Lebensdaten
zwischen 1610 und 1623 - 1678
Geburtsort
Hameln
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Bildhauer ; Künstler
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 133679446 | OGND | VIAF: 305191543
Namensvarianten
  • Gleßge, Justus
  • Klesecker, Justus
  • Klescker, Justus (Nachnamesform des Vaters)
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Zitierweise

Glesker, Justus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133679446.html [21.10.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Jost Klescker ( um 1631/32), Bildhauer in H.;
    1) Frankfurt/M. 29.11.1659 Katharina (1610–65), Wwe d. Mehlwiegers Niclaus Zimmer, T d. Maurers Alexander Auel in F., 2) ebd. 4.12.1666 Anna Sophia (* 1643), T d. Barbiers Hans Konrad Fischer in F.; 1. Ehe kinderlos, 3 S, 2 T aus 2).

  • Leben

    G., wohl der bedeutendste Bildhauer Süddeutschlands um die Mitte des 17. Jahrhunderts, war nach Sandrart, dem man besonderes Vertrauen schenken darf, da er mit ihm in Bamberg zusammenarbeitete, in den Niederlanden, darauf in Italien, besonders in Rom, bevor er zwischen 1648 und 1653 sein Hauptwerk, die Ausstattung des Bamberger Doms, schuf. G. lebte zu dieser Zeit bereits in Frankfurt, wo er 1654 als „Kunstbildhauer“ das Bürgerrecht erhielt und als Stadtkapitän zu hohen bürgerlichen Ehren kam. Archivalisch sind aus dieser Zeit überliefert die Altarplastik des Partenheimer Altars im Mainzer Dom (1662/64) und G.s Mitarbeit an der Ausstattung der Barfüßerkirche in Frankfurt (1669/71) (beides verschollen). – Die Nachricht Sandrarts, daß G.s Bedeutung wesentlich auch in seinen kleinplastischen Arbeiten, hauptsächlich denen in Elfenbein gelegen habe, wird durch das Nachlaßinventar bestätigt, das eine Reihe von kirchlichen und profanen Elfenbeinarbeiten aufzählt. Ein nicht mehr nachweisbares, hoch dotiertes Elfenbeinkruzifix G.s verehrte 1653 der Bamberger Fürstbischof dem Herzog Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg. Ohne daß weitere archivalisch gesicherte kleinplastische Arbeiten nachzuweisen wären, können doch einige in Museen und Privatsammlungen befindliche Elfenbeine G. stilkritisch zugeschrieben werden. – Die durch schriftliche und bildliche Quellen gut dokumentierte Tätigkeit G.s für den Bamberger Dom – als früheste hochbarocke, nach einheitlichem Programm erstellte Ausstattung einer Kirche unmittelbar nach dem 30jährigen Krieg von großer Bedeutung – umfaßte den Georgenaltar (1651/52, Fassung 1653) im Ost-, sowie den Petersaltar (1649/51) im Westchor, zwei von Figuren bekrönte Baldachinaltäre nach dem Vorbild des Berninischen Tabernakels in Sankt Peter, Rom; dazu kamen der triumphbogenartige Heinrich- und Kunigundenaltar an der Treppe zum Ost-, sowie der Mauritiusaltar an der Treppe zum Westchor (Mithilfe durch den Bildhauer Mathes Sebert aus Bamberg und den Forchheimer Geschützgießer Sebald Kopp). Je vier Seitenaltäre an den Mittelschiffpfeilern – ohne Mitarbeit G.s – vervollständigten die Neuausstattung. – Anläßlich der unter Ludwig I. begonnenen, 1834/36 durch F. von Gärtner durchgeführten Purifizierung des Doms wurde die gesamte Ausstattung G.s entfernt; ein großer Teil ging dabei verloren, einige Figuren konnten jedoch für den Dom zurückerworben werden, andere kamen in Museumsbesitz. So befinden sich von den circa 26 von G. für den Bamberger Dom geschaffenen Skulpturen heute die vierfigurige Kreuzigungsgruppe im Westchor des Doms, der Auferstandene und vier Engel in der Schatzkammer, der heilige Johannes der Täufer im Bayerischen Nationalmuseum, München, die Büsten eines heiligen Otto und Hieronymus, ferner einige Putten im Historischen Museum der Stadt Frankfurt. Der Kopf eines|heiligen Heinrich kam in Privatbesitz. – Zwei weitere G. zuzuschreibende Holzplastiken sind ebenfalls in Privathand.

    Ungeachtet der von Bernini übernommenen Baldachinform in den beiden Hauptaltären steht die Figurenbildung G.s in einer älteren Stiltradition, die teils noch auf den Manierismus zurückgreift, in der Hauptsache jedoch durch die antikisch-klassische, an den Begriffen der „bellezza“ und „dolcezza“ sich orientierenden Figurenauffassung des François Duquesnoy geprägt ist. Ausdrucksmäßig im Sinne des Hochbarock gesteigert und – als zweite Herkunftskomponente – auf Grund der Berührung mit flämischer Kunst durch eine eigentümlich dinghafte Stofflichkeit in der Behandlung des Haares, der Gewänder und so weiter bereichert, stellt die G.sche Figur Vollendung und Endpunkt einer süddeutschen Entwicklung dar, deren Anfänge durch die München-Augsburger Bronzemanieristen und deren erster Höhepunkt – zum Teil aus den gleichen Stilquellen gespeist – durch den in Augsburg tätigen Jörg Petel gekennzeichnet sind. Der Ausdruck der Magdalena in Bamberg, unter deren „geheimer Klassik“ (Pinder) neben der Transponierung des antikischen Formideals auch die Umsetzung dessen, was sich im Straßburger Engelspfeiler erfüllte, in die plastischen Möglichkeiten des 17. Jahrhunderts verstanden werden darf, ebenso auch die Marienfigur in Bamberg, die aus einer vollkommen rundräumlichen Körpertorsion seelische Verinnerlichung und zugleich die schönlinige Gebärdesprache des plastisch-linearen Figurenaufbaus entwickelt, stellen Höhepunkte nicht nur der süddeutschen Skulptur und nicht nur des 17. Jahrhunderts dar.

  • Literatur

    E. Herzog u. A. Ress, Der Frankfurter Barockbildhauer J. G., in: Schrr. d. Hist. Mus. 10, Frankfurt 1962;
    Joach. v. Sandrarts Ac. d. Bau-, Bild- u. Mahlerey-Künste v. 1675, hrsg. v. A. R. Peltzer, 1925, S. 237;
    ThB;
    W. K. Zülch, Frankfurter Künstler 1223-1700, 1935, S. 555;
    K. Sitzmann, Künstler u. Kunsthandwerker in Ostfranken, 1957, S. 188 ff., 2. u. 3. T., 1962, S. 18.

  • Autor/in

    Anton Ress
  • Empfohlene Zitierweise

    Ress, Anton, "Glesker, Justus" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 454-455 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133679446.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA