Lebensdaten
1842 – 1913
Geburtsort
Kollerschlag (Oberösterreich)
Sterbeort
Linz
Beruf/Funktion
österreichischer Mundartdichter ; Geistlicher ; Mundartschriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 129185108 | OGND | VIAF: 6004608
Namensvarianten
  • Hanrieder, Norbert

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Zitierweise

Hanrieder, Norbert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129185108.html [19.05.2022].

CC0

  • Genealogie

    V Josef Anton, Wundarzt, aus Donauwörth zugewandert;
    M Franziska Ecker, Bauers-T aus Julbach/Oberösterreich.

  • Biographische Darstellung

    Musikalische Begabung und außergewöhnliche Stimme führen H. als Knaben aus dem völlig ländlichen Bereich seiner Heimat heraus. 1851-55 ist er Sängerknabe im Zisterzienserstift Wilhering, 1855-63 Gymnasiast in Linz. Germanistik und Theologie locken den Abiturienten; erst nach langen inneren Kämpfen findet er im Priesterseminar (1863–67) Klarheit. – Als Kaplan in Losenstein (1867–69), Peilstein (1869–73) und Sarleinsbach (1873) begegnet H. den Zeitströmungen, die damals auf das Land vordringen; besonders vom Liberalismus und von der Freimaurerei fühlt er sich herausgefordert. Als Pfarrer und schließlich als Dechant in Putzleinsdorf (1874–1913) lernt der nun endgültig in die bäuerliche Welt Heimgekehrte Reichtum und Eigenart des Landvolkes schätzen und verteidigen. In Wort und Schrift stellt er sich den ihm verderblich erscheinenden Kräften entgegen, übt ohne Furcht auch Kritik an den Fehlern seines konservativen Lagers und hilft in sozialen und wirtschaftlichen Nöten zum Beispiel bei der Mechanisierung der Landwirtschaft, beim Bau der Mühlkreisbahn und der Ameisbergwarte.

    Nach den Liebesgedichten des Gymnasiasten und nach der kritischen Lyrik der Selbstfindung des Seminaristen (bisher unveröffentlichte Sammlungen: „Gärung“, „Klärung“) treten soziale und weltanschauliche Probleme in den Vordergrund. In einem Dutzend Erzählungen – die bedeutendste ist der „Besuch des Teufels in Krähwinkel“ –, die in Zeitungen und Kalendern erscheinen, wendet sich der Seelsorger belehrend gegen den Liberalismus und gegen die inneren Schwächen des Landvolkes. Um besser verstanden zu werden, bedient er sich in seinen „Bildern aus dem Volksleben“ mehr und mehr der Mundart. Eine reiche Schwankdichtung folgt und findet großen Anklang; von mehreren Zyklen haben die „Mühlviertler Máhrl“ (1895) ihrer originellen Komposition und ihres lyrischen Gehaltes wegen dauernden Wert. 1907 erscheint nach 2 Umarbeitungen sein Hauptwerk, das Mundart-Epos „Der oberösterreichische Bauernkriag“ (²1923). In vielen Partien, besonders in den Liedern, erhebt sich das angestrebte getreue Geschichtsbild zum klangvollen Kunstwerk. Während seine hochdeutschen und mundartlichen dramatischen Versuche am lehrhaften Ton leiden, verdient das spätere hochdeutsche lyrische Schaffen wieder Beachtung: Die geistvollen und kritischen Epigramme über Menschen, Dichter und Gegebenheiten seiner Zeit tragen den Stempel des Originals, das seine oft eigenwillige Überzeugung nach allen Seiten hin verteidigt. Sie geben Einblick in die geistige Situation der untergehenden Monarchie und die sie zerstörenden Kräfte. Stoff und Sprache setzen seinem Werk engere Grenzen als den Dichtungen seines Landsmannes Stelzhamer (1897 und 1899 von H. herausgegeben), der tiefer in die Allgemeingültigkeit vordringt, dem H. jedoch als bedeutender oberösterreichsicher Mundartdichter im Rang unmittelbar folgt.

  • Werke

    Weitere W u. a . Bilder aus d. Volksleben d. Mühlviertels, 1895;
    Mundartl. Dichtungen a. d. Nachlaß, hrsg. v. F. Berger u. L. Mayrhofer, 1935.

  • Literatur

    G. Prader, N. H. in s. Dichtungen, 1912 (W, L);
    A. Sonnleitner, N. H., Diss. Innsbruck 1948;
    Kosch, Lit.-Lex. (W, L).

  • Autor/in

    Alois Sonnleitner
  • Zitierweise

    Sonnleitner, Alois, "Hanrieder, Norbert" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 623 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129185108.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA