• Genealogie

    Aus in Essing b. Kelheim/Oberpfalz begüterter Adelsfam.

  • Leben

    G. wurde mit seinem Bruder Walkun in Augsburg gebildet; sie machten gemeinsam um 975 eine Schenkung an Sankt Emmeram in Regensburg, wo G. unter dem berühmten Abt Ramwold eintrat als Domkleriker von Essing. 982 wurde er Abt von Tegernsee und brachte hier die Gorzer Reform zur Blüte durch Beziehungen zu Sankt Emmeram, Sankt Mang in Füssen, Sankt Pantaleon in Köln und Sankt Burkard in Würzburg. Antike Schriftsteller wie Statius, Persius, Horaz, Cicero und die Historia tripartita von Cassiodor ließ er abschreiben und lesen, erneuerte und vermehrte Bibliothek und Archiv, machte die Schule unter Froumund und Meginhelm berühmt. Er begründete eine erfolgreiche Malerschule, ließ Glockenguß, Glasmalerei und Holzschnitzerei pflegen. Seine Freundschaft mit den bayerischen Herzogen, dem späteren Kaiser Heinrich II., Kaiserin Adelheid, die ihn als „amicissima domina“ bei der Reform unterstützte, und mit dem heiligen Wolfgang ließ ihn Tegernsee zu geistiger und wirtschaftlicher Höhe führen. Der Briefwechsel dieses hochgewachsenen, hageren Abtes ist Zeugnis für die Kultur des 10. Jahrhunderts. Durch seinen Mönch Wigo suchte er auch Feuchtwangen zu erneuern.

  • Werke

    Briefe in: sel. III.

  • Literatur

    ADB IX;
    P. Lindner, Familia S. Quirini in Tegernsee, 1898, S. 13 f., 277 f.;
    E. F. Bange, Eine Bayr. Malerschule d. 11. u. 12. Jh., 1923;
    Wattenbach-Holtzmann I;
    Hauck III;
    V. Redlich, in: Benediktin. Mschr. 8, 1926, S. 22-30;
    ders., in: Sammelbl. d. Hist. Ver. Freising, 1931, S. 36 f.;
    R. Bauerreiß, KG Bayerns II, 1950, S. 29-32;
    K. Hallinger, Gorze-Kluny, Rom 1960, S. 116, 134 f., 139, 168.

  • Autor/in

    Virgil Redlich OSB
  • Empfohlene Zitierweise

    Redlich OSB, Virgil, "Gozbert" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 692 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100943292.html#ndbcontent

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  • Leben

    Gozbert: Abt von Tegernsee, 982—1001, Jan. 21. (†), reiht sich an die Männer, denen Baiern nach der Zerrüttung der ungarischen und inneren Kriege neuen Aufschwung des kirchlichen und geistigen Lebens verdankte. Abkömmling eines edlen Geschlechts, war er nach seiner eigenen Aeußerung im Augsburger Sprengel aufgewachsen. Aus dem Kloster St. Emmeram in Regensburg, wo der berühmte Abt Ramwold sein Vorgesetzter war, auch später sein Freund blieb, ward er dann durch die Wahl der Brüder als Abt nach Tegernsee berufen. In der Erinnerung seiner Mönche lebte er als hochgewachsener Mann mit kahlem Schädel, der sich durch litterarische Bildung und Gastfreundlichkeit auszeichnete, bei Tag über den Büchern saß und seine Gebete in der Nacht verrichtete. Unter ihm begann Tegernsee seine große Bedeutung für die Geschichte der bairischen Kunst und Litteratur zu gewinnen. Er bereicherte es mit Büchern, schmückte es mit kirchlichen Bauten, mit Glocken, Fenstern und getäfelten Decken. Ein Graf A., dessen Gemahlin Adelheid mit G. verwandt war, schenkte damals die ersten Glasgemälde an die Klosterkirche, wo man vorher, die Fensteröffnungen zu verhängen, schon um leinene Lumpen froh war, und nun spricht aus dem Dankschreiben des Abtes die helle Freude, wie schön das gedämpfte Sonnenlicht auf den Estrich fällt. Bei demselben Grafen — dessen Persönlichkeit nicht festgestellt werden kann — läßt G. Knaben in einer nicht näher bezeichneten Arbeit unterrichten und es ist wohl möglich, daß dies eben die Glasmalerei war und daß hievon die Blüthe dieser Kunst in Tegernsee datirte. Mit Abt Wipo von Feuchtwangen und dem Dichter Froumund, der bald seinem eigenen Kloster angehörte, steht G. in brieflichem Verkehr; dem ersteren sendet er eine Anzahl seiner Mönche zur Erweckung des klösterlichen Lebens in Feuchtwangen und zwei Schüler zum Unterrichte in der Grammatik, wofür er den Priscian zu Grunde zu legen bittet. Von St. Emmeram und anderen Orten erbittet er sich Bücher, zum Guß einer großen Glocke für sein Kloster läßt er sich Zinn, Blei und Kupfer — Metalle, die im Tegernseer Gebiete nicht aufzutreiben —, später aus Freising auch einen Geistlichen als Gießer senden. Einen Grafen Meginhalm in der Ostmark geht er um Donauhausen an, wofür 43 Messen und 10 Psalter seinen Dank bezeugen sollen. Sechzehn Briefe Gozbert's sind erhalten, etwas geziert und schwülstig, wie die meisten Schriftstücke der Zeit, alles Dank- oder Bittschreiben an weltliche Große oder geistliche Freunde. Sie zeigen den Eifer, womit der Abt für sein Kloster wirkte, dessen Besitzstand und Rechte vor Anfechtungen schirmend, das Verlorene beibringend, neue Gaben unermüdlich erbettelnd, nach allen Seiten noch mit den Wirkungen des Verfalls, mit den Schwierigkeiten des Anfanges kämpfend.

    • Literatur

      Gozbert's Briefe bei Pez, Thes. VI, a, 121—129; Chronicon Tegerns. bei Pez, Thes. III, c, 504. Hirsch, Heinrich II. v. Freyberg, Gesch. von Tegernsee.

  • Autor/in

    Riezler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Riezler, Sigmund Ritter von, "Gozbert" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 523-524 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100943292.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA