Lebensdaten
1762 bis 1841
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
österreichischer Staatsmann ; Statistiker
Konfession
griechisch-orthodox
Normdaten
GND: 116042389 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Baldacci, Anton Maximilian Dominik Freiherr von
  • Baldacci, Anton von (bis 1814)
  • Baldacci, Anton Maximilian Dominik von (bis 1814)
  • mehr

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Baldacci, Anton Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116042389.html [30.03.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus adeliger Familie, die zwischen 1732 und 1733 aus Korsika nach Österreich einwanderte;
    V Dominik Alexander von Baldacci, korsischer, dann kaiserlich-königlicher Obristwachtmeister;
    M Franziska, T des Martin Conrad von Kothmann, kaiserlich-königlicher Hofkriegsagent, und der Elisabeth von Bruckentheiß;
    Gvv Paul Baldacci.

  • Leben

    Nach Besuch des Theresianum diente sich B. zu den höchsten Staatsämtern empor, wurde 1807 Kabinettsreferent, 1810 zweiter Vizekanzler der Vereinigten Hofkanzlei, 1811 Präsident des Generalrechnungsdirektoriums, 1813 Armeeminister. Nach seiner Tätigkeit in den Zentralstellen der inneren Verwaltung und den dadurch veranlaßten großen Reisen nach Westgalizien, Dalmatien, Istrien, Venetien war B. einer der besten Kenner der österreichischen Landesverhältnisse und Staatsverwaltung geworden. Er gewann die Überzeugung, daß eine zuverlässige, von oben her zentral geleitete Beamtenschaft vonnöten sei, und bekämpfte deshalb alle provinziellen Sonderheiten, da die adligen Privilegien - besonders in Ungarn und Galizien - die ihm am Herzen liegende soziale Hebung der unteren Volksschichten verhinderten. Er erstrebte eine umfassende staatliche Bildungspolitik unter Ausschluß der geistlichen Orden, um „ein Geschlecht von patriotisch gesinnten, kraftvollen, unternehmenden und für die Welt praktisch gebildeten Menschen“ heranzuziehen. B. knüpfte weniger an die josephinische Staatsallmacht an - einer übertriebenen Reglementierung war er durchaus abhold -, als an die schon von Maria Theresia eingeschlagene Politik eines „patriarchalischen Fürstentums“, da er sich der Notwendigkeit bewußt blieb, die „volkstümlichen Kräfte“ in ihrem Reichtum zu entfalten. Während der napoleonischen Kriege befand sich B. mit seinen Anschauungen in der Nähe der Nationalkonservativen um die Brüder Stadion; sein Haß gegen Napoleon wurde neben seinen Plänen zur Staatsreform der zweite Pol seines Denkens. Wie Stadion hat er, seit 1806 einer der nächsten Ratgeber, starken Einfluß auf die Politik des Kaisers ausgeübt. Er gehörte zu den geistigen Urhebern des kaiserlichen Manifestes vom 22.1.1806, in dem die Zusammenarbeit des Staates mit den Völkern proklamiert wurde, förderte 1806-08 die Errichtung des Landsturms und war 1809 einer der entschiedensten Befürworter des Widerstandes bis zum äußersten und an dem Abgang des friedenswilligen Erzherzogs Carl beteiligt. Nach der Niederlage wurde B. durch die Ernennung zum Präsidenten des Generalrechnungsdirektoriums scheinbar kaltgestellt; er vermochte jedoch bald wieder das kaiserliche Vertrauen zurückzugewinnen. 1813 trat er für einen frühen Beitritt Österreichs zur Koalition unter Ausnützung des Volksenthusiasmus ein. 1813 bis 1815 leistete er Hervorragendes in der Organisation des Heeresnachschubs und später in der Verwaltung der besetzten Gebiete. Nach 1815 konnte er gegen Metternich sein Reformprogramm nicht durchsetzen; die Ansätze des von B. vertretenen Frühliberalismus wurden nicht weiter entwickelt. Als Präsident des Generalrechnungsdirektoriums (bis 1839) gründete er die offizielle Statistik des Kaiserstaates.

  • Literatur

    ADB I; F. R. v. Krones, Zur Gesch. Österr.s im Zeitalter d. französ. Kriege u. d. Restauration 1792-1816, Mit bes. Rücksicht auf d. Berufsleben d. Staatsmannes Frhr. A. v. B., 1886;
    ders., Frhr. A. v. B. üb. d. inneren Zustände Österr.s, Eine Denkschr. aus d. J. 1816, in: AÖG 74, 1889, S. 1-160;
    ders., Tirol 1812-1816 u. Erzhzg. Johann v. Österr., Innsbruck 1890;
    ders., Aus Österr.s stillen u. bewegten Jahren 1810-1812 u. 1813-1815, ebenda 1892;
    H. Sturmberger, A. v. B. im J. 1809, Diss. Wien 1937;
    H. Rößler, Österr.s Kampf um Dtld.s Befreiung, 1940 (P).

  • Autor/in

    Hellmuth Rößler
  • Empfohlene Zitierweise

    Rößler, Hellmuth, "Baldacci, Anton Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 548 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116042389.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Baldacci: Anton Freiherr von B., österreichischer Staatsmann, aus einer alten während der korsischen Freiheitskämpfe gegen Genua aus Korsika nach Ungarn ausgewanderten Familie, zu Wien 1762 (nicht erst 1767) geb. und 9. Juli 1841. Er war Zögling der Theresianischen Ritterakademie und diente dem Staate von 1781 bis 1839, zuletzt als Präsident des General-Rechnungsdirectoriums.

    Gegen seinen Stammesgenossen Napoleon erfüllte ihn die glühendste Abneigung, ihm von den Deutschen als „göttlicher Haß“ zur Ehre, von den Franzosen als „Monomanie réelle“ zu Last gerechnet. Durch diese Eigenschaft wurde er, der mit dem Grafen Philipp Stadion allein auch in den ärgsten Unglücksfällen ungebeugt blieb, die Seele des Widerstandes in den Kämpfen Oesterreichs von 1805 und 1809, nach deren unglücklichem Ausgang er mit Energie für Hebung des Unterrichtes und Ordnung der Finanzen als Vorbedingungen für eine erfolgreiche Wiederaufnahme des Kampfes mit dem Erb- und Todfeinde rastlos thätig war. Dafür hatte er die Genugthung in den Freiheitskriegen 1813 bis 15 als Armeeminister durch ausgezeichnete Leitung der Heeresverpflegung nicht wenig zu dem Siege beizutragen und in Paris selbst das Ziel seiner jahrelangen Aufopferung zu erleben. In seiner letzten Diensteseigenschaft begründete er die officielle Statistik des Kaiserstaates durch Einführung der ersten amtlich statistischen Notizen.

  • Autor/in

    Hoffinger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hoffinger, "Baldacci, Anton Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 780 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116042389.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA