Lebensdaten
1549 bis 1603
Geburtsort
Medina del Campo
Sterbeort
Neapel
Beruf/Funktion
Jesuit ; Theologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119220881 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gregor
  • Gregor von Valencia
  • Gregor von Valentia
  • mehr

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Zitierweise

Gregor de Valencia, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119220881.html [18.11.2019].

CC0

  • Leben

    Nach Studien im Jesuitenkolleg zu Medina und an der Universität von Salamanca trat G. am 23.11.1563 in die Gesellschaft Jesu ein. Nach dem Noviziat setzte er seine Studien in Salamanca (zusammen mit Francisco Suárez) und ab 1568 in Valladolid fort. Vom Ordensgeneral Francisco de Borja für Süddeutschland bestimmt, da dort die Zahl der einheimischen Kräfte für die übertragenen Aufgaben nicht ausreichte, dozierte G. 1573-75 Philosophie an der Hochschule zu Dillingen (Donau), von wo er an die Universität Ingolstadt berufen wurde. Bis 1592 war er hier Professor für dogmatische Theologie und blieb, für seine schriftstellerischen Arbeiten freigestellt, noch bis 1597 dort. Cl. Acquaviva berief ihn als Studienpräfekt an das Römische Kolleg (Anfang 1598) und übertrug ihm 1600 in den Verhandlungen im sogenannten Gnadenstreit (De auxiliis) die Vertretung und Verteidigung der Lehre Molinas. Ende 1602 mußte G. aus Gesundheitsgründen seine Tätigkeit unterbrechen und starb wenig später. - Nicht nur fand G. in Deutschland für die Hälfte seiner Lebenszeit eine zweite Heimat, wo der größte und wichtigste Teil seines schriftstellerischen Werkes entstand, sondern er übte zugleich durch seine Lehrtätigkeit einen namhaften Einfluß auf die jüngere Generation aus, zumal da beide Hochschulen, an denen er dozierte, Mittelpunkte der religiös-kirchlichen Erneuerung in Süddeutschland waren, wo ein großer Teil der später führenden Männer des Welt- und Ordensklerus|ihre Ausbildung fand (deshalb G. „doctor doctorum“ genannt). G., der über eine für seine Zeit hervorragende Schriftkenntnis verfügte, dessen patristische wie scholastische Erudition gerühmt wird und der dazu von einer ungewöhnlichen Arbeitskraft war, ist als der maßgebliche Theologe anzusehen, der den in Spanien (besonders an der Universität Salamanca) im 16. Jahrhundert entstandenen und gepflegten neueren Thomismus auch nach Deutschland vermittelte. Von besonderer Bedeutung für die Praxis wurde seine moderne Einstellung im Zinsstreit; entgegen der traditionellen Auffassung des uneingeschränkten Verbotes der Zinsnahme, die in der Oberdeutschen Provinz SJ besonders von den Brüdern Canisius und C. Haywood vertreten wurde, hielt G. die Zinsnahme für erlaubt, indem er den Darlehensvertrag als beiderseits kündbaren Rentenvertrag auffaßte. Diese zinsfreundliche Einstellung hatte zur Folge, daß die bayerische Regierung zeitweise daran dachte, ihn von Ingolstadt zu entfernen. Ganz in Zeitanschauungen befangen zeigte sich G. jedoch in seiner Einstellung zum Hexenwahn; hier wirkte sich sein Einfluß als Lehrer und sein Ansehen äußerst verhängnisvoll aus. Auch in seinen kontroverstheologischen Schriften verraten sein polemischer Ton und eine unnötige Härte seine Zeitbefangenheit. – Seine zahlreichen im Druck erschienenen Schriften sind teils Thesenzettel (philosophische oder theologische Sätze über eine bestimmte Frage, die er als Professor von einem seiner Schüler in einem Actus publicus verteidigen ließ), teils Kontroversschriften (vor allem gegen J. Heerbrand), teils theologische Traktate (besonders die Analysis fidei, Ingolstadt 1585, und die Libri 5 de Trinitate, ebenda 1586). Sein Hauptwerk sind die Commentariorum theologicorum tomi quattuor, angelegt als Kommentar zur Summa theologica des Thomas von Aquin, in denen G. eine systematische Gesamtdarstellung der katholischen Theologie bietet (Ingolstadt 1591–97; 31603 vom Verfasser kurz vor seinem Tod noch durchgesehen).

  • Literatur

    ADB IX;
    Sommervogel VIII, Sp. 388-400, IX, Sp. 897;
    Duhr I, S. 665-68 u. ö.;
    W. Hentrich, G. u. d. Molinismus, 1928;
    ders., G. u. d. Erneuerung d. dt. Scholastik, in: Philosophia Perennis 1930, S. 293-307;
    LThK;
    B. Romeyer, in: Dict. de Théol. Cath. XV, Paris 1930 ff., Sp. 2465–97.

  • Autor/in

    Burkhart Schneider SJ
  • Empfohlene Zitierweise

    Schneider SJ, Burkhart, "Gregor de Valencia" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 21-22 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119220881.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gregor von Valentia, ein spanischer Jesuit, hat für das katholische Deutschland dadurch besondere Bedeutung gewonnen, daß durch ihn die in Spanien während des 16. Jahrhunderts neu aufblühende theologische Scholastik auf deutschen Boden verpflanzt, und damit die Methode für die systematische Behandlung der kirchlichen Glaubenslehre in der nachtridentinischen Theologie des katholischen Deutschlands begründet wurde. Er war 1551 zu Medina del Campo in Altcastilien geboren, trat mit 18 Jahren zu Salamanca in den Jesuitenorden, wurde 1571 von seinem Ordensgeneral nach Rom berufen, um daselbst Philosophie zu lehren, 1575 nach Deutschland geschickt, woselbst er 24 Jahre, zuerst in Dillingen, dann in Ingolstadt Theologie lehrte. Im J. 1598 rief ihn Papst Clemens VIII. an das Collegium Romanum; an den dazumal eröffneten Verhandlungen der Congregatio de auxiliis gratiae divinae, welche unter dem Vorsitz des Papstes geführt wurden, nahm er hervorragenden Antheil, und disputirte als ein Hauptvertreter der von den Jesutten festgehaltenen Lehranschauung über das Wesen und Wirken der Gnade mit dem Dominikaner Lemos. Erschöpft von den Anstrengungen und Aufregungen, die mit jenen Verhandlungen verbunden waren, suchte er Erholung in Neapel, woselbst er am 25. April 1603 starb. Seine schriftstellerische Hauptleistung sind seine „Commentarii theologici in Summam S. Thomae Aquinatis“ in vier Bänden (Dillingen 1602 f., 4 Voll. fol.), durch welche das Studium der theologischen Scholastik auf deutschem Boden wieder neu inaugurirt wurde, mit dem Unterschiede jedoch, daß den künstlich dialektischen Expositionen der mittelalterlichen Lehrform, welche die kunstgerechte Lösung einer Frage mit der Widerlegung einer Reihe vorausgeschickter Gegengründe zu verbinden liebte, eine einfachere Form der Darstellung und Entwicklung substituirt, hierdurch aber zugleich auch Raum für die nunmehr nothwendig gewordene kirchlich-traditionelle Erweisung der katholischen Lehranschauung gewonnen wurde. Durch dieses Werk wird also bereits ein erster anfangsweiser Uebergang in die spätere Darstellungsform der sogenannten kirchlichen Dogmatik angebahnt; im Uebrigen lehnt es sich noch ganz an die Reihenfolge der Materien bei Thomas Aqu. an, zu dessen Summa theologica ja das Werk eine Art Commentar bilden|soll. Der Geist ist jedoch ein anderer, das spekulative Interesse tritt hinter das kirchlich-dogmatische zurück. G. betheiligte sich auch an der dazumal in Deutschland allwärts im Vordergrunde stehenden theologischen Controverse; seine „Analysis fidei catholicae“ (Ingolstadt 1585) normirt im Allgemeinen den von seinen Ordensgenossen den Protestanten gegenüber eingenommenen Standpunkt; andere seiner Controversschriften beziehen sich auf specielle Objecte der katholischen Polemik gegen Lutheraner und Reformirte, namentlich auf den lutherischen Ubiquismus und die calvinische Abendmahlslehre. Seine Controversschriften erschienen gesammelt unter dem Titel: „De rebus fidei suo tempore controversis“, Lyon 1591. Eine detaillirte Aufzählung derselben bei Backer, Ecrivains de la Comp. de Jésus III, p. 722 sqq.

  • Autor/in

    Werner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Werner, "Gregor de Valencia" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 629-630 unter Gregor von Valentia [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119220881.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA