Dates of Life
1846 – 1908
Place of birth
Leulitz bei Würzen
Place of death
Leipzig
Occupation
Publizist ; Mitbegründer des Alldeutschen Verbands
Religious Denomination
lutherisch
Authority Data
GND: 116514353 | OGND | VIAF: 49978808
Alternate Names
  • Hasse, Traugott Ernst Friedrich
  • Hasse, Ernst
  • Hasse, Traugott Ernst Friedrich
  • more

Objekt/Werk(nachweise)

Relations

Outbound Links from this Person

Genealogical Section (NDB)

The links to other persons were taken from the printed Index of NDB and ADB and additionally extracted by computational analysis and identification. The articles are linked in full-text version where possible. Otherwise the digital image is linked instead.

Places

Map Icons
Marker Geburtsort Place of birth
Marker Wirkungsort Place of activity
Marker Sterbeort Place of death
Marker Begräbnisort Place of interment

Localized places could be overlay each other depending on the zoo m level. In this case the shadow of the symbol is darker and the individual place symbols will fold up by clicking upon. A click on an individual place symbol opens a popup providing a link to search for other references to this place in the database.

Citation

Hasse, Ernst, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116514353.html [20.04.2024].

CC0

  • Genealogy

    V Hermann (1811–92), Dr. phil., Lic. theol., Oberpfarrer u. Sup. in Frauenstein, S d. Traugott (s. 3);
    M Marie (1820–86), T d. sächs. Hauptm. Frdr. Keßler u. d. Wilhelmine Bünger;
    Leipzig 1875 Emma (1852–1928), T d. Jul. Gottschald (1812–84), Kaufm. (Pelzwaren), u. d. Mathilde Cunit;
    1 S, 2 T (früh †);
    N Karl (s. 2).

  • Biographical Presentation

    H. hat die Fürstenschule Sankt Afra in Meißen besucht, mit Auszeichnung an den Kriegen 1866 und 1870/71 teilgenommen, den angestrebten Offiziersberuf aber nach volkswirtschaftlichen Studien bei W. Röscher in Leipzig aufgegeben. Seit 1875 Direktor des statistischen Büros der Stadt Leipzig, las er seit 1886 als außerordentlicher Professor an der Leipziger Universität über Statistik und seit 1888 über deutsche Kolonialpolitik. Kolonialpolitische Interessen (nationaler Siedlungsraum für den deutschen Bevölkerungsüberschuß) haben H. frühzeitig publizistisch-politisch aktiv werden lassen. Neben Wilhelm Hübbe-Schleiden, Robert Jannasch und Fr. Fabri gehörte er zu den Initiatoren der deutschen Kolonialbewegung, begründete 1878 den „Leipziger Verein für Handelsgeographie und Colonialpolitik“, wirkte später im Vorstand der Deutschen Kolonialgesellschaft und hat maßgeblichen Anteil an Begründung und Ausbau des Alldeutschen Verbandes, dessen Vorsitzender er von 1893 bis zu seinem Tode war. In Vorträgen und zahlreichen Artikeln in den „Alldeutschen Blättern“, in seinen Vorlesungen und im Reichstag (1893–1903 Mitglied des Reichstags, nationalliberal) ist H. davon ausgegangen, daß das Deutsche Reich erst noch ein Nationalstaat werden müsse, um seine geschichtliche Daseinsberechtigung zu beweisen. Er stellt dabei dem vergänglichen „Staat“ das dauernde „Volk“ gegenüber und entwickelt die Grundlinien einer „deutschen Politik“,|die neben der kolonialen Erweiterung des nationalen Territoriums im Schutze einer starken Flotte den engeren Zusammenschluß aller Deutschen und die Kräftigung des deutschen Volkstums (insbesondere der Grenz- und Auslandsdeutschen) als notwendige Basis zur Behauptung der Weltmachtstellung des Deutschen Reiches fordert. Gegen „Weltbürgerei“ und liberalistischen „Individualismus“ bekennt sich H. unter Berufung auf Treitschke zur „Weltanschauung des Nationalismus“ und zur Politik als Machtkampf. Er betont die Ungleichwertigkeit der Völker und leitet daraus das besondere Recht des deutschen Volkes ab, seine Herrschaftsansprüche gegenüber mindereren Nationalitäten im Osten und Südosten durchzusetzen. Daher kann er auch in seinem zusammenfassenden Werk „Deutsche Politik“ (2 Bände, 1905/08) die um 1900 aufkommenden rassenhygienischen und rassischen Ungleichheitslehren in breitem Umfang übernehmen. Sie bleiben bei ihm Zutat, sind aber bemerkenswerte Anzeichen dafür, wohin sein politischer Ansatz führen mußte, wenn er nicht mehr – wie bei H. – durch nationalliberale Grundanschauungen und das Honoratiorenbewußtsein des Bildungsbürgers praktisch entschärft wurde. H., der weder politischen Machtehrgeiz noch agitatorische Talente besaß, hebt sich symptomatisch bedeutsam aus dem Halbdunkel politischer Vereinsmeierei heraus als eine frühe Spielart jener Vermischung völkisch-nationalistischer, rassischer und imperialistischer Zielsetzungen, die seit dem 1. Weltkrieg in Deutschland zu stärkster Wirkung gelangt ist.

  • Works

    Weitere W Die Organisation d. amtl. Statistik, 1888;
    Kolonien u. Kolonialpol., in: Hdwb. d. Staatswiss. IV, 1892, S. 702-79, ²V, 1900, S. 135-247;
    Dt. Weltpol., 1897;
    zahlr. Btrr. in: 20 J. alldt. Arb. u. Kämpfe, hrsg. v. d. Gesamtleitung d. Alldt. Verbandes, 1910;
    zahlr. statist. Unterss., Leipzig betr.

  • Literature

    H. als Politiker, hrsg. v. d. Wahlvereinigung z. Wiederwahl H.s in d. Reichstag, 1898;
    Alldt. Bll. 16, 1906, S. 45-47, 69-73, 18, 1908, S. 18-20, 26-30, 45 f., 49-52 (P);
    Ernst Hasse, Nachrr. üb. d. Fam. Hasse u. einige verwandte Fam., ³1903;
    A. Kruck, Gesch. d. Alldt. Verbandes 1890-1939, 1954;
    Th. Schieder, Das dt. Kaiserreich v. 1871 als Nationalstaat, 1961;
    BJ XIII (Tl. 1908, L).

  • Portraits

    in: Dt. Erde 5, 1906, S. 1.

  • Author

    Hans-Günter Zmarzlik
  • Citation

    Zmarzlik, Hans-Günter, "Hasse, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 39-40 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116514353.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA