paul H. (um 1680-1740), Maler u. Architekt, Kaffeewirt in L. (s. ThB), S d. Paul, Maler u. Küster in Rehna/Meckl., u. d. Engel Röhrdantz aus L.;
    M Catharina Elis. (1683–1757), Malerin u. Kunsthändlerin (s. ThB), T d. Franz Oesterreich (1621–97), aus Braunschweig, Maler in L. (s. ThB), u. d. Anna Hambrock;
    B Chrstn. Hinrich (1721–25), „das Lübecker Wunderkind“ (s. L);
    - Dresden 1742 Friederika Magd. (1721–90), T d. Küchenmeisters Joh. Jak. Nöller;
    1 S, 2 T, u. a. Carl Frdr. (1752–1815), Kammerherr, Radiererdilletant (s. ThB); Vt (u. Pflege-S v. H.s Mutter) Matthias Oesterreich (1716–78), Maler, Radierer, Gal.dir. in Sanssouci (s. ThB).

  • Leben

    H. besucht das Lübecker Gymnasium, wo er mit der Philosophie von Leibniz und Christian Wolff bekannt gemacht wird. 1724 geht er nach Leipzig, um die Rechte und nebenher Literatur zu studieren. Hier lernt er Gottscheds Aufklärungsgedanken kennen und interessiert sich für die zahlreichen privaten Kunstsammlungen der Messestadt. Um 1730 wird er Hauslehrer bei dem kurfürstlichen Hofpoeten Johann Ulrich König in Dresden und schreibt unter dessen Einfluß die moralisierende Erstlingsschrift „Die wahren Absichten des Menschen …“ (Dresden und Leipzig 1732). Anschließend wird er im Hause des Ministers Graf Sulkowsky Hofmeister und wechselt nach dessen Sturz zum Grafen Brühl als Bibliothekar und Privatsekretär über. 1737 veröffentlicht H. die aufsehenerregende Übersetzung von „Dionysius Longin vom Erhabenen“, weist damit fast 20 Jahre früher als Winckelmann auf die Bedeutung antiker Kunsttheorie hin und zieht sich dadurch Gottscheds Feindschaft zu. Brühl verheiratet den Vermögenslosen 1742 mit der einzigen Tochter des Hofkochs Nöller, kauft ihm das Rittergut Altdöbern und vertraut ihm seine Kassen, Güter und Manufakturen an. H. tritt als General-Accise-Sekretär in sächsische Dienste|ein, wird Geheimer Kammerrat und Oberamtsrat und weiß sich als Kunstsachverständiger bei Friedrich August II. beliebt zu machen. An Stelle des verstorbenen Hofarztes Johann Heinrich von Heucher wird er 1746 Direktor des Kupferstich-Kabinettes und beeinflußt als Intendant Brühls wesentlich die Ankäufe für die Gemäldegalerie. In diplomatischen wie privaten Diensten reist er nach Holland (1750 und 1768) und Frankreich (1754 und 1761). Während des 7jährigen Krieges ist H. beauftragt, vor allem das Brühlsche Besitztum vor Schäden zu bewahren, und wird von preußischen Truppen zeitweise inhaftiert. Mit seiner Willfährigkeit die finanzielle Mißwirtschaft Brühls unterstützend, wird er nach Beendigung des Krieges und der Rückkehr des sächsischen Hofes von Warschau nach Dresden 1763 in einem Prozeß wegen Veruntreuung von Steuergeldern und Kunstgut zur Rechenschaft gezogen und gefangen gehalten. Obwohl sich seine Unschuld erweist, wird er seiner Ämter entsetzt und muß Dresden verlassen. H. siedelt nach Altdöbern über, befaßt sich mit landwirtschaftlichen Angelegenheiten, unter anderem mit Tabakanbau, und ist bis zu seinem Tode als Schriftsteller und Kunstsammler tätig.

    H.s ungewöhnliche künstlerische Sachkenntnis und sein sicheres, oftmals sarkastisches Urteilsvermögen sicherten ihm in Dresden die Position eines führenden Kunstkritikers, der den jungen Winckelmann mißfällig beurteilt. Seine Verdienste um die Dresdener Kunstsammlungen beziehen sich vor allem auf die Erweiterung, Aufstellung und Katalogisierung der Bestände. Beratend lenkt er die Gemäldeankäufe durch Mittelsmänner wie Algarotti, Guarienti und Rossi in Italien, De Brais und Le Leu in Frankreich, Talon in Madrid und kauft selbst in Holland und Hamburg Werke von Rembrandt, van Dyck und Elsheimer. 1744 kommen Bilder von Maratta, Holbein und Palma Vecchio nach Dresden, 1746 die Modenes. Sammlung und 1754 die Sixtinische Madonna. H. faßt 1748 den Plan, die Gemälde in einem Galeriewerk zu veröffentlichen, und beauftragt 8 Zeichner und 40 Stecher für diesen privaten, 106 Blätter umfassenden Prachtdruck, zu dem er selbst eine kurze Beschreibung verfaßt. Von Zeitgenossen wird er auch als Autor der anonym erscheinenden Schrift „Abrégé de la Vie des peintres“ (Dresden 1782) angesehen, da wohl kein anderer über jene große Kennerschaft verfüge und diese treffenden Bemerkungen machen könne. Abgelehnt wird jedoch die von ihm vorgeschlagene Gründung einer Kunstakademie in Dresden (erst 1764 gegründet).

    H.s Haupttätigkeit galt vornehmlich dem Kupferstich-Kabinett, das er bis zu seiner Entlassung 1763 ordnete und wesentlich vergrößerte. Als sein Nachfolger Christian Ludwig Hagedorn die Sammlung sichtete, war sie in der 17jährigen Amtszeit um fast 50 000 Blätter gewachsen und hatte damit eine Gesamtzahl von 130 000 Blättern erreicht. Die Erwerbstätigkeit bezog sich unter H.s Einfluß unter anderem auf die Frühzeit des deutschen Kupferstichs vor Dürer, einer damals unbeachteten Kunstperiode, die er auch in den Ankäufen für seine Privatgalerie bevorzugte. Seine umfangreiche Bibliothek bestand aus wertvollen Inkunabeln und seltenen illustrierten Büchern des XV.-XVI. Jahrhunderts und ist in die Sächsische Landesbibliothek Dresden gelangt. H.s Hauptverdienst liegt in einem systematischen Aufbau des Dresdener Kabinettes, mit dem er ein oft nachgeahmtes Modell einer Graphiksammlung schuf. Seine Gedanken dazu finden sich in dem 1771 erschienenen Werk „Idée générale d'une collection“. Besonders erwähnenswert sind die dem Buch beigegebenen umfänglichen Bemerkungen zu den Anfängen der deutschen Holzschneidekunst und zu den ältesten illustrierten Büchern, denen er ein Monogrammverzeichnis sowie Illustrationen nach alten Darstellungen anfügt.

    Als wichtiges Quellenmaterial erweisen sich heute seine „Nachrichten von Künstlern und Kunstsachen“ (2 Bände, Wien/Leipzig 1768/71), in denen er aphoristisch über Begebenheiten und Persönlichkeiten seiner Zeit erzählt. In dem seit 1778 erscheinenden „Dictionnaire des artistes“ versucht er mit absoluter Vollständigkeit alles Wissenswerte über Künstler zu sammeln, verwertet ältere Materialien und Urkunden und gewinnt auch andere Mitarbeiter für dieses bedeutsame Unternehmen. – Seine enzyklopädistischen Bemühungen, die angewandte wissenschaftliche Akribie sowie die rationalistische Systematik seiner Erkenntnisse zeigen, daß seine Kunstanschauung ganz im Geiste der Aufklärung wurzelt.

  • Werke

    Weitere W Dionysius Longin vom Erhabenen, Griech. u. Teutsch, nebst dessen Leben, e. Nachr. v. s. Schrr. u. e. Unters., was Longin durch d. Erhabene verstehe, Dresden 1737, 21742;
    Recúeil d'estampes d'après les plus célèbres tableaux de la Gal. Royale de Dresde I, ebd. 1753, II, 1757 (6 Bl. nicht gebunden);
    Nachrr. v. d. Beschaffenheit d. Niederlausitz, o. O. 1760;
    Idée générale d'une collection complètte d'estampes, Avec une Diss. sur l'origine de la Gravure et sur les premiers Livres d'Images, Wien/Leipzig 1771;
    Dict. des artistes, dont nous avons des estampes I, Leipzig 1778, II, 1788, III, 1789, IV, 1790 (bis Diziani);
    Neue Nachrr. v. Künstlern u. Kunstsachen,|1786. - Mss.: Comp. zu „Idée générale d'une collection“ (Kupf.-Kab. Dresden);
    Dict. des artistes, 3 Bde. v. A bis Z (ebd. Kat. Nr. 75-77);
    Cat. des estampes de l'Ecole Françoise, (qui se trouvent dans le Cabinet du Roi), 5 Bde. (ebd.);
    Livres des Portraits, 2 Bde. (ebd.). - Kriegsvermißte Mss.: Dict. des artistes (mit Ergg. u. Nachträgen), 30 Bde. (ebd.);
    Cat. v. Künstler-Porträts (Oktavbd.) (ebd.);
    H.s Nachrr. üb. Künstler (ebd.);
    Verz. v. anonymen Kupf. mit e. Brief H.s an C. G. Schulze (ebd.);
    Kupf. nach Stechern chronologisch u. alphabetisch, nach 4 Schulen geordnet (ebd.).

  • Literatur

    S. Baur, in: Gal. hist. Gem. I, 1804, S. 135-40;
    F. Bülau, Geh. Geschichten u. rätselhafte Menschen, T. III, 1851, S. 439;
    C. Justi, Winckelmann u. s. Zeitgenossen I, 1866, S. 288 f., 434, 521;
    E. Sigismund, C. H. v. H., in: Dresdener Anz. 2, (1902) (8);
    K. Woermann, Kat. d. Kgl. Gem.gal. Dresden, 1902, Große Ausg., S. 7-12;
    G. Lehmann, Der Prozeß gegen K. H. v. H. u. Genossen, in: Neues Archiv f. Sächs. Gesch. u. Altertumskde. 25, 1904, S. 264-95;
    H. W. Singer, Unika u. Seltenheiten im Kgl. Kupf.-Kab. Dresden, 1911, S. 11-20;
    O. E. Schmidt, Min. Gf. Brühl u. C. H. v. H., 1921 (P);
    M. Stübel, Dresdener Sammler d.18. Jh., in: Das Sammel-Cab. 3 (10), 1924/25, S. 1-6;
    H. Posse, Die Gem.gal. zu Dresden, o. J., S. 18 f. (P);
    F. Schubert, in: Chemnitzer Neueste Nachrr., Nr. 19, 1941, Beil. 2;
    Werner Schmidt, Erste Beachtung früher Kupf. im Dresdener Kab., in: Kunstmuseen d. Dt. Demokrat. Republik, Mitt. u. Berr. III, 1961, S. 29-35;
    Ch. Dittrich, C. H. v. H.s kunsthist. Schrr., in: Jb. d. Staatl. Kunstslgg. Dresden 1965/66, S. 79-85 (P);
    ThB (L). - Eigene Archivstud. (Staatsarchiv Dresden). - Zu B Chrstn. Hinrich: B. Stübel, in: Mitt. d. Ver. f. Lüb. Gesch. u. Altertumskde. 11, 1904, S. 8-34.

  • Portraits

    Gem. v. M. Hubert-Descours, 1754 (vormals Baronin v. Bischofshausen, Niederjahna b. Meißen), Abb. b. O. E. Schmidt, s. L;
    Kupf. v. A. de Saint-Aubin, 1770 (Dresden, Kupf.kab.), Abb. b. Posse, s. L, v. C. G. Geyser, o. J. (Slg. Veste Coburg).

  • Autor/in

    Christian Dittrich
  • Empfohlene Zitierweise

    Dittrich, Christian, "Heinecken, Karl Heinrich Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 297-299 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118940430.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA