Lebensdaten
1865 bis 1924
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Historiker ; österreichischer Politiker
Konfession
katholischer Vater,konfessionslos
Normdaten
GND: 11907611X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hartmann, Ludo Moritz
  • Hartmann, Ludo
  • Hartmann, Ludo M.
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Hartmann, Ludo Moritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11907611X.html [20.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Moritz (s. 2);
    Wien 1893 Margarete (1869–1946), T d. Rudolf Chrobak ( 1910), Gynäkologe u. Geburtshelfer (s. NDB III);
    1 S, 1 T.

  • Leben

    H. studierte in Wien und Berlin Geschichte, Rechtsgeschichte und Nationalökonomie (O. Hirschfeld, L. von Brentano, H. Breßlau und vor allem Th. Mommsen). Nach seiner Promotion 1887 in Berlin (De exilio apud Romanos) ging er nach Rom, 1888 nach Straßburg (P. Scheffer-Boichorst), besuchte das Institut für Österreichische Geschichtsforschung in Wien (Th. von Sickel) und wurde 1889 Dozent für römische und mittelalterliche Geschichte in Wien (1918 außerordentlicher, 1922 ordentlicher Professor). Nachdem er ursprünglich die Erforschung der französischen Revolution als seine Lebensaufgabe angesehen hatte, wandte er sich der Zeit des Übergangs vom Altertum zum Mittelalter in Italien zu, wobei ihn sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeschichtliche Fragen besonders fesselten. Zahlreiche Editionen und Veröffentlichungen zur italienischen Geschichte, besonders auch zur byzantinischen Verwaltung, erwuchsen daraus, vor allem seine nicht vollendete Geschichte Italiens im Mittelalter (Band I-IV, 1, 1897-1918). Sie führt von der Zeit der Goten bis in den Anfang des 11. Jahrhunderts

    Schon sehr bald nach seiner Habilitation schloß sich H., ein Meister des Wortes, aus innerer Verpflichtung der Volksbildungsbewegung an. Er wurde Leiter der von der Universität eingesetzten Volksbildungskommission. 1900 entschloß er sich zur Gründung von Volkshochschulen in Wien (Volksheime genannt). Bei seinem Tode bestanden fünf mit mehr als 200 Lehrern und 12 000 ständigen Hörern in Österreich. Außerdem gehen auf ihn der Verein „Freie Schule“, die Frauenbildungs-Akademie „Athenäum“, ebenso auch die Salzburger Hochschulwochen und der Deutsche Hochschultag zurück. Aus dieser Tätigkeit heraus veröffentlichte er gemeinverständliche Abhandlungen wie „Der Untergang der antiken Welt“ (21910) und gab das Sammelwerk „Weltgeschichte in gemeinverständlichen Darstellungen“ (Band 1-7 und 10, 1919 ff.) heraus.

    Schon 1901 schloß sich H. der sozialdemokratischen Partei Österreichs an, ohne jedoch parteipolitisch besonders hervorzutreten. 1918 sorgte er, von V. Adler zum Archivbevollmächtigten für Österreich ernannt, für weitgehende Zugänglichmachung auch der Archivalien der jüngstvergangenen Zeit. Dezember 1918-November 1920 war er erster österreichischer Gesandter in Berlin. Er propagierte unter den deutschen Politikern den Anschlußgedanken und hatte großen Anteil an den deutsch-österreichischen Verhandlungen zum Anschlußprotokoll vom 2.3.1919. Als beratendes Mitglied des Staats- und Verfassungsausschusses in Weimar setzte er sich dafür ein, daß in der Verfassung die Möglichkeit des Anschlusses offen bleiben sollte und daß schwarz-rot-gold die Farben der deutschen Republik wurden. H. war Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung Österreichs und des Bundesrates.|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (Heidelberg, Bonn).

  • Werke

    Weitere W u. a. Unterss. z. Gesch. d. byzantin. Verwaltung in Italien, 1889;
    Gregorii I. Papae Registrum epistolarum V-VII, = I, 2, 1899;
    Tabularium Ecclesiae S. Mariae in via lata, 3 T., 1895-1913;
    Zur Wirtsch.gesch. Italiens, Analekten, 1904;
    Über hist. Entwicklung, 1905;
    Th. Mommsen, Biogr. Skizze, 1908;
    Christentum u. Sozialismus, 31916;
    100 J. ital. Gesch. 1815-1915, 1916;
    Gesch. Italiens v. Romulus bis Viktor Emanuel, 1924. - Mitbegr. u. -hrsg.: Zs. f. Soz.- u. Wirtsch.gesch. (1893, seit 1903 VSWG).

  • Literatur

    Otto Bauer, Die österr. Rev., 1923;
    ders. (nicht Stephan Bauer), in: NÖB III, 1926, S. 197-209 (L, P);
    St. Bauer, E. Stein u. a., in: VSWG 18, 1925, S. 312-39 (W-Verz.);
    W. Lenel, in: HZ 131, 1925, S. 571-74;
    O. H. Stowasser, in: MIÖG 41, 1926, S. 380-84;
    H. v. Paller, Der großdt. Gedanke, 1928;
    M. M. Ball, Post-War German-Austrian Relations, The Anschluß Movement, 1918–36, London 1934;
    A. Lhotsky, Gesch. d. Inst. f. österr. Gesch.forschung, = MIÖG Erg.bd. 17, 1954;
    P. Wentzcke, Die dt. Farben, 1955;
    ÖBL. – Ahnentafel in: Forschungen u. Mitt. d. österr. Inst. f. Geneal. 1, 1927, H. 2, S. 17 f.

  • Autor/in

    Hans Jürgen Rieckenberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Rieckenberg, Hans Jürgen, "Hartmann, Ludo Moritz" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 737 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11907611X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA