Lebensdaten
1727 bis 1794
Geburtsort
Thann (Elsaß)
Sterbeort
Paris
Beruf/Funktion
Weihbischof für das Elsaß ; Theologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 120665603 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gobel, Johann Baptist
  • Gobel, Jean Baptiste Joseph
  • Gobel, Johann Baptist
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Zitierweise

Gobel, Jean Baptiste Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120665603.html [20.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Joseph, procureur fiscal (höherer Steuerbeamter) d. Gfsch. Thann u. Advokat am Obergericht d. Elsaß;
    M Marie-Thérèse Housin;
    Om Jean Bapt. Haus, Generalvikar, Koadjutor d. Diözese Basel, Domkapitular;
    B Jean-Jacques (†|1802), Archidiakon v. Basel, Pfarrer v. Terwyler;
    N Joseph Rengguer (* 1734), Hofrat u. Geh.sekr., eine Zeitlang G.s Mitarbeiter (s. HBLS).

  • Leben

    G. studierte am Jesuitenkolleg in Pruntrut, dann in Colmar, zuletzt am Collegium Germanicum in Rom. Seit 1747 Chorherr von Münster-Granfelden, wurde er 1757 zum Generalvikar des (wieder an das Deutsche Reich angegliederten) Bistums Basel ernannt. Nachdem G. Koadjutor des Fürstbischofs Simon Nicolas von Montjoie geworden war, ließ ihn dieser zum Bischof von Lydda ernennen (1771). Trotz seiner Bemühungen konnte G. die Errichtung eines unabhängigen Bischofssitzes für das französische Oberelsaß nicht erreichen. Zum Abgeordneten in der Nationalversammlung bestimmt (26.3.1789), war G. nach Grégoire und Talleyrand einer der ersten, die den von der Zivilverfassung der Geistlichkeit vom 12.7.1790 verlangten Eid leisteten. Nach der Aufnahme in den Jakobinerklub wurde er am 13.3.1791 zum „konstitutionellen“ Bischof von Paris proklamiert. G.s naive und gefährlich-zweideutige Haltung hatte angesichts der päpstlichen Verdammung und des Druckes der revolutionären Kräfte keinen Bestand; er legte sein Amt als Bischof nieder (7.3.1793), ermutigte zur „Aufhebung des Priesterstandes“ und machte sich, vielleicht ohne sich darüber Rechenschaft zu geben, zum Mitschuldigen bei den Bestrebungen zur Entchristlichung und zur Einführung des neuen Kultes der „Vernunft“. Trotzdem wurde G. wegen „Verschwörung gegen die Republik“ verhaftet und am Tag seiner Verurteilung hingerichtet. Zuvor hatte er in zweideutiger Weise mit seinem Neffen Joseph Rengguer den Anschluß des Gebietes von Pruntrut an Frankreich betrieben. – Ehrgeizig und ziemlich skrupellos, aber ohne Zweifel guten Glaubens ist G. eine der traurigen Gestalten der französischen Revolution; er war gleichzeitig ihr Handlanger und ihr Opfer. G. hat kein größeres Werk geschrieben, wir kennen von ihm nur offizielle und private Briefe. Sein Stil war höchst mittelmäßig.

  • Literatur

    ADB IX; Artikelserie
    v. G. F. Chèvre u. G. Gautherot, in: Revue d'Alsace, März-April, Juli-Aug. 1906, Sept.-Okt. 1908;
    A. Mathiez, Contributions à l'histoire de la Rév. française, Paris 1907;
    P. Pisani, L'Eglise de Paris et la Rév., 2 Bde., ebd. 1908 f.;
    A. Aulard, Le eulte de la Raison et le culte de l'Etre Suprême, 1793–94, ebd. 1909;
    G. Gautherot, G., évêque métropolitain constitutionnel de Paris, ebd. 1911;
    P. de La Gorce, Hist. religieuse de la Rév. française, ebd. 1925;
    M. Braubach, Bischof G., Kf. Max Franz v. Köln u. d. Bistum Basel, in: HJb. 60, 1940, S. 300-11;
    A. Latreille, L'Eglise cath. et la Rév. française, 2 Bde., Paris 1946-50;
    J. Calmette, Les Révolutions, ebd. 1952;
    Nouv. Biogr.;
    HBLS;
    RGG;
    LThK.

  • Portraits

    Bleistiftzeichnung v. Moreau (Paris, Bibl.Nat., SIg. Déjabin).

  • Autor/in

    René Voeltzel
  • Empfohlene Zitierweise

    Voeltzel, René, "Gobel, Jean Baptiste Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 490 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120665603.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gobel: Johann Baptist G., französischer Bischof, geb. in Thann am 1. Septbr. 1727 als Sohn des Franz Joseph G., Mitglieds des souveränen Raths des Elsaßes und der Marie Therese geb. Haus. Schon mit fünfzehn Jahren ward er, da sein mütterlicher Oheim, J. B. Haus, Bischof i. p. von Messala und Coadjutor des Bischofs von Basel, zu seinen Gunsten auf diese Pfründe verzichtete, Canonicus am Chorherrenstift in Delsberg, heut. Kt. Bern. Am 28. Octbr. 1743 ward er darauf, nachdem er seine Vorbildung in Colmar genossen, in das Collegium Germanicum in Rom aufgenommen, in welchem er sich durch musterhaftes Betragen und Frömmigkeit auszeichnete, und welches er am 6. Septbr. 1747 als Dr. theol. und phil. verließ. Infolge seiner außerordentlichen Begabung und wahrhaft erstaunlichen Thätigkeit und Dank der wirksamen Protection seines Oheims stieg G. sehr rasch von Stufe zu Stufe. Seit 1755 Official des Bischofs von Basel ward er bald Canonicus an der Kathedrale in Pruntrut, Generalvicar und Coadjutor für den französischen Theil der Diöcese, in Folge dessen er zumeist im Elsaß residirte und ward am 27. Jan. 1772 zum Bischof i. p. von Lydda geweiht. Als Factotum der Bischöfe von Frohberg, von Wangen und von Roggenbach (seit 1782) war er der thatsächliche Regent des Landes und führte namentlich alle Unterhandlungen mit dem Auslande, so diejenigen, welche 1780 zur Erneuerung des Allianzvertrages mit Frankreich führten, zu welchem Zwecke er sich damals längere Zeit in Paris aufhielt. Durch seinen Aufwand und seine ungeordnete Lebensweise gerieth er aber bald in eine drückende Schuldenlast, für welche sein Neffe, der Hofrath und Geheimsecretär des Bischofs, Joseph Anton Rengger, mit einem bedeutenden Theil seines Vermögens als Bürge einstand und welche auch sein späteres Verhalten in der französischen Revolution veranlaßte. Im Jahre 1789 von der Geistlichkeit des Oberelsaßes in die Generalstände abgeordnet, war er einer der ersten, der den Eid auf die Civilverfassung des Clerus leistete (3. Januar 1791). Infolge dessen kurz nachher gleichzeitig zum Bischof von Paris, Colmar und Langres ernannt, optirte er am 14. März 1791 für den ersteren Sitz und ward, nachdem die Metropoliten von Sens und Orleans sich dessen geweigert, von Talleyrand, Bischof von Autun, installirt. Sofort nach Gobels Abreise nach Paris und im Einverständniß mit ihm hatte Rengger im Bisthum Basel begonnen die Einberufung der Landstände zu betreiben. Als, wie er hatte voraussehen können, der Bischof sich hierauf nicht einließ, brach unter dem Volke, das schon durch die Ereignisse in der französischen Nachbarschaft vorbereitet war, und durch zahlreiche von Rengger und dem Schweizer Club in Paris ausgehende Pamphlete noch aufgehetzt wurde, eine allgemeine Gährung aus. Der Bischof rief den Schutz der verbündeten eidgenössischen Stände und des Reichsoberhaupts an, und in der That ließ Kaiser Leopold im März 1791 500 Mann Oesterreicher einrücken. Umsonst trat G. in der Nationalversammlung gegen diesen Einmarsch aus, umsonst verlangte er die französische Occupation des Landes. Jene begnügte sich mit der Anordnung einer Untersuchung durch den Legationssecretär Bacher in Basel, und erst nachdem sie am 24. April 1792 Oesterreich den Krieg erklärt hatte, erfolgte die Invasion des Bisthums. Nach kurzem Bestande als „rauracische Republik“ erklärte sich die Volksversammlung am 7. März 1793 für den Anschluß an Frankreich und das bisherige Reichsland ward dann zunächst als Departement du Montterrible, später als Bestandtheil des Departements des Oberrheins mit der französischen Republik vereinigt. Bald darauf wurde G. als Civilcommissär nach dem Pruntrutischen abgeordnet, mußte aber dasselbe, da er von einer Deputation in Paris wegen Amtsmisbrauchs angeklagt wurde, kurz nachher wieder verlassen. Am 7. Novbr. 1793 gab er dann unter großem Pomp im Nationalconvent die bekannte Erklärung ab, daß er auf alle kirchliche Wirksamkeit als eines philosophischen Zeitalters unwürdig, verzichte, und hinfort keinen anderen Cultus als den der Freiheit und Gleichheit anerkenne. Aber schon nach 5 Monaten ward er nach dem Sturz Heberts und Danton's wegen Atheismus angeklagt und am 24. Germinal an II (14. April 1794) mit letzteren in Paris guillotinirt.

    • Literatur

      Briefliche Mittheilungen von Staatsarchivar X. Kohler in Pruntrut. Relation fidèle de la manière, dont s'est passée la Révolution du pays de Porrentruy et sa réunion à la France (Hist. parlementaire Vol. V). Mémoires de l'Abbé Georgel Vol. III (Paris 1817). Vautrey, histoire du Collége de Porrentruy. Dazu die allgemeinen Werke von Thiers, Barante, Hottinger u. A.

  • Autor/in

    Gisi.
  • Empfohlene Zitierweise

    Gisi, "Gobel, Jean Baptiste Joseph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 296-297 unter Gobel, Johann Baptist [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120665603.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA