Lebensdaten
1860 bis 1936
Geburtsort
Fünfkirchen (Ungarn)
Beruf/Funktion
österreichisch-ungarischer General ; Diplomat
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 101847173 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Giesl von Gieslingen, Wladimir Rudolf Karl Freiherr
  • Giesl, Wladimir Freiherr von
  • Giesl, Wladimir Rudolf Karl Freiherr von
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Zitierweise

Giesl von Gieslingen, Wladimir Freiherr, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd101847173.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Fam. kam in d. 2. Hälfte d. 17. Jh. aus d. Rheinland nach Österreich u. wurde 1773 geadelt; V Heinrich (1821–1905), k. u. k. FZM u. Gen.insp. d. Gendarmerie, S d. Johann, k. k. Hauptm., u. d. Anna Fritz v. Adlersfeld;
    M Emilie (1822–85), T d. gfl. Mitrowskyschen Güterdir. Anton Christoph u. d. Scholastika Spulak;
    B Arthur (1857–1935), letzter Flügeladjutant d. Kronprinzen Rudolf, dann Gen. d. Kav. u. Kommand. Gen. in Prag;
    Sarajewo 1889 Julie (* 1867), T d. Emil David Frhr. v. Rhonfeld (1837–1918), k. k. FZM, Statthalter im Kgr. Dalmatien, u. d. Maria Edle v. Maširevič;
    1 S, 1 T (früh †).

  • Leben

    G. war gleich seinem Vater eine „armeebekannte Persönlichkeit“ und sah sich schon früh auf selbständige Posten gestellt. Der Reiteroffizier wurde 1888 Generalstabshauptmann beim Korpskommando Sarajewo. Ab Ende 1893 Militärattaché bei der Botschaft in Konstantinopel, lernte er die große hamidische Türkei in Krieg und Frieden, als Despotie und in der Revolution kennen und erhielt zudem denselben Rang in Athen und Sofia, wo man auf den Zerfall der Türkei Hoffnungen richtete. G. wurde Augenzeuge der Unruhen auf Kreta und des Türkisch-Griechischen Krieges, er war bei der Befriedung Mazedoniens tätig, erlebte die Phasen der jungtürkischen Bewegung und die Rückwirkungen der bosnischen Annexion, auch das wechselnde Verhältnis der Großmächte und besonders das offene Interesse des wilhelminischen Deutschlands für den Nahen Orient. Dazwischen arbeitete G. als militärischer Fachmann bei der II. Haager Friedenskonferenz (1907). Ausnahmsweise in den diplomatischen Dienst übernommen, wurde er Gesandter beim Fürsten (König) Nikita von Montenegro (Dezember 1909), wo er nach Ausbruch des Balkankriegs sich an den Irrgängen der Albanischen Frage (Skutari und London!) zu beteiligen hatte. Seine seltene Kenntnis der Völker und Machthaber auf der Balkanhalbinsel und im Nahen Orient erregte die Aufmerksamkeit des Thronfolgers Franz Ferdinand, der an ihn sogar als möglichen Außenminister dachte. G.s letzte Legation in Belgrad (1913/14) aber ist nicht von der unmittelbaren Vorgeschichte des Weltkrieges zu lösen: Am 10.7.1914 kehrte G. von einem Urlaub nach Belgrad zurück und erhielt sofort den Besuch des todkranken russischen Gesandten Hartwig, der dabei vom Schlag ereilt wurde. Die darüber in der serbischen Hauptstadt entstandene Aufregung dämpfte Ministerpräsident Pasic, der eine Note der Wiener Regierung in der Frage der Schuld am Thronfolgermord vom 28.6. erwartete. Diese erhielt G. selbst am 21.7. mit der Anweisung, sie erst am 23.7. den Serben auszufolgen, und zwar mit der Forderung ihrer vorbehaltlosen Annahme binnen 48 Stunden. Am 25.7. nachmittags aber entschloß sich Serbien auf russischen Wink hin|zur Mobilmachung, und um 6 Uhr abends erkannte G. aus der ihm von Pasic überreichten Antwortnote, daß diese, der Form nach entgegenkommend, entgegen der Wiener Forderung mit zahlreichen Vorbehalten versehen sei. So hatte G., was auch seiner persönlichen Auffassung entsprach, mit seiner sofortigen Abreise aus Belgrad den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu markieren. Einen Tag vor der Kriegserklärung am 28.7. erhielt G., der noch an die Lokalisierung des Konflikts glaubte, am Ischler Hoflager die Billigung Kaiser Franz Josephs. Wilhelm II. und Grey allerdings fanden, G. und seine Auftraggeber hätten es mit der Demütigung Serbiens bewenden lassen sollen. Nach Ausbruch des Kriegs teilte man den zum General der Kavallerie ernannten G. als Vertreter des Außenministeriums dem Armeeoberkommando zu, das jedoch eine solche Verbindungsstelle als überflüssig ansah. Seit Sommer 1915 im Ruhestande, wurde G. seiner wirtschaftlichen Kenntnisse wegen im Herbst 1917 mit einer kurzen Sondermission in die verbündete Türkei betraut.

  • Werke

    Zwei Jahrzehnte im Nahen Orient, hrsg. v. E. v. Steinitz, 1927.

  • Literatur

    Österreich-Ungarns Außenpol. …, Dipl. Aktenstücke …, 1930, Bd. 9 (Register);
    G. v. Hubka, in: Berliner Mhh., Mai 1938;
    ders., in: Große Österr. X, 1957, S. 130-37 (L, P);
    A. v. Wegerer, Der Ausbruch d. Weltkriegs I, 1939;
    H. Übersberger, Österreich zw. Rußland u. Serbien, 1958;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Reinhold Lorenz
  • Empfohlene Zitierweise

    Lorenz, Reinhold, "Giesl von Gieslingen, Wladimir Freiherr" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 389 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101847173.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA