Lebensdaten
um 1530 bis 1601
Beruf/Funktion
jülich-bergischer Vizekanzler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117495409 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hardenrath, Johann

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Aus dem Register von NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Hardenrath, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117495409.html [26.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus stadtköln. Patriziergeschl., urspr. aus Hameln/Weser;
    V Johann, S d. Johann, Stallmeister bei Kaiser Karl V., u. d. Agnes v. Merl;
    M Plectrudis, T d. Everard Suderman, Patrizier in Köln, u. d. Sophia Rinck;
    Om Hermann Suderman ( 1572), Bgm. v. Köln;
    Halb-B (aus d. Vaters 2. Ehe mit Christine v. Lyskirchen) Johann ( 1630), 16mal Bgm. v. Köln, verstand es, die Stadt aus den Wirren d. 30j. Kriegs herauszuhalten (s. ADB X);
    - Anna ( 1626), T d. Gottfr. Gropper (1507–71), Prof. d. Rechte in Köln (s. NDB VII*) u. d. Katharina Strauch-Blitterswich;
    6 S, 2 T, u. a. Johann, jül.-berg. Rat, Herrmann, Propst zu Münstereifel;
    N Anna Christina ( Jost Maxim.|Gf. v. Bronckhorst u. Gronsfeld, 1662, bayer. Heerführer, s. NDB VII);
    E Adelheid ( Ludw. Joh. v. Iven, Senator v. Köln).

  • Leben

    H. studierte 1545 in Köln, Poitiers, Toulouse, Ingolstadt, Padua und Bologna, erwarb den Grad eines Dr. iur. und wurde Assessor beim Reichskammergericht in Speyer. 1572 trat er als Rat in den Dienst Herzog Wilhelms des Reichen von Jülich-Kleve-Berg und wurde 1580 zum Vizekanzler befördert. In den Streitigkeiten um die Regentschaft in den Herzogtümern nach dem Ausbruch des Wahnsinns bei dem Erbprinzen Johann Wilhelm gehörte er mit dem bergischen Marschall Wilhelm von Waldenburg genannt Schenkern und dem Hofmeister Johann von Ossenbroich zu den führenden katholischen Räten, die ihren Rückhalt beim Kaiser und bei Spanien suchten. Sein persönlicher Anteil an dieser Politik ist nicht zu ermitteln. Gegen sie arbeiteten die Stände, in denen sich starke reformatorische Tendenzen regten, und die streng katholische Herzogin Jakobe, die Gemahlin Johann Wilhelms, die selbst an der Regierung beteiligt sein wollte. 1591 zum ersten Male von der Herzogin abgesetzt und nach kurzer Zeit wieder berufen, schied er nach der 2. Absetzung 1593 endgültig aus dem politischen Leben aus.

  • Literatur

    ADB X;
    H. Keussen, Die Matrikel d. Univ. Köln II, 1919, S. 993.

  • Autor/in

    Erich Wisplinghoff
  • Empfohlene Zitierweise

    Wisplinghoff, Erich, "Hardenrath, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 663 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117495409.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hardenrath: Johann H. ( 1602) sen. und Johann H. ( 1630) jun. Diese Brüder gehören einer aus Hameln an der Weser nach Köln übergesiedelten, auch begüterten Kaufmannsfamilie an, welche ihren Stolz darein setzte, an der Erhaltung der Stadt Köln für den katholischen Glauben kräftig mitgewirkt zu haben. Der ältere Johann trat nach Absolvirung seiner juristischen Studien in den Dienst des Herzogs von Jülich und rückte bald zum jülich'schen Kanzler auf. Er versah das Kanzleramt in einer Zeit, in welcher wegen Geistesschwäche des Herzogs Wilhelm, sowie seines Sohnes Johann Wilhelm die Geschicke des jülich'schen Landes lediglich von den herzoglichen Räthen geleitet wurden. Mit Schenkern und Ossenbroich bildete er das herrschende Triumvirat, welches sich alle Mühe gab, der Gemahlin Johann Wilhelms, Jakobe von Baden, jede Theilnahme an der Regierung des Landes zu wehren. Mit besonderer Geschäftigkeit förderte H. die Interessen der Spanier, welche damals zum Verderben der niederrheinischen Gebiete festen Fuß in einzelnen Plätzen des clevischen, jülich'schen und kölnischen Gebietes gefaßt hatten. Die Stände, welche das Land gerne von den fremden Kriegsschaaren befreit gesehen hätten, haßten den Vicekanzler wegen seiner Freundschaft mit Spanien aufs tiefste. Auf dem Landtage von 1591 verlangten sie energisch, daß er seines Amtes enthoben werde. Wirklich wurde H. von Jakobe seiner Stelle entsetzt, aber nach wenigen Monaten sah Jakobe sich gezwungen, ihre Zustimmung zur Wiedereinsetzung Hardenrath's zu ertheilen. H. glaubte sich nur dann gegen weitere Anfeindungen sicher, wenn es ihm gelang, den Kaiser zur Ernennung eines jülich'schen Statthalters zu bestimmen. Der Kaiser ging auf dieses Ansuchen nicht ein. Jakobe's Macht war mittlerweile so gestiegen, daß sie es wagen durfte, H. aufs neue seines Amtes zu entheben, 1593. Von jetzt ab hielt sich H. von den jülich'schen Angelegenheiten ferne, und er hat keinen Theil an der schrecklichen Katastrophe, welche dem Leben der Herzogin Jakobe gewaltsam ein Ende machte. Er starb im J. 1602. — Sein jüngerer Bruder Johann wurde 1583 in den Rath gewählt. Hier zeichnete er sich so aus, daß man ihn im folgenden Jahre durch den Bürgermeisterstab ehrte. Sechszehn Mal wurde er in der Wiederkehr des dreijährigen Turnus wieder gewählt. Im J. 1630 starb er. Er stand an der Spitze der Stadt in einer wildbewegten Zeit, und wol bedurfte es eines ganzen Mannes, um das städtische Gemeinwesen vor vollständigem Ruin zu retten. Während der niederländisch-spanischen Wirren richtete er sein Hauptaugenmerk darauf, der Stadt Köln die Neutralität zu wahren. Auch im jülich'schen Erbfolgestreit verstand er es, seine Vaterstadt von der unmittelbaren Betheiligung an dem Kampfe entfernt zu halten. Seinem Einflusse hauptsächlich ist es zuzuschreiben, daß Köln den Anschluß an die katholische Liga verweigerte. Confesfionell gehörte er zu den strengen, unduldsamen Katholiken, welche alles aufboten, um dem Protestantismus die Thore der Stadt Köln zu sperren. Er war es hauptsächlich, der die strengen Maßnahmen des Rathes gegen die Kölner Protestanten und gegen die Besucher des reformirten Gottesdienstes in Mülheim veranlaßte und vertheidigte. Neben dem Pfarrer Caspar Ulenberg galt H. als der unversöhnlichste Gegner der neuen kirchlichen Grundsätze. Bis zum Zusammenbruch der reichsstädtischen Verfassung galt H. als ein wahres Ideal eines ächten Kölner Bürgermeisters.

    • Literatur

      Crombach, Annales eccl. Metrop. Col.Dr. Stieve, Geschichte der Herzogin Jakobe von Jülich. — Acten im Kölner Stadtarchiv.

  • Autor/in

    Ennen.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ennen, Leonhard, "Hardenrath, Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 590-591 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117495409.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA