Lebensdaten
1840 bis 1925
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Bankier
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 129003972 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gutmann, Eugen

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Zitierweise

Gutmann, Eugen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129003972.html [19.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Bernhard (1815–94), Bürger u. Bankier in D.;
    M Marie Lederer (1813–89), aus Lipochowitz/Böhmen;
    1) Berlin 1873 (⚮) Sophie (1852–1915, ev., 2] G. Conte Sciamplicotti), T d. Kaufm. u. Rittergutsbes. Hermann Magnus (1825–1902), auf Gorsen, u. d. Henrietta Winterfeld, 2) Deutsch-Amerikanerin ( vor 1914);
    4 S, 2 T aus 1), u. a. Walther (1877–1917), Bankdir., Herbert (1879–1942), Bankier, seit 1910 Vorstandsmitgl. d. Dresdner Bank, deren verantwortl. Leitung er nach d. Ausscheiden s. V f. etwa 2 Jahrzehnte übernahm, Mitbegr. u. Präs. d. Dt. Orientbank, die dem dt. Überseehandel fördernd z. Seite stand, Präs. d. Dt. Golfverbandes, Freund G. Stresemanns, 1936 aus Dtld. emigriert (s. L), Fritz (1886–1943), Bankier, Inh. d. Bankhauses Proehl u. Gutmann in Amsterdam (s. Wenzel), Lilli ( 1] Major Adolf Frhr. v. Holzing-Berstett, 1909, 2] Luca Orsini-Baroni, * 1871, ital. Diplomat [Brüssel, Ankara, Berlin]), Antonie (* 1] Hans Schuster-Burckhardt, Bankdir. in Basel, 2] 1916 F. Baron v. Essen, 1922, schwed. Gesandter in Berlin);
    E Marion Schuster (* Albert Frhr. v. Goldschmidt-Rothschild, * 1879, Bankier, s. Rhdb.).

  • Leben

    Seine Banktätigkeit begann G. als Lehrling in Dresden im Hause Günther & Palmié, der späteren Allgemeinen Deutschen Credit-Anstalt. Vorübergehende Holzgeschäfte in Budapest entsprachen nicht seinen Erwartungen, und er kehrte nach Dresden zurück, wo er 1872 die Dresdner Bank gründete, indem er die ihm befreundeten Barone Karl und Felix von Kaskel veranlaßte, ihr altrenommiertes Privatbankhaus in eine AG umzuwandeln. Auf dieser Grundlage überwand G. die Schwierigkeiten, in die die Bank 1872 infolge des „Wiener Krachs“ geriet. Er sanierte die Bank, indem er 1873 das Kapital von 9,6 auf 3,2 Millionen Mark verminderte. Es gelang ihm, mit seiner Bank festen Fuß im sächsischen Wirtschaftsleben zu fassen und auch internationale Beziehungen, insbesondere in Österreich, anzuknüpfen. Er errichtete 1881 eine Berliner Niederlassung, deren Geschäftsumfang bald derart wuchs, daß sie 1884 der Hauptsitz der Firma wurde. Hier fand G. das ihm zusagende Feld und schuf aus dem kleinen Provinzinstitut eine Großbank von Weltgeltung. Als einer der ersten deutschen Bankdirektoren ergriff er den Gedanken eines Ausbaues der Bankorganisation durch Schaffung eines großen Filialnetzes. Von ihm stammte der Ausspruch, daß auch der kleinste Beamte, ja, jedes Dienstmädchen ein Depositenkonto haben müsse. Eine Anzahl führender deutscher Aktiengesellschaften, deren Aufsichtsrat er als Vorsitzender oder als Mitglied angehörte, förderte seine Bank in ihrer Entwicklung, unter anderem der Loewe-Konzern, die Gelsenkirchener Bergwerks AG und die Deutsche Orientbank AG. Durch die Übernahme der Deutschen Genossenschaftsbank um die Jahrhundertwende wurde die Dresdner Bank die Zentralstelle der dem Kreditbedürfnis des gewerblichen Mittelstandes dienenden Schultze-Delitzschschen Genossenschaften und setzte sich damit an die Spitze der Giroverkehr betreibenden Kreditanstalten. Einen Höhepunkt unter G. erlangte die Dresdner Bank 1904 durch einen Vertrag mit dem preußischen Staat wegen Ankaufs von Hibernia-Aktien und durch Bildung einer Interessengemeinschaft mit dem A. Schaaffhausenschen Bankverein, die Verschmelzung mit der Deutschen Genossenschaftsbank von Soergel, Parrisius & Co. in Berlin und Frankfurt a. M. und durch die Übernahme des Frankfurter Bankhauses Erlanger & Söhne. 1905 trat G. als Mitgründer der Deutschen Orientbank und der Deutsch-Südamerikanischen Bank auf. Er wurde 1920 Ehrenpräsident der Dresdner Bank, nachdem er ihre Geschicke seit 1872 an erster Stelle geleitet hatte. – G. war ein Mann der Praxis, der für theoretische Arbeiten wenig Verständnis hatte. Er wird als eine Persönlichkeit voller Ideen charakterisiert, die sich manchmal durch ihr Temperament zu weit fortreißen ließ, aber doch der aufbauenden Kraft nicht ermangelte. – Als leidenschaftlicher Kunstsammler besaß G. eine der größten Silber- und Kleinodiensammlungen, die sich durch einige einzigartige Stücke auszeichnete. Ein Teil der Sammlung ging nach seinem Tod in Morganschen Besitz über.|

  • Auszeichnungen

    GKR, ital. Konsul.

  • Literatur

    25 J. Dresdner Bank, hrsg. v. d. Direktion d. Dresdner Bank anläßlich d. 25j. Bestehens 1872–97, [1897];
    R. Martin, Jb. d. Vermögens u. Einkommens d. Millionäre in Berlin, 1913;
    G. Obst, in: Zs. f. Handelswiss. u. Handelspraxis 17, 1924, Beibl. Nr. 4, S. 25-28 (P);
    F. Pinner, Dt. Wirtsch.-führer, 1925, S. 188;
    H. Nathan, in: Bank-Archiv 1 v. 1.10.1925;
    F. Jüdell, Dresdner Bank, ihre Entwicklung von 1872-1914, 1929;
    K. Pritzkoleit, Bosse, Banken, Börsen, 1954;
    H. Schnee, Die Hoffinanz u. d. moderne Staat II, 1954;
    G. Herlitz u. B. Kirsdmer (Hrsg.), Jüd. Lex. II, 1928. - Zu S Herbert: M. Palyi u. P. Quittner, Enzyklopäd. Lex. f. d. Geld-, Bank- u. Börsenwesen II, 1957;
    Rhdb. (P);
    Wenzel.

  • Portraits

    Gem. v. F. Lenbach, 1897, Abb. in: Berlin im Welthandel d. XX. Jh., 1910.

  • Autor/in

    Hans-Henning Zabel
  • Empfohlene Zitierweise

    Zabel, Hans-Henning, "Gutmann, Eugen" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 347 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129003972.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA