Lebensdaten
1612 bis 1682
Geburtsort
Burg (Insel Fehmarn)
Sterbeort
Minden (Westfalen)
Beruf/Funktion
Musiktheoretiker ; Kantor
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 128868708 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gibel, Otto
  • Gibelii, Ottonis
  • Gibelio, Ottone
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Zitierweise

Gibel, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128868708.html [20.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Abraham ( ca. 1629), aus Torgau, Subrektor am Catharineum in Lübeck, seit 1608 Pfarrer u. Propst in B.;
    M Catharina, T d. Otto Walper gen. Gualtperius (1546–1624), Dr. theol., Prof. d. griech. u. hebr. Sprache in Marburg, dann Rektor d. Catharineums in Lübeck (s. ADB 40; Strieder V), u. d. Zeitlose Orth;
    1) vor 1640 Ilse ( 1653), T d. Pfarrers Johs. Dornemann (1559–1639) in Stadthagen, 2) N. N. ( 1660), 3) N. N. ( 1677);
    2 K.

  • Leben

    G. mußte 1629 wegen der Pest, der auch sein Vater zum Opfer fiel, aus seiner Heimat nach Braunschweig fliehen, wo der Praetoriusschüler Heinrich Grimm sein Musiklehrer wurde. 1634 übernahm er eine Stelle als Kantor und Lehrer in Stadthagen. 1642 wurde er als Subkonrektor nach Minden berufen. Hier erhielt er 1648 die Kantorenstelle; er mußte aber weiterhin auch in anderen Fächern unterrichten. – Obwohl ihm durch den Tod seines Vaters die Möglichkeit zu einem Universitätsstudium genommen war, hat sich G. einen Platz unter den bedeutendsten deutschen Musiktheoretikern des 17. Jahrhunderts erwerben können. In seinen gesangspädagogischen Schriften hält er an der Methode fest, das Vom-Blatt-Singen mit Hilfe der Solmisationssilben, mit denen sich bestimmte Ton- und Intervallvorstellungen verbanden, zu lehren. Den Schwierigkeiten, die später andere Schulmusiker veranlaßten, die Intervalle nach den abstrakten Tonbuchstaben singen zu lassen, begegnete G., indem er die tonartfremden Halbtöne durch Änderung des Vokals der Tonsilbe ausdrückte (di statt do bei Erhöhung, ma statt mi bei Erniedrigung). Sein Festhalten am alten System begründet er durch eine ausführliche Abhandlung über die Geschichte der Solmisation („Bericht“). Aus finanziellen Gründen konnte G. sein Vorhaben, Lehrschriften über den Stoff der gesamten Musiktheorie zu veröffentlichen, nur zum Teil verwirklichen. Vom Gebiet der Musica theoretica (im engeren Sinne) hat er mit der „Introductio“ nur eine pars generalis über die mathematisch-physikalischen Grundlagen der Musik und mit den „Propositiones“ nur einen Ausschnitt aus seiner ausgearbeiteten pars specialis zum Druck bringen können; hier werden Fragen der mathematischen Intervallbestimmung und Probleme der musikalischen Temperatur erörtert. Insbesondere diesen Werken verdankt G. seine geschichtliche Bedeutung.

  • Werke

    Kompositionen: 2 Kantaten, Mss. (1673);
    1. T. Geistl. Harmonien v. 1-5 Stimmen (nicht erhalten, nach Meßkatalogen 1671 in Hamburg gedr.). - Schrr.: Seminarium modulatoriae vocalis, Celle 1645, 3Rinteln 1658 (darin eigene Kompositionen als Musikbeispiele);
    Compendium modulatoriae. Jena 1651, 2Rinteln 1658 (mit Se- minarium);
    Kurtzer, jedoch gründlicher Ber. v. d. Vocibus Musicalibus, Bremen 1659;
    Introductio Musicae Theoreticae Didacticae, ebd. 1660;
    Propositiones Mathematico-Musicae, Minden 1666.

  • Literatur

    ADB IX;
    A. Ganse, Der Cantor O. G., phil. Diss. Kiel 1931;
    M. Ruhnke, in: MGG V, Sp. 95 f. (L);
    Riemann (L).

  • Autor/in

    Martin Ruhnke
  • Empfohlene Zitierweise

    Ruhnke, Martin, "Gibel, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 367 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128868708.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gibel: Otto G., geboren 1612 auf der Insel Fehmarn als Sohn eines Geistlichen, verließ der Pest wegen sein Vaterland und wendete sich nach Braunschweig, wo ihn Anverwandte unterstützten und für seine weitere Ausbildung Sorge trugen. Als der bekannte Cantor Heinrich Grimm 1631 durch die Zerstörung Magdeburgs von dort vertrieben, nach Braunschweig kam, benutzte er dessen Musikunterricht während dreier Jahre und folgte schon 1634 einem Rufe als Cantor nach Stadthagen im Schaumburgischen. 1642 gab er diese Stellung auf und ging als Subrector nach Minden, wo er nach dem Tode des dortigen Cantors und Musikdirectors Scheffer in dessen Stelle einrückte und dieselbe bis zu seinem Tode 1682 verwaltete. Von seinen Schriften, die Mattheson grundgelehrt nennt, können folgende angeführt werden: „Seminarium modulatoriae vocalis, das ist ein Pflantz-Garten der Singkunst“ (Zelle 1645). Eine zweite Auflage erschien in Bremen 1657. „Kurtzer, jedoch gründlicher Bericht von den Vocibus musicalibus, darinne gehandelt wird von der musikalischen Syllabication oder von der Solmisation“ etc. (Bremen 1659). Dies Buch ist eine mit viel Klarheit geschriebene Abhandlung über die Nachtheile und Vortheile der Solmisation. Ein Auszug befindet sich im ersten Bande von Mitzler's Bibliothek (Th. 3 S. 16). „Introductio musicae theoreticae didacticae“ etc., Pars generalis, Bremen 1660. Der versprochene zweite Theil zu diesem Werke ist wegen Mangels an den zum Stiche der Figuren nöthigen Mitteln nicht herausgekommen. „Propositiones mathematico-musicae, d. i. musikalische Aufgaben aus der Mathesi demonstrirt“ (Minden 1666). „Geistliche Harmonien von 1 bis 5 Stimmen, theils ohne, theils mit Instrumenten“, erster Theil (Hamburg 1671).

    • Literatur

      Gerber, Neues Tonkünstlerlexikon, II. Fétis, Biogr. univers. des musiciens.

  • Autor/in

    Fürstenau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Fürstenau, Moritz, "Gibel, Otto" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 146-147 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128868708.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA