Lebensdaten
um 1574 – 1627
Geburtsort
Köslin
Sterbeort
Danzig
Beruf/Funktion
Kapellmeister ; Komponist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 120560720 | OGND | VIAF: 34643345
Namensvarianten
  • Hakenberger, Andreas
  • Hackenberger, Andreas
  • Hakenberger, Andrzej

Orte

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Zitierweise

Hakenberger, Andreas, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120560720.html [01.07.2022].

CC0

  • Genealogie

    1) N. N. ( 1612), 2) N. N. ( 1625), 3) Danzig 31.1.1627 Dorothea Bochinsky.

  • Biographische Darstellung

    Über H.s Jugend und musikalische Ausbildung ist nichts bekannt. Von 1602 bis 1607/08 wirkte er als Sänger und Lautenist in der Hofkapelle Sigismunds III. von Polen. Nachdem H. sich zweimal um die Nachfolge N. Zangius' als Kapellmeister an Sankt Marien in Danzig beworben hatte, wurde ihm dieses Amt 1608 übertragen. Anfang 1627 trat K. Försterder Ältere die Nachfolge an. Wenn der Danziger Rat zwei evangelische Bewerber zugunsten des Katholiken H. abwies, so geschah es vermutlich einmal deswegen, weil an den evangelischen Kirchen des unter polnischem Protektorat stehenden Stadtstaates damals noch der katholische Ritus weitgehend gültig war. Zum anderen entsprachen wohl die 6- bis 12stimmigen geistlichen Vokalwerke H.s mehr dem Bedürfnis nach Repräsentation als die Kompositionen seiner Mitbewerber. 1614 konnte H. die Ratskapelle auf den ansehnlichen Stand von 14 Sängern und 11 Instrumentisten bringen. Damit waren die Voraussetzungen für die Aufführung seiner großbesetzten Kirchenwerke erfüllt, die kurz darauf im Druck erschienen. Daß ihnen, ebenso wie den geringstimmigen geistlichen Vokalkompositionen H.s, nur lateinische Texte zugrundeliegen, ist keineswegs außergewöhnlich. Es zeugt jedoch von der in Danzig herrschenden konfessionellen Weitherzigkeit, wenn hier und dort so gut wie alle spezifisch protestantischen Züge fehlen. In der „Harmonia sacra“ (1617), einem seiner bedeutendsten Werke, verwendet H. erstmals den Generalbaß; in den beiden später erschienenen Tricinien-Sammlungen verzichtet er jedoch auf diese Neuerung. Den Schritt zum Kleinen geistlichen Konzert hat H. also noch nicht getan. Seine „Newen Deutschen Gesänge“ (5- und 8stimmig, 1610) sind ein wichtiger Beitrag zum madrigalischen weltlichen Lied.

  • Werke

    Weitere W Sacri modulorum concentus, 8stg., 1615, ²1616, ³1619;
    Harmonia Sacra, 6-12stg. u. Bc., 1617;
    Odae sacrae, 3stg., 1619;
    Odaria suavissima, 3stg., 1628;
    Motetten u. Messen in Hss.

  • Literatur

    ADB X;
    H. Rauschning, Gesch. d. Musik u. Musikpflege in Danzig, 1931;
    K. Gudewill, in: MGG V, Sp. 1339 f. (W, L);
    Altpreuß. Biogr.

  • Autor/in

    Kurt Gudewill
  • Zitierweise

    Gudewill, Kurt, "Hakenberger, Andreas" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 528-529 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120560720.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographische Darstellung

    Hakenberger: Andreas H. aus Pommern war in den J. 1610—28, Jahreszahlen, die sich aus seinen Drucken ergeben, Capellmeister an der Marienkirche in Danzig und hat eine Reihe Kirchengesänge herausgegeben, die ihn unter die ersten Meister seiner Zeit stellen. Er gehörte nicht zu denen, welche den neueren Bestrebungen huldigten, wie sie sich um diese Zeit in Italien zeigten und von den Deutschen eifrig nachgeahmt wurden. Vielleicht ein Schüler seines Vorgängers Johann Wanning, von dem wir ebenfalls mehrere Kirchengesänge besitzen (1580—90), schließt er sich diesem, wie überhaupt der Richtung, welche das Ende des 16. Jahrhunderts beherrschte, ganz und ebenbürtig an und läßt sich weder auf einen Bassus generalis noch auf die dürren „Concerti a 2 voci col Basso continuo“ ein, welche um damalige Zeit wie Pilze aus der Erde aufschossen, das ganze 17. neben einem Theile des 18. Jahrhunderts verwässerten und die Musik in Verfall brachten. Der lange und weite Umweg war allerdings nothwendig, um die Musik von der Einseitigkeit zu erlösen, in der sie durch die ausschließliche Herrschaft der Kirche bis zum Ende des 16. Jahrhunderts befangen war. Haßler, Lassus, Palestrina und viele Andere haben in dieser Einseitigkeit das Höchste geleistet, was in der Richtung zu erreichen war und den Epigonen blieb nichts übrig als nachahmen oder andere Wege suchen. Den Italienern gelang es, wenn auch auf weitem Umwege, die Musik von der Alleinherrschaft der Kirche zu befreien und ihr das ergiebige Feld des Sologesanges und der Instrumentalmusik zu eröffnen. Schrittweise mußte der Kampfplatz erobert werden und die Meister des 17. Jahrhunderts begannen wie von vorn an zu bilden. Ihre Musik betrat wieder die Wege der Kindheit, jedoch in anderer Richtung, in der sie endlich nach einem zweihundert Jahre langen Zeitraume das Höchste erreichte. H. bleibt unberührt von der Umwälzung, und mit treuem Glauben hält er fest an den Formen seiner Vorgänger. Drei Sammlungen geistliche Kirchengesänge zu 3—12 Stimmen, darunter viele Motetten und eine Sammlung deutsche weltliche Lieder liegen uns vor, die in Danzig, Frankfurt und Stettin erschienen und auf der königl. Bibliothek in Berlin aufbewahrt werden.

  • Autor/in

    Eitner.
  • Zitierweise

    Eitner, Robert, "Hakenberger, Andreas" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 397 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120560720.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA