Lebensdaten
1837 bis 1889
Geburtsort
Arnsberg (Westfalen)
Sterbeort
Berlin-Schöneberg
Beruf/Funktion
sozialistischer Politiker
Konfession
lutherisch?
Normdaten
GND: 119099411 | OGND | VIAF: 64056417
Namensvarianten
  • Hasenclever, Wilhelm
  • Hasenclever, W.

Orte

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Zitierweise

Hasenclever, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119099411.html [04.12.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Christoph (1784–1857), Lohgerber in A., S d. Fuhrmanns Matthias u. d. Gertraud Korthaus;
    M Helene (1803–74), T d. Landwirts Wilh. vom Dahl u. d. Anna Kath. Platzer;
    Berlin 1875 Maria Joh. Klara George;
    2 S (1 früh †), 1 T.

  • Leben

    H. besuchte das Gymnasium in Arnsberg bis zur Obersekunda, erlernte bei seinem Vater das Lohgerberhandwerk und leistete 1857 widerstrebend sein Militärdienstjahr als Einjährig-Freiwilliger ab. Danach wanderte er als Handwerksbursche durch Deutschland, Österreich, Oberitalien, die Schweiz und Südfrankreich. 1862-64 war er Redakteur der demokratischen „Westfälischen Volkszeitung“ in Hagen, nahm 1864 am Feldzug gegen Dänemark teil und trat, nachdem er sich zunehmend mit dem Sozialismus befaßt hatte, F. Lassalles „Allgemeinem Deutschen Arbeiterverein“ bei, dessen Kassierer er 1868 und dessen Präsident er 1871 nach dem Sturz von J. B. von Schweitzer wurde. – 1867-69 leitete er die Lohgerberei seiner verwitweten Schwester in Halver. 1869 gelangte er über eine Nachwahl in Duisburg in den Norddeutschen Reichstag und wurde zum Mitglied des Zollparlaments ernannt. 1870 wurde er Mitherausgeber des „Social-Demokrat“, des Parteiorgans, das unter ihm seinen Namen in „Neuer Social-Demokrat“ umwandelte. Auch an den „Socialpolitischen Blättern“ und dem „Agitator“ arbeitete er mit. Ende 1869 siedelte er nach Berlin über und verschaffte sich hier in kurzer Zeit eine führende Stellung in der sozialistischen Arbeiterbewegung.

    Als Abgeordnetor des Norddeutschen Reichstags nahm er als Landwehrmann am Kriege 1870/71 teil. Zwar stimmte H. im Juli 1870 im Reichstag für die Kriegsanleihe, im November jedoch gegen eine erneute Anleihe von 100 Millionen Talern, worauf die Gegenparteien des Wahlkreises Duisburg eine Ergebenheitsadresse an Wilhelm I. nach Versailles schickten. Auch die Annexion Elsaß-Lothringens lehnte H. ab. Nach 1873 gab er die „Socialpolitischen Blätter zur Unterhaltung und Belehrung der deutschen Arbeiter“ heraus. 1874 wurde er Reichstagsabgeordneter für Altona und wurde im Verlaufe der Sozialistenverfolgung wegen Beleidigung Bismarcks zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. 1875 betrieb er auf dem Kongreß in Gotha den Zusammenschluß der „Lassalleaner“ und der marxistischen „Eisenacher“ zur „Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands“, deren erster Vorsitzender er wurde. 1877 sowohl für Altona (nach Brümmer: Kiel) als auch für Berlin VI in den Reichstag gewählt, nahm er die Wahl für Berlin an. 1876-78 gab H. gemeinsam mit W. Liebknecht den „Vorwärts“ in Leipzig heraus, nachdem er 1876 das „Hamburg-Altonaer Volksblatt“ gegründet hatte. 1878 schuf H. zusammen mit Liebknecht und Bebel in Leipzig eine Zentralstelle zur Verteilung gesammelter Gelder an notleidende Arbeiter. 1879 wurde er abermals als Abgeordneter in den Reichstag, für Breslau (Ost), gewählt, 1884 zugleich für Breslau und Berlin. Er nahm das Mandat für Breslau an. 1887 wurde er schließlich mit über 30 000 Stimmen wieder für Berlin gewählt. – Nach dem Verbot des „Vorwärts“ 1871 war H. Vorstandsmitglied der Genossenschaftsbuchdruckerei in Leipzig geworden. 1881 auf Grund des sogenannten kleinen Belagerungszustandes aus Leipzig ausgewiesen, lebte er nacheinander in Würzen, Halle und in Dessau als Schriftsteller. Ende 1887 wurde er geisteskrank und in die Heilanstalt in Schöneberg bei Berlin verbracht, wo er starb.

    H. galt als gemäßigt, war ein guter Redner und schlagfertiger Debattierer. – Von ihm verfaßte Gedichte preisen die Forderungen nach Freiheit und Gleichheit und dienen der proletarischen Agitation. Obwohl von geringem dichterischem Wert, unterscheiden sie sich doch durch ihr echtes Pathos wohltuend von der epigonalen bürgerlichen Bildungslyrik seiner Zeit.

  • Werke

    Weitere W u. a. Liebe, Leben u. Kampf (Gedichte), 1876;
    Erlebtes, 1879;
    Rede d. Reichstagsabgeordneten üb. d. Holzzölle, 1883;
    Gedichte, 1893 (mit K. E. Frohme u. A. Lepp).

  • Literatur

    F. Mehring, Herr Tessendorf u. d. dt. Social-Demokratie, 1875;
    ders., Meine Rechtfertigung, 1903;
    ders., Gesch. d. dt. Socialdemokratie, 101921;
    Gustav Mayer, J. B. v. Schweitzer u. d. Soz.demokratie, 1909;
    E. Bernstein, Die Gesch. d. Berliner Arbeiterbewegung, 2 Bde., 1924;
    Der Kampf d. dt. Sozialdemokratie in d. Zeit d. Sozialistengesetzes 1878/90, hrsg. v. L. Stern, 1956;
    W. Schulte, Westfäl. Köpfe, 1963, S. 104-06 (L, P);
    C. Stegmann u. C. Hugo, Hdb. d. Socialismus, 1896;
    Brümmer (W);
    Internat. Hdwb. d. Gewerkschaftswesens I, 1931;
    F. Osterroth, Biogr. Lex. d. Sozialismus I, 1960 (P);
    M. Schwarz, MdR, Biogr. Hdb. d. dt. Reichstage, 1965, S. 338.

  • Autor/in

    Hans Wolfram von Hentig
  • Empfohlene Zitierweise

    Hentig, Hans Wolfram von, "Hasenclever, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 31 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119099411.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA