Lebensdaten
um 1500 bis 1570
Geburtsort
Nördlingen
Sterbeort
Lauingen
Beruf/Funktion
Maler ; Miniator ; Zeichner
Konfession
katholisch,lutherisch
Normdaten
GND: 119026708 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gerung, Mathies
  • Gerung, Mathes
  • Gerung, Matheus
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Zitierweise

Gerung, Mathis, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119026708.html [12.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Matthias, gen. Geiger ( 1521), Schuster in N., S d. Schusters Hans in N.;
    M Barbara N. N.;
    Anna Reiser, viell. T d. Malers Matthes Reiser ( um 1519) in L. (s. ThB);
    2 S, u. a. Hans, Goldschmied, bis 1564/65 in L., 1566 in (Burg-)Lengenfeld.

  • Leben

    G. dürfte bei dem Nördlinger Dürerschüler Hans Schäufelin gelernt haben. Außer von diesem und Dürer zeigt sich seine Kunst von Augsburger Malern (Ch. Amberger, H. Burgkmair, H. Holbeindem Jüngeren ) beeinflußt. Über seine Wander- und Gesellenjahre fehlen Nachrichten. Nachweislich seit 1525 war er in Lauingen ansässig. Da ihn seine Kunst vermutlich nicht ausreichend ernährte, übernahm er 1530 den städtischen Waagmeisterdienst, den er noch 1567 ausübte. Sein Landesherr Ottheinrich von Pfalz-Neuburg schätzte seine Kunst. 1530/32 hatte er im „Bibelbuch“ des Herzogs (mehrbändige deutsche Bibelhandschrift, Mitte 15. Jahrhundert, heute teils Kurpfälzisches Museum Heidelberg, teils Staatsbibliothek München) die beim Neuen Testament fehlenden Miniaturen nachzutragen, G.s beste Leistung. 1533-43 entwarf er die Kartons zu Bildteppichen für das Neuburger Schloß (Ottheinrichteppiche, 13 erhalten und|bekannt: 6 München, Bayerisches Nationalmuseum, 4 Neuburg a. D., Heimatmuseum, je 1 Schloß Berchtesgaden, Nürnberg, Germanisch Nationalmuseum, Heidelberg, Kurpfälzisches Museum). 1543 versah er die von Ottheinrich erlassene neue Kirchenordnung mit Holzschnitten. In einer 60 Blätter umfassenden Holzschnittfolge, deren Entstehung sich über einen längeren Zeitraum (ab 1536) erstreckte, behandelte er biblische, besonders apokalyptische und, mit stark polemisch-satirischem Einschlag, kirchliche Themen. Trotz dieser Ausfälle gegen die katholische Kirche und das Papsttum zog ihn der Augsburger Bischof Kardinal Otto Truchseß von Waldburg zu den Holzschnittillustrationen für das von ihm herausgegebene Missale secundum ritum Augustensis ecclesiae (Dillingen, Sebald Mayer, 1555) heran. Von den wenigen gesicherten Tafelbildern G.s sind zeit- und kulturgeschichtlich beachtenswert: „Der Lauinger Rat im Feldlager Karls V. im Weihgäu 1546“ (1551, Heimathaus Lauingen) und „Almosenspendung“ (1553, Stadtpfarrkirche Höchstädt). Aus den letzten Jahren G.s sind nur unbedeutende Leistungen bekannt, zum Beispiel landesherrliche Wappentafeln, im Auftrag der Stadt Lauingen 1560 ausgeführt.

    Trotz Abhängigkeit von anderen war G.s Kunst nicht ohne ansprechende eigene Gedanken, persönliches, mehr episches als lyrisches Empfinden und malerische Vorzüge. Seine Schaffenskraft scheint jedoch schon vor der Zeit nachgelassen zu haben.

  • Literatur

    ADB IX;
    A. Wagner, M. G., in: Jb. d. hist. Ver. Dillingen 9, 1896, S. 69-106;
    L. Dodgson, Catalogue of Early German and Flemish Woodcuts in the British Mus. II, London 1911, S. 212-18, 447;
    K. Schottenloher, Ottheinrich u. d. Buch, 1927, S. 132-40 u. ö.;
    H. Wescher-Kauert, Zu den maler. Anfängen d. M. G., in: Zs. f. bildende Kunst 63, 1929/30, S. 149-55;
    H. Rott, Qu. u. F z. südwestdt. u. schweizer. Kunstgesch. im XIV. u. XV. Jh. II, 1934, S. 83 f.;
    G. Wulz, Die Nördlinger Maler v. 15. bis 18. Jh., in: 18. Jb. d. hist. Ver. f. Nördlingen u. Umgebung (1934/35), 1936, S. 73;
    A. Stemper, Die Wandteppiche, in: Ruperto-Carola, Ottheinrich-Gedenkschr., 1956, S. 141-71;
    F. v. Juraschek, Der Thronend-Wandelnde d. M. G., ebd., S. 172-78;
    R. H. Seitz, Zur Gesch. d. Lauinger Goldschmiede, in: Jb. d. hist. Ver. Dillingen 57/58 (1955/56), 1958, S. 73-76;
    Bayerns Kirche im MA, Ausstellung (Bayer. Staatsbibl. München), 1960, S. 57, Nr. 286;
    Schottenloher, Nr. 7033-39, 46 465-46 465 a;
    ThB (L);
    LThK.

  • Portraits

    Selbstbildnis a. d. Gem. „Der Lauinger Rat im Feldlager Karls V. 1546“ (s. Text).

  • Autor/in

    Friedrich Zoepfl
  • Empfohlene Zitierweise

    Zoepfl, Friedrich, "Gerung, Mathis" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 334 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119026708.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gerung: Matthias G. (Geron?) aus Nördlingen, vielleicht zu den jüngeren Schülern Hans Burgkmair's gehörig; ein ausgezeichneter Maler, dessen äußere Lebensverhältnisse ebenso wie der genauere Nachweis seiner Werke noch der Aufdeckung harren. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts findet sich derselbe zwischen Neuburg, Lauingen und Augsburg. G. lieferte die Cartons zu den in Zeichnung und Farbe gleich meisterhaften Tapeten, welche der prachtliebende Herzog Otto Heinrich von Pfalz-Neuburg für seine Neuburger Residenz in der ehemals so blühenden Tapetenfabrik zu Lauingen weben ließ. Dieselben stellten dar: 1) „Die Ahnentafel der Neuburger Herzoge“ (drei Stücke davon mit der Jahreszahl 1540|im National-Museum zu München, das vierte leider im Privatbesitz; abgebildet im 4. Heft 1862 der von Freiherr v. Aretin herausgegebenen Alterthümer und Kunstdenkmale des baierischen Herrscherhauses); 2) „Ansicht der heiligen Stadt Jerusalem“, wohin Otto Heinrich 1521 eine Wallfahrt gemacht hatte, mit den Bildnissen des Herzogs und seiner Begleiter, welche im Vordergrunde knieen (im genannten National-Museum zu München); 3) „Die Belagerung von Wien 1529“, in welcher Otto Heinrichs Bruder, der Pfalzgraf Philipp, als kaiserlicher Obrist gute Dienste leistete (gemalt 1543, darauf befand sich auch der Name des Künstlers); 4) „Scene aus der Belagerung von Wien, mit Türken, welche eine Vorstadt plündern"; 5) „Das Treffen bei Lauffen“ (1534), wobei Pfalzgraf Philipp durch eine Falkonetkugel verwundet wurde; 6) „Ansicht der Stadt Bethlehem mit Umgebung"; 7) „Die große Ahnentafel des Kurfürsten Otto Heinrich“, 1557, im Vordergrunde die lebensgroße Figur des Stifters (1560, im National-Museum zu München); 8) „Drei große, 11 Fuß breite und 13 Fuß hohe Tapeten mit den Bildnissen Otto Heinrichs, seiner Gemahlin Susanna (Tochter Albrecht IV. von Baiern und Wittwe des Markgrafen Casimir von Brandenburg) und seines Bruders Philipp“. Sämmtliche Teppiche befanden sich noch zu Anfang dieses Jahrhunderts im Schlosse zu Neuburg, doch verschwanden davon 3, 4, 5, 6 und 8; die übrigen wurden in das National-Museum zu München gerettet. Vgl. Beitelrock, Geschichte des Herzogthums Neuburg, 1859, und Neuburger Collectaneen-Blätter, 1873; Das baierische National-Museum, 1868, S. 200. — Erhalten im Rathhause zu Lauingen ist eine treffliche, von G. auf Holz gemalte Tafel, darstellend das Lager Karl V. vor Lauingen mit der Huldigung des Rathes im kaiserlichen Zelte am 30. October 1546, ein figurenreiches Bild, bez. M G 1551 (vgl. über das geschichtliche Detail Ludwig Müller: Die Reichsstadt Nördlingen 1877, S. 91); im Mittelgrunde hat sich der Maler, im Pelzrock, mit Degen und Wehrgehäng abgebildet, die mit größter Treue wiedergegebene Stadt und Umgebung zeichnend. Das 1758 „von Joh. Anwander um 10 Gulden restaurirte Bild“ (vgl. B. Mayer: Geschichte von Lauingen, 1866, S. 267) erschien 1869 auf der Ausstellung von Gemälden älterer Meister zu München (Katalog Nummer 236 S. 53) und brachte den Namen des Malers zu Ehren, welcher seitdem unter den Besten seiner Zeitgenossen eine achtungsvolle Stellung einnimmt. Zwei Bilder, „Die Geschichte des Paris“ und „Die Zerstörung von Troja“ (bez. 1540) befinden sich nach Passavant's Mittheilung (Kunstblatt 1851 S. 431) in der Gallerie des Duca Litta Visconti Aresi zu Mailand. Zwei Flügelbilder mit S. Laurentius und Cyriacus, Grau in Grau, im Städel-Museum zu Frankfurt werden ihm gleichfalls zugeschrieben (Kunstblatt 1841 S. 430). Außerdem kennt man von ihm eine Reihe von Darstellungen zur Apocalypse (1544 ff.), 13 Blätter satyrische Darstellungen (1546—48); auch lieferte G. die Zeichnungen zu den blattgroßen Holzschnitten (darunter das Prachtblatt mit der Madonna und dem heiligen Ulrich und Barbara) nebst den reichen Initialen in vierfacher Größe für das Augsburger Missale, welches (im Auftrag des Cardinals und Bischofs Otto Truchseß von Waldburg) zu Dillingen 1555 bei Sebald Mayer erschien.

    • Literatur

      Vgl. Bartsch, Peintre-Graveur IX, 157. Naumann, Archiv f. zeichn. Künste 1856, II, 218—21 und Nagler, Monogrammisten IV, 569 ff. W. Schmidt in Lützow's Zeitschr., IV. Bd. 1869, S. 359.

  • Autor/in

    Hyac. Holland.
  • Empfohlene Zitierweise

    Holland, Hyacinth, "Gerung, Mathis" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 75-76 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119026708.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA