• Genealogie

    Aus Vorarlberger Bauhandwerkerfam.;
    V Jacob, Handwerker (wahrsch. Zimmermeister);
    M Agathe N. N.;
    Marktsteinach b. Schweinfurt 1.6.1699 Anna Dor. (1675–1747), T d. Joh. Adam Füsser in Kreuzthal;
    5 S, 5 T, u. a. Joh. Leonhard (* 1711), seit 1756 als Zimmergeselle in W. tätig.

  • Leben

    Mit G. setzt sich nach dem 30jährigen Kriege im Hochstift Würzburg, wo bislang das Bauwesen in den Händen welscher Architekten lag, erstmals ein deutscher Meister von überlokaler Bedeutung durch. Seit Beginn der 1690er Jahre ist er in Würzburg als Polier des dortigen Stadtzimmermeisters Adam Nick nachzuweisen. Über seine Eltern und die frühere Ausbildung fehlen dagegen Nachrichten. Seine Mitarbeit an der Wallfahrtskirche Schönenberg bei Ellwangen ab 1682 unter Michael und Christian Thumb wird vermutet. 1698 erwirbt er als Stadtzimmermeister das Würzburger Bürgerrecht und erscheint zwei Jahre später urkundlich bereits als Baumeister. Bis zu diesem Zeitpunkt führte er ausschließlich teils recht komplizierte Zimmererarbeiten aus, wie zum Beispiel nach eigenen Entwürfen die Turmhaube der Universitäts-(Neubau-)kirche zu Würzburg. 1707 wird er Stadtgeschworener und 1715 Oberratsassessor in Würzburg.

    Für den mainfränkischen Sakralbau gelten G.s einschiffige Landkirchen mit Fassadenturm (Gereuth Kreis Ebern und Friesenhausen Kreis Hofheim, beide 1714 begonnen) als Leitmotiv bis zum Spätrokoko. Repräsentativ hat G. diesen Typ in der 1809 abgebrochenen Benediktiner-Abteikirche zu Obertheres Kreis Haßfurt (1716–21) aufgenommen, während er zuvor beim Neubau der Stiftskirche Großkomburg/Württemberg (1707–15) auf mittelalterlichen Fundamenten eine dreischiffige Hallenkirche errichtet hat. Beim Umbau der Würzburger Neumünsterkirche setzte er seit 1711 an die Stelle des ruinösen, romanischen Westchores einen oktogonalen Kuppelbau, an den Kaspar Moosbruggers Riß für die Benediktiner- Abteikirche zu Sankt Gallen von 1721 anklingt. Den Entwurf für die kraftvoll-kurvierte Fassade lieferte aber 1716 Johann Dientzenhofer aus Bamberg. G.s Fassadenstil offenbart sich nämlich durch Aneinanderfügen kleinlich durchgebildeter Bauglieder, die deutlich auf seine handwerkliche Herkunft weisen und wie in Werkstein übersetzte Schreinerprofile wirken, am eindeutigsten an der Westfassade der Sankt Peterskirche zu Würzburg von 1717-20. – Als Klosterbaumeister gab G. ab 1716 den bereits 1687 nach Plänen von Leonhard Dientzenhofer begonnenen Abteigebäuden der Zisterzienser zu Ebrach im Steigerwald die großzügige Ehrenhofanlage, die er ab 1717 in vergrößertem Maßstab für die Benediktiner in Münsterschwarzach am Main wiederholte. – Trotz des Fehlens einer kraftvollen architektonischen Komposition bestimmen seine vielen Bauten, vor allem im 2. Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts, wo er sich als führender Meister im Hochstift Würzburg vollends durchgesetzt hatte, das architektonische Bild Mainfrankens bis zum Auftreten Balthasar Neumanns um 1720. Sein Stil wurde noch vom Würzburger Domkapitelsmaurermeister Georg Bayer weiterentwickelt, als dessen Lehrer er gilt.

  • Werke

    Vollst. Werkkat. b. N. Lieb u. F. Dieth, S. 92 f., s. L.

  • Literatur

    C. Schenk, Petrini-G., Bauanalyt. Unterss. z. Würzburger Barock, Diss. Würzburg 1921 (ungedr.);
    R. Pfister, Zwei Würzburger „Baumeisterhäuser“ a. d. Anfang d. 18. Jh., in: Dt. Bauztg. 56, 1922, S. 84 f.;
    M. Herchenröder, J. G. als Vorarlberger Baumeister, Diss. Frankfurt/M. 1933;
    R. Kengel, J. G. d. Architekt d. fränk. Barockklöster, in: Herbipolis Jubilans, Festschr. z. Säkularfeier…, = Würzburger Diözesangesch.bll. 14/15, 1952/53, S. 565-93;
    A. M. Greissing, Der Barockbaumeister J. G. 1664-1721, in: Jber. d. Bundesgymnasiums Bregenz, 1955, S. 4-18;
    N. Lieb u. F. Dieth, Die Vorarlberger Barockbaumeister, 1960, S. 92 f. u. ö.;
    ThB;
    K. Sitzmann, Künstler u. Kunsthandwerker in Ostfranken, 1957, S. 213;
    H. Lasch, Architekten-Bibliogr., 1962, S. 69 f.;
    R. Kömstedt, Von Bauten u. Baumeistern d. fränk. Barocks, 1963, S. 28-30, 72.

  • Autor/in

    Hans Reuther
  • Empfohlene Zitierweise

    Reuther, Hans, "Greissing, Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 40-41 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121117103.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA