Lebensdaten
1778 bis 1832
Geburtsort
Osnabrück
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Botaniker ; Naturphilosoph ; Magnetiseur
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119064669 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schelver, Franz Joseph
  • Schelver, F. J.
  • Schelver, Franciscus Josephus
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Zitierweise

Schelver, Franz Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119064669.html [16.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich Joseph (1732–95), Dr. iur., Rr.schaftssekr. in ständ. Diensten;
    M Maria Lydia van Beesten, vermutl. aus Rheine;
    1) N. N., 2) 1815 Maria Margarete (1779–1830), T d. Johann Erich Schwartze (1748–1829), Kaufm., Hofbankier, u. d. Marie Margarete Ehmbsen verw. v. der Horst (1753–1810);
    2 S, 2 T aus 2) Margarete (1817–45, 1] Carl Philippi, Amtssekr. in Wiesbaden, 2] Carl Lanz, 1805–74, Dr. phil., Gymn.lehrer in Darmstadt, Gesch.forscher, Übers., s. Scriba; NDB VI*), Viktorie (1820–93, Georg Gottfried Gervinus, 1805–71, Hist., Lit.hist., s. NDB VI), 1 Stief-T; Verwandter August Franz (1805–44), Schlachten- u. Genremaler (s. ADB 31).

  • Leben

    S. wurde zunächst von Privatlehrern erzogen und besuchte dann das Gymnasium Carolinum in Osnabrück. 1796 nahm er in Jena, dem damaligen Zentrum der romant. Naturphilosophie, das Medizinstudium auf, u. a. bei Christoph Wilhelm Hufeland (1762–1836), Justus Christian Loder (1753–1832) und August Johann Batsch (1761–1802). Daneben hörte er bei Johann Gottlieb Fichte philosophische Vorlesungen. 1797 setzte S. sein Studium in Göttingen fort, u. a. bei dem Anatomen und Physiologen Johann Friedrich Blumenbach (1752–1840), dem Kliniker August Gottlieb Richter (1742–1812) und dem Chirurgen Johann Friedrich Gmelin (1748–1804). Nach der Promotion (De irritabilitate, 1798) arbeitete er in Osnabrück als praktischer Arzt und hielt seit 1801 an der med. Fakultät in Halle/Saale als Privatdozent medizinische und naturphilosophische Vorlesungen, in die er an Jakob Böhme (1575–1624) orientierte mystische Spekulationen einflocht. 1803 ging S. nach Jena, wo er als Freund Goethes und Schellings im selben Jahr zum ao. Professor an der med. Fakultät ernannt wurde, als Nachfolger Batschs Botanik lehrte und als Direktor des Botanischen Gartens wirkte. 1806 wurde er als o. Professor der Medizin nach Heidelberg berufen (Dekan 1812 u. 1819). Den fortdauernden Kontakt mit Goethe belegen der Briefwechsel und mehrere Treffen. In seinen Heidelberger Vorlesungen verbreitete S. mit Nachdruck seine spekulativen, von Schelling beeinflußten naturphilosophischen Ideen. Dies stieß bei Fakultätskollegen, die eine rational-naturwissenschaftliche Methodik vertraten, zunehmend auf Unverständnis. Daneben hielt er Vorlesungen zur „Staatsarzneikunde“ und Botanik, zur Therapie und Pathologie sowie zur medizinischen Klinik. Er verfiel jedoch während seiner Heidelberger Zeit, in der er auch „magnetische“ Kuren nach Franz Anton Mesmer (1734–1815) durchführte und jahrelang Vorlesungen über den „animalischen Magnetismus“ hielt, immer mehr einem realitätsfernen philosophischen Obskurantismus. Seine eigenwillige Amtsführung als Leiter des Botanischen Gartens (seit 1811) schwächte sein Ansehen weiter. Seit 1827 gehörte er nur noch formal der Fakultät an und war von allen Fakultätsgeschäften ausgeschlossen.

    S.s weitgefächertes wissenschaftliches Œuvre umfaßt neben naturphilosophischen Schriften (Philosophie d. Medicin, 1809) zahlreiche Arbeiten zur Entomologie (Versuch e. Naturgesch. d. Sinneswerkzeuge bey d. Insecten u. Würmern, 1798), zur physikalischen Natur von Wärme und Licht, zur „Pflanzensexualität“, dem animalischen Magnetismus und zur Pathologie (Unters. über d. Menschen- u. Kuhblattern, 1802). Bedeutung erlangte S. besonders als wirkungsmächtiger Verfechter des Schellingschen Konzepts einer naturphilosophischen Begründung der Heilkunde (Elementarlehre d. organ. Natur, T. 1, Organomie, 1800) sowie durch seine unbeirrt durchgeführten magnetischen Kuren.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Leopoldina (1816); HR (1821).

  • Werke

    Kritik d. Lehre v. d. Geschlechtern d. Pflanze, 1812;
    Von d. Geheimniße d. Lebens, 1815;
    Lebens- u. Formgesch. d. Pflanzenwelt, 1822;
    System d. allg. Therapie im Grundsatze d. magnet. Heilkunst, I, 1831;
    Hg.:
    Zs. f. organ. Physik (1802–03).

  • Literatur

    K.-D. Müller, F. J. S., 1992 (P);
    ders. u. W.-D. Müller-Jahncke. „Ich war im Tempel d. Weltgeistes“, F. J. S. als Magnetiseur in Heidelberg, in: Pharmazeut. Ztg. Wiss. 138, 1993, S. 23-28;
    O. Breidbach, Jenaer Naturphilosophien um 1800, in: Sudhoffs Archiv 84, 2000, S. 19-49;
    T. Bach, „Für wen das hier gesagte nicht gesagt ist, der wird es nicht für überflüssig halten“, F. J. S.s Btr. z. Naturphilos. um 1800, in: Naturwiss. um 1800, hg. v. O. Breidbach u. P. Ziche, 2001, S. 65-82;
    Meusel, Gelehrter Teutschland;
    NND X, 1834;
    Drüll, Heidelberger Gel.lex. I; |

  • Quellen

    Qu Gen.landesarchiv Karlsruhe; Univ.archiv Heidelberg; Goethe- u. Schiller-Archiv Weimar (Briefe S.s an Goethe).

  • Portraits

    Gem. v. F. Hanfstaengl, 1833 (Heidelberg, Kurpfälz. Mus.).

  • Autor/in

    Werner E. Gerabek
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerabek, Werner E., "Schelver, Franz Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 661-662 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119064669.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schelver: Franz Joseph S. wurde am 23. Juli 1778 in Osnabrück geboren, studirte in Jena Medicin, wurde 1802 daselbst Privatdocent und starb am 30. November 1832 als Professor der Medicin in Heidelberg. Er war ein eifriger Anhänger der Schelling-Oken'schen Naturphilosophie. Anfänglich beschäftigte er sich vielfach mit Entomologie. Außer einigen kleineren entomologischen Abhandlungen in Wiedemann's Archiv für Zoologie schrieb er: „Versuch einer Naturgeschichte der Sinnesorgane der Insecten und Würmer“, Göttingen 1798, worin er eine gute Zusammenstellung der bis dahin bekannten Thatsachen gibt, ohne jedoch wesentlich Neues zu Tage zu fördern. Später wandte S. sich ganz der Botanik zu. Seine botanischen Werke: „Kritik der Lehre von den Geschlechtern der Pflanzen“, Heidelberg, 1812 mit zwei Fortsetzungen 1814 und 1823, sowie die „Lebens- und Form-Geschichte der Pflanzenwelt“, Heidelberg, 1823 sind für die Morphologie nicht ohne Werth; jedoch zeigt er sich in denselben als heftiger Gegner der Befruchtungstheorie, indem er behauptete, daß die künstliche Befruchtung nur eine Art Impfung sei und der Pollen ein tödtliches Gift für die Narbe enthalte.

  • Autor/in

    W. Heß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heß, Wilhelm, "Schelver, Franz Joseph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 31 (1890), S. 30 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119064669.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA