Lebensdaten
1744 bis 1807
Geburtsort
Niederrengersdorf (Oberlausitz)
Sterbeort
Meffersdorf Kreis Lauban (Schlesien)
Beruf/Funktion
Naturwissenschaftler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118690906 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gersdorff, Adolf Traugott von
  • Gersdorf, A. T. von
  • Gersdorf, Adolf Traugott
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Zitierweise

Gersdorff, Adolf Traugott von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118690906.html [25.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Ernst (1689–1745), auf Eckersdorf, Niederrengersdorf (gekauft 1727) usw., kursächs. Oberst, S d. Christoph Gottlob (1653–1731), auf Gersdorf (gekauft 1684) usw., kursächs. Oberst, u. d. Katharina Magdalena v. Theler;
    M Eleonore (1708–69), T d. Samuel Frhr. v. Richthofen, auf Hartmannsdorf;
    Stief-V (seit 1751) Karl August v. Gersdorff (1705–87, Vt d. V), kursächs. General d. Inf. u. Kabinettsminister;
    Ov Wolf Adolph (1683–1749), kursächs. Gen.-Major u. Inspekteur d. Kav.;
    Tante-v Joh. Charlotte (1688–1729), Vf. d. Liedes „Ich bin zum Leiden wohl geboren“;
    Bautzen 1770 Rahel Henriette (um 1740–1820), T d. kursächs. Premierlt. Carl Gottlob v. Metzradt u. d. Joh. Christiane Henr. v. Kolbe; kinderlos.

  • Leben

    Durch auserlesene Hauslehrer vielseitig vorgebildet, empfing G. nach Abgang vom Görlitzer Gymnasium 1761-67 an der Universität Leipzig durch Ch. F. Gellert (Moralphilosophie und Literatur), Johann August Ernesti (Universalgeschichte und römische Altertumskunde), Johann Heinrich Winckler (Philosophie und Experimentalphysik) und Johann Ch. Daniel Schreber (Botanik und Ökonomie) das wissenschaftliche Rüstzeug im Sinne der späten Aufklärung und erwarb die Magisterwürde. 1776|verlieh ihm die Universität Wittenberg den Doktortitel. Landeskundliche Reisen bezweckten seit 1765 praktische Kenntnisse der Ökonomie, um die rückständige Landwirtschaft der Oberlausitz zu heben, zumal G. schon in jungen Jahren ausgedehnte Rittergüter durch Erbgang zugefallen waren. Als Gutsherr sorgte er für die weitgehende Ablösung beziehungsweise Aufhebung der Fron und des Laßgutsystems, nicht zuletzt vom pietistischen Einfluß Zinzendorfs bestimmt. Bis zu seinem Tode Philanthropist, richtete G. zahlreiche Wohlfahrtsinstitutionen und Stipendien ein. 1779 stiftete er gemeinsam mit Karl Gottlob von Anton die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz, die, mit eigenem Publikationsorgan ausgerüstet, als provinzielle Gelehrtenakademie vielseitig auf allen Wissensgebieten wirkte, jedoch im Laufe des 19. Jahrhunderts mehr den Charakter eines lokalen vaterländischen Geschichtsvereins annahm. G.s Anteil am Wissenschaftsleben dieser Gesellschaft ist durch Forschungen und Publikationen auf folgenden Gebieten bestimmt: astronomische und meteorologische Beobachtungen, barometrische Höhenbestimmungen der schlesischen und Lausitzer Berge, experimentelle Physik der Luftelektrizität, Erforschung der Energie des Blitzes und Einführung des Blitzableiters in der Oberlausitz, Studien und eigene Heilpraxis zur medizinischen Anwendung der Elektrizität, ökonomische Nutzung der heimischen und Erforschung der gesamten Mineralogie (Briefwechsel unter anderem mit J. F. W. von Charpentier und Abraham Werner). Den mineralogischen und geologischen Studien dienten 1767-1801 ausgedehnte Reisen durch Mitteleuropa, deren bedeutendste die von 1786 nach der Schweiz war, wo G. Augenzeuge der Erstbesteigung des Mont Blanc wurde. Sämtliche Reisen sind durch gewissenhafte und ausführliche Journale belegt, die vorzügliche Quellen zur Kultur- und Wissenschaftsgeschichte der Goethezeit darstellen. 1801 stiftete G. der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften seine Sammlungen, seine Bibliothek und seine physikalischen Apparate und Instrumente, die, nach seinem Tode nach Görlitz überführt, trotz vieler Versuche, kaum genutzt wurden, bis sie 1953 in den Städtischen Kunstsammlungen ausgestellt wurden.

  • Werke

    u. a. Beschreibung e. Blitzstrahls in Flinsberg, in: B. G. Kretzschmar, Nachlese oberlausitz. einheimischer u. auswärtiger Nachrr., Zittau 1765, S. 318;
    Versuch, die Höhe d. Riesengebirges zu bestimmen, Leipzig 1772;
    Versuche, einen im Wasser verhärtenden Mörtel od. Zement zu machen, in: Provinzialbll. …, hrsg. v. d. Oberlausiz. Ges. d. Wiss., Bd. 1 u. 2, ebd. u. Dessau 1782 f., S. 411-27;
    Zween Fälle aus d. med. Elektrizität, in: Lausiz. Mschr., Görlitz 1795, II, S. 80-86;
    Über d. Wirkung d. med. Elektrizität bei versch. Krankheiten, ebd. I, S. 151-62, 229-34, 1797, I, S. 15-17;
    Zurüstung z. Erforschung d. atmosphär. Elektrizität, ebd. 1800, II, S. 405-25;
    Über meine Beobachtungen d. atmosphär. Elektrizität zu Meffersdorf in d. Oberlausitz, 1802. |

  • Quellen

    Qu.: Nachlaß (Briefe, Reisejournale, wiss. Aufzeichnungen, Apparate u. Instrumente) im Bes. d. Städt. Kunstslgg. Görlitz.

  • Literatur

    Th. Neumann, in: Neues Lausitz. Mgz. 31, 1854, S. 165-221;
    F. Schönwalder, ebd. 55, 1879, S. 409-12;
    G. Eitner, ebd. 70, 1894, S. 164-71;
    R. Jecht, ebd. 80, 1904, S. 71-78, 83, 1907, S. 265-72, 105, 1929, S. 202-07;
    W. v. Boetticher, ebd. 111, 1935, S. 22;
    Das Physikal. Kab. Neißstr. 30, = Schrr.-R. d. Städt. Kunstslgg. Görlitz NF 3, 1953;
    E.-H. Lemper, A. T. v. G. u. d. Spätaufklärung in d. Oberlausitz, in: Oberlausitzer Forschungen, hrsg. v. M. Reuther, 1961, S. 193-228 (W, L, Qu., P, Abb. v. Apparaten u. Instrumenten);
    R. Lehmann, Die Niederlausitz in d. G.schen Reisetagebüchern 1772–93), ebd., S. 229-55;
    G. F. Otto, Lex. d. … Oberlausitz. Schriftsteller u. Künstler I, 1801, S. 452-56, III, 1803, S. 706, Suppl.bd., 1821, S. 115 f. (W-Verz.);
    Pogg. I.

  • Portraits

    Gem. v. A. Graff, 1803 (Görlitz, Städt. Kunstslgg.), Abb. b. Lemper, s. L.

  • Autor/in

    Ernst-Heinz Lemper
  • Empfohlene Zitierweise

    Lemper, Ernst-Heinz, "Gersdorff, Adolf Traugott von" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 319 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118690906.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA