Lebensdaten
1824 bis 1889
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Flötist ; Musikhistoriker
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 102532907 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fürstenau, Moritz Anton Ludwig Karl Franz August
  • Fürstenau, Moritz
  • Fürstenau, Moritz Anton Ludwig Karl Franz August
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Zitierweise

Fürstenau, Moritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102532907.html [23.02.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Anton Bernh. (s. 1);
    Dresden 1855 Joh. Frieder. Wilhelmine, T d. Joh. Heinr. Poser (luth.), Angestellter d. Geh. Staatsarchivs; kinderlos.

  • Leben

    Die ihm vom Vater vermittelte Ausbildung als Flötist und sein auf vielen Konzertreisen erworbenes Ansehen ermöglichten F. bereits 1842 den Eintritt in die Dresdner Hofkapelle (seit 1844 Königlicher Kammermusikus, nach dem Tode des Vaters an dessen Stelle 1. Flötist). Neben seiner praktischen Tätigkeit als Kapellmitglied, als Lehrer am Konservatorium und als Vorsitzender und künstlerischer Leiter des von ihm ins Leben gerufenen, von den Kollegen des Orchesters getragenen Tonkünstler-Vereins widmete F. sich in zunehmendem Maße musikgeschichtlichen Studien, zu denen ihn der glückliche Fund der Stiftungsurkunde der Dresdner Kapelle angeregt hatte und die ihm schon bald den Posten eines Kustos der Königlichen Privatmusiksammlung eingetragen hatten. Deren kostbare Bestände, wie Eigenschriften Bachscher und Weberscher Werke, eröffneten die Möglichkeit verstärkter historischer Forschungen, in deren Mittelpunkt die Musikgeschichte Dresdens stand. Obgleich nach seinen eigenen Worten seine Absicht bei diesen Studien nicht weiter ging, als „in chronikartiger Form ausführliches Material zu liefern“, gelang es ihm trotz mancher in dem Mangel einer eigentlich wissenschaftlichen Schulung begründeten Unzulänglichkeit, in seinen „Beiträgen zur Geschichte der Königlich Sächsischen musikalischen Kapelle“ (1849) und in dem Buch „Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe zu Dresden“ (2 Bände, 1861 f.) ein eindrucksvolles Bild der Kunstpflege an einem deutschen Fürstenhof zu vermitteln. F. gab mit seinen Arbeiten den Anstoß zu einer musikgeschichtlichen Lokalforschung im allgemeinen und legte den Grund zu einer Dresdner Musikgeschichtsschreibung, auf dem eine spätere Forschergeneration vertiefend und verbreiternd aufbauen konnte.

  • Werke

    W Ausführl. Verz. in: MGG IV.

  • Literatur

    ADB 49 (R. Eitner), wieder in: BJ I, S. 114 f. (W, L);
    W. Virneisel, in: MGG IV, Sp. 1096-98 (W, L, P).

  • Autor

    Wilhelm Virneisel
  • Empfohlene Zitierweise

    Virneisel, Wilhelm, "Fürstenau, Moritz" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 694 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102532907.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Fürstenau: Moritz F. stammt aus einer Musikerfamilie, die während eines Zeitraums von 100 Jahren sich als Flötisten auszeichneten. Moritz wurde zu Dresden am 26. Juli 1824 geboren und starb ebendort am 27. März 1889. Sein Vater, Anton Bernhard, war seit 1820 an der sächsischen Hofcapelle erster Flötist, und es wurde wie selbstverständlich angenommen, daß der Sohn, den Traditionen der Familie nach, sich ebenfalls zum Flötisten ausbildete. Schon am 26. October 1832 trat er in einem Concerte seines Vaters als Virtuose auf und erntete reichen Beifall. Angespornt durch diesen Erfolg, machte er in Begleitung seines Vaters fast alljährlich Concertreisen, bis er am 1. Januar 1842 als Flötist in die kgl. Dresdener Hofcapelle aufgenommen wurde. Nach des Vaters Tode 1852 rückte er in dessen Stelle als erster Flötist ein. Neben dieser praktischen Ausübung der Kunst entwickelte er aber auch ein lebhaftes Interesse für die historische Seite der Musik und besonders für archivalische Studien. So entstanden im J. 1849 die "Beiträge zur Geschichte der Kgl. sächsischen musikalischen Kapelle" (Dresden), welche von 1545 bis 1848 die Entwicklung und Ausbildung der Dresdener Hofcapelle in Mitgliederverzeichnissen, Biographien und allerlei Beschreibungen von Festlichkeiten u. A. in documentarischer Weise darstellen. Leider fehlte ihm die nöthige Vorbildung im Lesen von alten Handschriften, auch die Fertigkeit sich gewandt auszudrücken, sodaß vielfach die Namen der Capellmitglieder falsch gelesen sind und die Kritik unbarmherzig über die Herstellungsweise herfiel. Doch statt daß ihn dies entmuthigte, spornte ihn der Tadel an, seine Kenntnisse durch fleißige Studien zu bereichern, so daß er in Einzelartikeln in Zeitschriften, besonders im Archiv f. die sächsische Geschichte, in den Mittheilungen des Kgl. sächs. Alterthumsvereins und in den Monatsheften f. Musikgeschichte, zahlreiche und archivalisch begründete Thatsachen über Mitglieder und Vorkommnisse in der sächsischen Hofcapelle berichtete. Im Jahre 1861/62 folgte ein zweites Werk in 2 Bänden, welches zur Vervollständigung des ersten diente, doch nur den Zeitraum von 1656 bis ca. 1763, der Entlassung Hasse's und der Faustina, behandelt. F. ist es allein zu danken, daß wir über die sächsischen Musikverhältnisse so vortrefflich und alles umfassend unterrichtet sind. Auch im praktischen Leben machte er sich durch Gründung des Tonkünstler-Vereins, der heute in so gesicherten Zuständen sich befindet, verdient und war bis zu seinem Tode dessen Vorsitzender. Ferner gründete er in den 70er Jahren den Dresdner Wagner-Verein, war Delegirter des Allgemeinen deutschen Musikerverbandes, saß im Ausschusse der Hofcapelle, welche die Programme zu den Sinfonie-Concerten feststellte und war seit Gründung des Dresdner Königl. Conservatoriums für Musik Lehrer des Flötenspiels. So wirkte er bis an seinen plötzlich herantretenden Tod im Interesse der Kunst.

    • Literatur

      Selbstbiographie in Mendel-Reißmann's Musik-Lexikon.

  • Autor

    Rob. Eitner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eitner, Robert, "Fürstenau, Moritz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 49 (1904), S. 214 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102532907.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA