Lebensdaten
1544 bis 1611
Geburtsort
Borna bei Leipzig
Sterbeort
Grimma (Sachsen)
Beruf/Funktion
Humanist ; Pädagoge ; Schuldramatiker ; Philologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 121178609 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heinecke, Martin
  • Heinicke, Martin
  • Hennigk, Martin
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Hayneccius, Martinus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121178609.html [20.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Clemen Heinecke (Heinicke, Hennigk) (um 1515–90), Kantor u. Rektor d. Lateinschule, seit 1552 Stadtrichter u. Bgm. in B., S d. Merten ( 1538?), Fernhändler u. Ratsherr in B., u. d. Margarethe (Froberg?);
    M Ursula ( 1572), T d. Wolff Wonnicker, Fernhändler (?) in B.;
    B Clemens (1549–88/90), Bgm. in B., Caspar (1561–1611), Kantor u. Rektor d. Lateinschule in B., Vf. d. Bornaer lat. Schulordnung v. 1598;
    - Leisnig 19.5.1572 Christiana, T d. Schössers Gg. Backmeister in PreBnitz (Erzgeb. ?); 9 K.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Fürstenschule in Grimma und dem Studium der Philologie in Leipzig wurde H. Magister und anschließend Lehrer in Leisnig, Chemnitz und Amberg (Opf.). Eine Zeitlang war er Privatgelehrter in Rochlitz, seit 1585 Rektor an der Martinsschule in Braunschweig und 1588-1610 an der Fürstenschule in Grimma. – Den Gepflogenheiten der Zeit entsprechend, hat H. zahlreiche Schuldramen verfaßt, von denen wohl nur ein Teil im Druck erschienen ist. Nach humanistischer Tradition waren sie ursprünglich in lateinischer Sprache geschrieben, wurden aber später von H. selber in die Muttersprache übersetzt. Daneben edierte er die Dramen des Terenz und trat als Plautus-Übersetzer mit einer Übersetzung der „Captivi“ (Leipzig 1582) hervor. Sein „Almansor sive ludus literarius“ erlebte in der lateinischen Fassung mehrere Auflagen (Leipzig 1578, 1579, Basel 1588) und erschien 1582 in Leipzig unter dem Titel „Almansor, Der Kinder Schuelspiegel“ in deutscher Sprache. In der 2. Auflage der deutschen Übersetzung (Leipzig 1603) deckte H. ein Plagiat auf, das Hans Rudolph Klauber in Basel begangen hatte, der 1590 die deutsche Übersetzung unter seinem Namen in Basel hatte drucken lassen. Das Drama „Hansoframea sive Momoscopus“ (Leipzig 1581) wurde ebenfalls ins Deutsche übertragen: „Hansoframea, Hans Pfriem oder Meister Kecks“ (Leipzig 1582, 1603, Magdeburg 1906); es wurde jahrzehntelang auf der Schulbühne gespielt. Die deutsche Fassung beider Dramen wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Neudrucken wieder zugänglich gemacht.

    J. Franck (ADB XI) hob beim „Hansoframea“ („Hans Pfriem“) hervor, daß sich „in dem Latein und der Muttersprache des H. römische Urbanität und deutsche Derbheit auf eine höchst ergötzliche aber treffende Weise verschmolzen hat“. H. Kindermann (Theatergeschichte Europas II, 1959, S. 313) nennt H. wegen seines an Hans Sachs erinnernden Humors „einen singulären Fall in dieser oft so steifen und einseitigen Welt des Schultheaters“.

    Trotz einer Aufführung des „Hans Pfriem“ (Bearbeitung) durch das Theater am Schiffbauerdamm in Berlin (Brecht-Ensemble) ist das dramatische Werk H. aus dem Bewußtsein auch der Literarhistoriker verschwunden, obgleich ein angemesseneres Verständnis sich nicht mehr von „dem schlechten Geschmack seiner Zeit“ (J. Franck) abgestoßen fühlt. Auch seine philologischen Arbeiten sind trotz hoher Wertschätzung durch die Zeitgenossen heute vergessen.

  • Werke

    Weitere W Drey newe schöne Comoedien, I. Almansor, Der Kinder Schuelspiegel, II. Captivi, Der gefangenen leute Trew, III. Hansoframea, Hans Pfriem, od. Meister Kecks, Leipzig 1582;
    Neuausg. Almansor, der Kinder Sthulspiegel …, hrsg. v. O. Haupt, 1891;
    Hans Pfriem od. Meister Kecks …, Abdr. d. 1. Ausg., 1882. - Bearb. Hans Pfriem od. Kühnheit zahlt sich aus … v. W. u. C. Küchenmeister, o. J.;
    - P. Terentii Afri Comoediae residuae sex, Leipzig 1592 (Hrsg.);
    Fructus Terentiani, ebd. 1614;
    Encheiridion Ethicon, Compendium moralium praeeeptionum, ebd. 1594;
    Medulla Tulliana, ebd. 1595;
    E M. T. Cicerone selectissima: Sententiae … Libris IV, ebd. 1597;
    S. S. Crucis Iesu Christi salvatoris mundi Soteria aeterna, ebd. 1603;
    Exequiae, Sanctis manibus Illustriss. … Principis Ludovici Com. Pal. ad Rhenum Duc. Bav. … dicatae, Amberg 1583;
    Oratio panegyrica ad solennitatem natalitiam, tarn illustriss. Princip. Frider. IV. … quam Ludi Provincialis Illust. Amborgensis, ebd. 1584;
    Adami Siberi ad. M. H. Propemticum, M. H. Apobaterium, Iacobi Furmani, Apopempticum …, Leipzig 1583;
    Adami Siberi et M. H. Bor., Fonteia, ebd. 1583;
    - nicht nachweisbar d. b. Zedler angegebenen Titel Epithalaminus in honorem Oberndorfferi, Amberg 1584 u. Medulla sive Phraseologia Terentiana, Leipzig 1590 (dieser auch in ADB).

  • Literatur

    ADB XI;
    M. Zesch, Eine Schulkomödie aus d. 16. Jh. … dem Rathe zu Leisnig gewidmet im J. 1592, in: Mitt. d. Gesch.- u. Altertums-Ver. zu Leisnig 10, 1896, S. 54-62;
    P. Meyer, Aus d. Jugendzeit d. Fürstenschule Grimma u. d. Leben d. M. H., in: Neue Jbb. f. Päd. 8, 1905, S. 99-109;
    A. Tröthandl-Berghaus, Die Dramen d. M. H., 1927;
    Goedeke II. S. 141, 368.

  • Autor/in

    Rolf Tarot
  • Empfohlene Zitierweise

    Tarot, Rolf, "Hayneccius, Martinus" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 157 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121178609.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hayneccius: Martin H. (Heyneccius), Lustspieldichter und Philolog zu Ende des 16. Jahrhunderts, wurde den 10. August 1544 zu Borna in Sachsen geboren, wo sein Vater Schullehrer und später Bürgermeister war, studirte Philologie zu Leipzig, wurde daselbst Magister und sodann Lehrer an den Schulen zu Leisnig, Chemnitz und Annaberg. Hierauf kam er, nachdem er einige Zeit zu Rochlitz privatisirt hatte, 1585 als Rector der Martinsschule nach Braunschweig und von da 1588 als solcher an die Landesschule nach Grimma. Bereits seit 1608 emeritirt, starb er daselbst den 28. April 1611. Nach Flögel (Kom. Lit. IV, 307) soll er ein Vorfahr des Geheimraths Joh. Gottl. Heineccius gewesen sein. — H. ist der Verfasser einer größeren Anzahl Lustspiele, sogenannter Schulkomödien, von denen jedoch nur wenige zum Druck gelangten und die, abgesehen von ihrer dramatischen Behandlung für die deutsche Sprachkunde durch den Reichthum an uralten allerdings durch große Derbheit und Naturwüchsigkeit sich auszeichnenden proverbialen Bezügen jeder Art (gegen 150) die Beachtung des Forschers verdienen. Die Titel dieser Lustspiele sind: 1. „Almansor, der Kinder Schulspiegel"; zuerst lateinisch Lips. 1578, 1579 (Clessius I, 376), 1588, dann deutsch als: Schulteuffel ... Hiebeuuor mit dem Titel Almansor (Leipzig 1603); über ein an diesem Stücke durch H. Rud. Klauber verübtes Plagiat, vergl. Goedeke Gr. I, 305 und Em. Weller in der|Zeitschrift: Die Schweiz 1858, S. 175. 2. „Captivi, der gefangenen Leute Trew“ (Leipzig 1582; eine Uebersetzung des gleichnamigen Lustspiels von Plautus). 3. „Hansoframea seu Mimoscopus“, lateinisch Lips. 1581, dann deutsch als: Hans Pfriem, Leipzig 1582, 1603. Magdeburg 1606. Es ist hier das bekannte Märlein dramatisirt, das schon Luther in einer Predigt erzählt und dann später von Wilh. Grimm (Kindermärchen, Nr. 178) als „Meister Klügel“, der im Himmel und auf Erden Alles am besten versteht, auf's Neue geistreich behandelt wurde, und in welchem sich in dem Latein und der Muttersprache des H. römische Urbanität und deutsche Derbheit auf eine höchst ergötzliche aber treffende Weise verschmolzen hat. Ein viertes Lustspiel „ludus literarius“ mit dem Titel: Brunonizensis Martinianus, welches Clessius I, 376 als Zugabe des Almansor von 1579 und von H. verfaßt, verzeichnet hat, ist mir bis jetzt unbekannt geblieben. — H. fehlte es nicht an komischem Talente und glücklicher Laune, aber von dem schlechten Geschmacke seiner Zeit verleitet, artet er wie die Mehrzahl der Luftspieldichter seiner Zeit allzuleicht in Plattheit und Plumpheit aus. Das Schauspiel dieser Zeit war meist Gelegenheitsfeierlichkeit und die Verfasser der in der Regel zuerst lateinisch geschriebenen Stücke gewöhnlich, wie auch H., Schulmänner, welche sich bald herabließen, dieselben zum allgemeinen Gebrauche zu übersetzen und dem Volke zum Besten zu geben. Der Schulmeister spielte dann gewöhnlich den Prolog und gab den „Regenten des Stückes“ ab, die Knaben hatten die übrigen Rollen, und der erstere wurde dann wol für seine Regenz mit ein paar Gulden beschenkt, so wie auch die Schüler ohne Zweifel nicht leer ausgingen. Obgleich aber sehr viele solcher Stücke und insbesondere die des H. als Spiegel der Schuljugend geschrieben und aufgeführt wurden, so läßt sich doch von den rohen oder derben Sitten der damaligen Zeit erwarten, daß man in den moralischen Tendenzen dieser Lustspiele auch in der besten Meinung zu weit ging. Und es ist fast unglaublich, was man damals die Jugend sagen und spielen ließ, sich und Anderen zur Erbauung. In dem Gericht Salomonis von Joh. Baumgart vom J. 1561 (Goedeke I, 309), das ebenfalls ausdrücklich für die Jugend der blühenden Schule zu Magdeburg von einem Pfarrer auf Antrieb des Schulrectors geschrieben ist, haben die zwei streitenden Weiber solcher ungeheurer Schimpfreden sich zu bedienen und solch' verfängliche Stellungen zu machen, daß jetzt selbst die roheste Schauspielertruppe nichts der Art wagen würde. Aber daran ergötzten sich damals Höfe und Gelehrte, wenn sie auch gelegentlich darüber schimpften, und Gottsched erwähnt es mit einer Art Triumph, daß 1556 bei einer Versammlung des Decemviralconcils in Leipzig kein einziger Decemvir erschien: propter ludos scenicos. H. ist außerdem Verfasser mehrerer philologischer Schriften, unter denen seine „Medulla sive Phraseologia Terentiana“ (Lips. 1590) noch heute ihren Werth nicht verloren hat, wie auch sein „Compendium moral. praeceptionum“ (Lips. 1594) zu seiner Zeit in großem Ansehen stand.

    • Literatur

      Clessius, Elenchus I, 376. 487. Gottsched II, 235; vergl. I, 119 f. Koch, Grundr. I, 266. Flögel, Kom. Lit. IV, 307. Jöcher II, 1416—17. Goedeke, Gr. I, 136. 288. 305. 312. 380 und dessen P. Gengenbach, S. 605.

  • Autor/in

    J. Franck.
  • Empfohlene Zitierweise

    Franck, Jakob, "Hayneccius, Martinus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 163-164 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121178609.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA