Lebensdaten
1758 – 1816
Geburtsort
Asparn/Zaya (Niederösterreich)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Baumeister ; Bleistiftfabrikant
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11894777X | OGND | VIAF: 62348049
Namensvarianten
  • Hardtmuth, Josef
  • Hardtmuth, Joseph
  • Hardmuth, Joseph
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Zitierweise

Hardtmuth, Josef, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11894777X.html [20.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Anton (1722–93), Tischlermeister, Schnitzer (Altäre), seit 1750 in A., S d. Schreiners Andreas in Kirchdorf b. Haag/Oberbayern u. d. Margaretha Eiber;
    M Theresia (1726–88), T d. Franz Maisl, Maurer u. Marktschreiber in A., u. d. Barbara Resch;
    Wien 1793 Elisabeth (1762–1828), Wwe d. fürstl. Liechtenstein. Mundkochs Karl Marchand, T d. fürstl. Liechtenstein. Kammerdieners Joseph Kissler;
    S Ludwig (1800–61), Inh. d. Fa., Karl Edler v. H. (österr. Adel 1873, 1804-81), verlegte 1848 d. Fabrik n. Budweis u. vergrößerte sie, Mitgl. d. Böhm. Landtages;
    E Franz Edler v. H. (1832-96), seit 1852 in d. Firma tätig, 1889 gelang ihm d. Entwicklung d., Koh-i-noor“, eines bes. Zeichenstifts, der statt d. bisherigen bei Bleistiften üblichen 6 Gradationen erstmalig 17 Härtestufen in genau festgelegter Härteskala hatte.

  • Biographie

    H. erhielt nur notdürftigen Dorfschulunterricht und kam 1771 zu seinem Onkel, dem Maurermeister F. Maisl nach Poysdorf in die Lehre. In seiner Freizeit übte er sein zeichnerisches Talent, seine Entwürfe wurden ihm von Töpfern als Muster für Ofenkacheln abgekauft. 1774, nach seiner Freisprechung als Maurer und Steinmetz, folgte er seinem Meister nach Wien, der hier als Stadtbaumeister und fürstlich Liechtensteinscher Baudirektor wirkte. Von H. stammte unter anderem der Fassadenentwurf des Liechtenstein-Palais in der Herrengasse (abgerissen) und das Parktor am Sommerpalais in der Fürstengasse. Nach seines Onkels Tod übernahm er dessen Stellung und führte große Bauaufträge auf den Liechtensteinschen Herrschaften in Adamsthal, Aussee, Feldsberg und Lundenburg durch, darunter die nach orientalischen Vorbildern entworfene Hansenburg in Eisgrub. Für den Bau der Tiergartenmauer in Lundenburg konstruierte er eine neue Ziegelpreßmaschine, die zu einem sonst allein für die Transportkosten aufgewendeten Preise die Umfriedung produzierte. Ein weiterer Maschinenentwurf war eine Malzdörre, die auf der Liechtensteinschen Ökonomie Verwendung fand. Seine Versuche mit Ton führten ihn zur Erfindung des „Wiener Steinguts“, das, fast so rein und widerstandsfähig wie Porzellan, aber aus gröberen Stoffen zusammengesetzt und mit bleifreier, glänzend brauner Glasur überzogen, sich vorzüglich zur Herstellung von Retorten, Abrauchschalen, Mörsern, Trichtern und sonstigem chemischem Laborgerät eignete. Diese Erfindung wurde zwar erst 1798 privilegiert, er hatte sich aber schon 1790 mit dem über genügendes Anfangskapital verfügenden Töpfermeister Winkler zur Gründung einer Steingut-Geschirrfabrik „Am Peter“ zusammengetan. Hier experimentierte H. auch mit der Erzeugung von Bleistiften, Schwarzkreide, Röteln und Steinplatten.

    Mit der Erfindung der keramischen Mine, H.s bedeutendster Schöpfung, wurde eine neue Epoche in der Geschichte der Schreibbehelfe eingeleitet, als die englischen Graphitlager von Borrowdale erschöpft waren. Statt der bis dahin zum Schreiben verwendeten reinen, später mit Schwefel oder Antimon vermischten Graphitstäbchen mischte er feingepulverten, aufgeschlemmten Graphit mit Ton, preßte dieses Gemenge durch einen Zylinder zur gewünschten Stärke, zerschnitt die Stäbchen in Bleistiftlänge und brannte sie getrocknet in luftdicht verschlossenen Kapseln aus feuerfestem Ton. Je nach Tonzusatz und Brenntemperatur erzielte er verschiedene Härtegrade der Minen, die im Unterschied zum bisher verwendeten natürlichen Graphit, der niemals ganz gleichmäßig hart ist, durchgängig den gleichen Härtegrad aufwiesen. Außerdem lieferte H. für den Preis eines englischen zwölf seiner Stifte, da er statt des teuren englischen Exportgraphits billige böhmische Graphitbruchstücke als Rohmaterial verwendete. Diese Erfindung bildet noch heute – gemeinsam mit einem von Conté in Paris unabhängig davon entwickelten ähnlichen Verfahren – die Basis der Bleistiftminenerzeugung. 1795 konnte sich H. vom Einfluß fremder Geldgeber und Gesellschafter freimachen und|verlegte die Fabrik auf den Alsergrund. Infolge des niedrigen Preises und der Ausschaltung Englands vom europäischen Markt durch die Kontinentalsperre nahm das Unternehmen einen gewaltigen Aufschwung. H. produzierte 1829 bereits 2,4 Millionen Bleistifte, die er zum Teil auch ins Ausland exportierte. Er erwarb noch viele weitere Patente: 1802 für die Fabrikation besonders haltbarer, gepreßter Quadersteine, 1808 für die Herstellung einer der chinesischen gleichwertigen Tusche, 1810 für die Herstellung künstlicher Bimssteine und die Fabrikation elastischer Schreibtafeln, die aus Pappe mit schieferähnlichem Überzug bestanden, sowie für ein ansprechendes und dauerhaftes Neapelgelb.

  • Literatur

    ADB X;
    J. Maurer, Gesch. d. Marktes Asparn a. d. Zaya, 1887;
    J. Slokar, Gesch. d. österr. Industrie u. ihrer Förderung unter Kaiser Franz I., 1914;
    I. Wodiczka, Zur Gesch. d. Firma L. u. C. Hardtmuth, 1934-38 (ungedr.);
    ders., Die Hardtmuths, in: Budweiser Ztg. Nr. 92 v. 21.11.1936;
    E. Kurzel-Runtscheiner, Erfindungen aus Österreich, 1950;
    Kulturberr. aus Niederösterreich v. 15.4.1955;
    Die keram. Bleistiftmine, Zum 200. Geb.tag v. J. H., in: Bll. f. Technikgesch. 20, 1958, S. 43-52 (P);
    J. Mentschl, Österr. Wirtsch.pioniere, 1959, S. 15-19;
    Wurzbach VII;
    ThB;
    ÖBL (L).

  • Autor/in

    Gustav Otruba
  • Zitierweise

    Otruba, Gustav, "Hardtmuth, Josef" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 669-670 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11894777X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Hardtmuth: Joseph H., Architekt und Begründer der Bleistiftfabrikation in Oesterreich, geboren zu Aspern an der Zaya in Niederösterreich am 20. Febr. 1752, gestorben am 23. Mai 1816 zu Wien. H. kam 1768 nach Wien zum Stadtbaumeister Meifl, wo er Architektur studirte, und unter dessen Leitung das Palais Liechtenstein erbaute; während des Baues starb aber Meisl und H. trat an dessen Stelle als leitender Architekt. — Er führte auch den orientalischen Thurm in Schlosse Eisgrub aus; nachdem er noch geraume Zeit in fürstlich Liechtenstein’schen Diensten als Baudirector thätig war, gründete er 1798 die bekannte Steingutfabrik und 1804 die Bleistiftfabrik, welche beide Fabriken rasch emporblühten, einen sehr bedeutenden Export nach allen Ländern hatten und noch heute zu den größten Fabriken Oesterreichs zählen.

    • Literatur

      Gräffer, National-Encyklopädie, Bd. 2. Wurzbach's Lexikon.

  • Autor/in

    K, á, bdebo.
  • Zitierweise

    Kábdebo, Heinrich, "Hardtmuth, Josef" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 597 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11894777X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA