Lebensdaten
1750 bis 1803
Geburtsort
Riga
Sterbeort
Riga
Beruf/Funktion
Baumeister
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 131812815 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Haberland, Christoph
  • Chaberland, Kristof
  • Haberlandt, Christoph

Orte

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Zitierweise

Haberland, Christoph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd131812815.html [20.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Andreas ( 1788), Maurermeister, aus Annaberg/Erzgeb. n. R. eingewandert;
    M Christina, T d. aus Annaberg eingewanderten Maurermeisters Christoph Meinert, 1730-54 Stadt- u. Werkmeister in R.;
    Riga 1784 Gertruda Regina, T d. Joh. Dav. Moritz, Ältester d. Kleinen Gilde in R., u. d. Gertruda Drauchenhauer;
    4 K.

  • Leben

    Nach Maurerlehre bei seinem Vater und bei Johann Peter Leicht und achtjähriger Wanderzeit (bis 1777) in Deutschland (Dresden, wo vermutlich Friedrich August Krubsacius sein Lehrer war, und wohl auch Berlin) erhielt H. 1778 Meisterwürde und Bürgerrecht in Riga. Noch im gleichen Jahr reichte er einen Plan zum|Ausbau des Ostflügels des Dom-Kreuzgangs zur Stadtbibliothek ein, bekam auch den Auftrag und wurde zum Adjunkten des Stadtbau- und Werkmeisters Johann Peter Leicht ernannt, dessen Amt er 1789 selbst übernahm. Während seiner Tätigkeit für die Stadt baute H. unter anderem die Festungskirche in Dünamünde (1786), stockte das Rathaus auf, erneuerte dessen Turm, baute das Gefängnis zu einem Kanzleigebäude um und errichtete ein neues Gefängnis sowie ein Haus für Scheintote. Daneben war er für das Fortifikationswesen und den Brandschutz verantwortlich, auch als Taxator wurde er verpflichtet. Alle diese Ämter versah er später recht nachlässig, stellte seine städtischen Pflichten hinter seine Bautätigkeit für Private und seine Geschäfte als Ältester der Kleinen Gilde zurück, so daß ihn die Stadt nach zahlreichen Ermahnungen, Prozessen und Maßregelungen 1796 aus seinen Ämtern entließ.

    Als Baumeister für Private war H. wegen seiner Einflußmöglichkeiten, die er kraft seines städtischen Amtes hatte, sehr geschätzt. Er führte circa 44 private Aufträge aus, darunter zahlreiche Bürgerhäuser mit festlicher, jedoch unausgewogener Innenausstattung, bei der er spätbarocke Elemente nicht stets mit klassizistischen in Einklang zu bringen wußte (unter anderem 1788 sein 2. eigenes, reich ausgestattetes Wohnhaus). Er baute das „Komödienhaus“ für Otto Hermann von Vietinghoff (das erste Theater in Riga), die Sankt Johanniskirche in Walk (seit 1787), die Rundkirche in Katlekaln (1791–94) und das Gouverneurspalais (um 1800). Er lieferte auch den Entwurf der in Livorno von Giovanni Baratta gefertigten barock-klassizistischen Marmorkanzel für die Sankt Petrikirche in Riga und leitete 1793 ihren Einbau.

    H. vermittelte mit seinen Bauten den Übergangsstil von barocker zu klassizistischer Bauweise, der sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts im Westen Europas auszubilden begonnen hatte, nach Riga und blieb dessen bester Vertreter im Baltikum. Trotz seiner Verstöße gegen manche Kunstregeln in Grundriß und Raumgestaltung erzielte er individuelle künstlerische Wirkungen und bewies auch bei schwierigen Grundstücksverhältnissen konstruktives Geschick.

  • Werke

    Weitere W u. a. Peter-Paul-Zitadellen-Kirche in Riga (nach Entwurf v. P. A. Trezzini in Petersburg), 1778-86;
    Kirchengebäude in Marienburg/Livland f. O. H. v. Vietinghoff, 1781-88;
    Speisesaal im Hause d. Schwarz-Häupter in Riga nebst Wirtsch.räumen, Kastellanwohnung u. seit lichem mit e. Portal versehenem Zugang z. Rathaus, 1792/93;
    Herrenhaus zu Zarnikau, 1801/02.

  • Literatur

    A. Poelchau, Die Marmorkanzel d. St.-Petri-Kirche Riga, 1894;
    H. Pirang, in: Jb. f. bildende Kunst i. d. Ostseeprovinzen 4, 1910, S. 5-12;
    ders., Das balt. Herrenhaus, 1928;
    O. Gerich, Ch. H. u. s. Bauten, 1928 (L);
    P. Campe, Lex. Liv- u. Kurländ. Baumeister, Bauhandwerker u. Baugestalter v. 1400-1850, Bd. 1, Stockholm 1951, S. 323-27 (w-Verz.), Bd. 2, ebd. 1957;
    ders., Architekton. Gestaltung d. Innenräume im Wohnhausbau Rigas (ungedr. Ms. im Nachlaß P. Campe, Herder-Institut Marburg/Lahn);
    ders., Die Zeit d. Klassizismus (ungedr. Ms. ebd.);
    H. Pönicke, Stud. z. Wanderung sächs.-thüring. Handwerker i. d. balt. Provinzen im 18. u. 19. Jh., 1964;
    ThB.

  • Autor/in

    Herbert Pönicke
  • Empfohlene Zitierweise

    Pönicke, Herbert, "Haberland, Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 391 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd131812815.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA