Lebensdaten
1870 bis 1949
Geburtsort
Beuthen (Oberschlesien)
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Hygieniker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119417871 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gotschlich, Emil Carl Anton Constantin
  • Gotschlich, Emil
  • Gotschlich, Emil Carl Anton Constantin

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Zitierweise

Gotschlich, Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119417871.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Emil ( 1877), Dr. phil., Gymnasialoberlehrer;
    M Maria Kinne ( 1914);
    B Felix (1874–1914), Hygieniker, Entdecker d. El-Tor-Vibrio 1903;
    1898 Rosa (1872–1934), T d. Lehrers Clemens Kaufmann;
    1 S, 1 T;
    N Hermann Peters (* 1907), Dr. phil., Dozent d. klin. u. hygien. Zool., Biologe d. Grönland-Expedition Wegener 1930/31.

  • Leben

    G. begann sein Medizinstudium 1889 in Breslau, wo er 1894 approbiert und mit einer Arbeit über Fragen des Stoffumsatzes im quergestreiften Muskel promoviert wurde. Anschließend arbeitete er unter C. Flügge am Hygiene-Institut der Universität Breslau, von wo er bereits 1896 auf Ansuchen Robert Kochs als Direktor an das Städtische Gesundheitsamt Alexandria (Ägypten) entsandt wurde. In dieser Stellung blieb er bis zur Ausweisung bei Kriegsausbruch 1914 und war während dieser Zeit auch offizieller Vertreter Ägyptens beim Internationalen Gesundheits- und Quarantänerat. Von Januar bis Juni 1915 war er stellvertretender Direktor des Hygieneinstitutes Halle, ab Juli 1915 in gleicher Eigenschaft in Saarbrücken. Im April 1917 übernahm er das Ordinariat für Hygiene in Gießen, von wo er 1926 nach Heidelberg berufen wurde. Nach seiner Emeritierung 1935 erhielt er einen Ruf als Direktor des Zentral-Hygieneinstitutes in Ankara (Türkei), das er bis 1941 leitete. Nach seiner Rückkehr vertrat er vor allem nach Kriegsende seinen alten Lehrstuhl in Heidelberg und arbeitete bis zu seinem Tode im Institut.

    Schon während der Tätigkeit G.s in Ägypten erschienen die ersten umfassenden Handbuchbeiträge zur allgemeinen Morphologie und Biologie der pathogenen Mikroorganismen, zur Prophylaxe der Infektionskrankheiten und zu biologischen, vor allem bakteriologischen Fragen der Desinfektion. Seine Auffassung der Hygiene als Wissenschaft von den Umgebungsfaktoren unter Einbeziehung aller zivilisatorischen und kulturellen Aspekte manifestiert sich vor allem in der von ihm geschaffenen Gesundheitsorganisation Ägyptens, dessen Wasserversorgung, Milch- und Nahrungsmittelkontrolle, Impfschutz und Desinfektionswesen er von Grund auf durchdachte. Er bekämpfte erfolgreich die Pest in Ägypten 1899 und die Cholera 1902 und hat mit seinem Bruder Felix große Verdienste um die Sanierung der mohammedanischen Pilgerzüge erworben. Seine Forschungen trugen wesentlich zu der Erkenntnis bei, welche Rolle die Ratte bei der Verbreitung der Pest spielt. Weiterhin untermauerte er die bakteriologische und serologische Spezifität der Choleravibrionen. Die Variabilität der Mikroorganismen im Zusammenhang mit dem Kommen und Gehen der Epidemien begründete er mit einer Theorie der „tautomeren Struktur des lebenden Plasma“. Das besondere Streben nach Überschau und nach praktisch verwertbarer Methodik dokumentiert das von ihm herausgegebene „Handbuch der hygienischen Untersuchungsmethoden“ (1926-29), dessen grundlegende Kapitel er selbst schrieb. – Goethemedaille 1940|

  • Auszeichnungen

    Schüler; Gundel, H. Kliewe, H. Habs.

  • Werke

    u. a. Allg. Mikrobiol., Gärung, Desinfektion, in: C. Flügge, Die Mikroorganismen, 1896;
    Allg. Morphol. u. Biol. d. Bakterien, Allg. Prophylaxe, Spezielle Prophylaxe d. Infektionskrankheiten,|Desinfektionslehre, in: Hdb. d. pathogenen Mikroorganismen, hrsg. v. W. Kolle u. A. v. Wassermann, 1903, 21912, 3hrsg. v. W. Kolle, R. Kraus u. P. Uhlenhut, 1929;
    Allg. Epidemiol., Allg. Prophylaxe, Cholera, Pest, Maltafieber, Fleckfieber, in: Hdb. d. Hygiene, hrsg. v. M. v. Gruber, M. Rubner u. M. Ficker, III, 1913;
    Lepra, Spirochätosen, Fleckfieber, in: Lehrb. d. Mikrobiol., hrsg. v. E. Friedberger u. R. Pfeiffer, II, 1919;
    Leitfaden d. Mikroparasitol., 1920 (mit W. Schürmann) (span. Übers. 1923);
    Erfahrungen üb. Pest in Egypten, 1923;
    Die Bedeutung d. Hygiene f. d. Erneuerung d. Dt. Volkes, 1924;
    Die Variabilität d. Mikroorganismen in allg. biolog. Hinsicht, 1924;
    Kommen u. Gehen d. Epidemien. 1928;
    Hygiene, Zivilisation u. Kultur, 1929;
    Fabrikspeisung, Die wiss. Grundlagen d. Volksernährung, 1930;
    zahlr. Zss.aufsätze. - Begründer d. Türk ijiyen ve tecrübi biyoloji dergisi (Turkish bulletin of hygiene and experimental biology), Ankara.

  • Literatur

    Zbl. f. Bakteriol., Parasitenkde., Infektionskrankheiten u. Hygiene 155, 1950, S. 83 f. (P);
    Fischer.

  • Autor/in

    Eduard Seidler
  • Empfohlene Zitierweise

    Seidler, Eduard, "Gotschlich, Emil" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 657 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119417871.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA