Lebensdaten
erwähnt 823, gestorben 853 oder 864
Beruf/Funktion
Bischof von Lisieux ; Chronist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118703005 | OGND | VIAF: 88920027
Namensvarianten
  • Frechulfus
  • Freculfus
  • Frechulphus (später)
  • mehr

Zitierweise

Frechulf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118703005.html [23.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    Der Namensform nach ist F. vermutl. Oberdeutscher.

  • Leben

    Über F.s Herkunft und Leben bis zur Erhebung zum Bischof fehlt es an alten und glaubwürdigen Nachrichten. F. hat offenbar einige Jahre am Hof Ludwigs des Frommen gelebt und ist dabei in nähere Beziehungen zu dem Kanzler Helisachar getreten. Möglicherweise wirkte er 822 als missus dominicus in Bayern. Etwa 823 zum Bischof von Lisieux erhoben, entfaltete er eine rege, vor allem kirchenpolitische Tätigkeit. Schon 824 reiste er in kaiserlichem Auftrag nach Rom, um in Sachen des Bilderstreits zu verhandeln. In den Kämpfen der 30er Jahre stand er allem Anschein nach auf Seiten des alten Kaisers. War F. bis zuletzt Bischof von Lisieux, so muß er spätestens (am 8.10.) 852 gestorben sein; es ist indes nicht ausgeschlossen, daß er noch bis 864 als Bischof in Saintes regierte. – Zwischen 822 und 829 entstand F.s literarisches Hauptwerk, die erste karolingische Weltchronik, die von Erschaffung der Welt bis zu Gregor dem Großen führt. Die Chronik ist ein typisches Denkmal karolingischer Literatur und Geistigkeit: F. übertrug die Methode der zeitgenössischen Theologie (das heißt Exegese) auf sein Geschichtswerk; sein Anliegen war nicht die Darstellung eines bestimmten erlebten Geschichtsbildes, sondern die Sammlung und Ordnung eines möglichst umfangreichen Wissensstoffes und dessen lesbare Darbietung. F.s Werk war in allen Jahrhunderten des Mittelalters bekannt, wurde jedoch nicht allzuviel gelesen.

  • Werke

    Migne PL 106, Sp. 917-1258;
    die hier fehlenden Kap. Chron. I, 1, 43-I, 2, 10 aus St. Gallen, Stiftsbibl. 622 b. Grünauer (s. L);
    Vorreden MGH Epp. 5, 317-20;
    Briefe ebd. 5, 391 f., 618 f.;
    Einleitungsverse z. Chronik, in: MGH Poetae 2, 669 f.;
    Briefe Hrabans an F. MGH Epp. 5, 393-400.

  • Literatur

    ADB VII;
    E. Grunauer, De fontibus historiae Freculphi episcopi Lixoviensis, 1864;
    M. Büdingen in: HZ 7, 1862, S. 115 f.;
    B. Schelle, F. v. L., Unterss. zu Leben u. Werk, Diss. München 1952 (ungedr.);
    A.-D. van den Brinken, Stud. z. lat. Weltchronik, 1957, S. 120-26;
    Manitius I, S. 663-68, II, S. 814;
    F. Brunhölzl, in: Vf.-Lex d. MA V, Sp. 233-35;
    Wattenbach-Levison, S. 350-52 (L).

  • Autor/in

    Franz Brunhölzl
  • Empfohlene Zitierweise

    Brunhölzl, Franz, "Frechulf" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 385 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118703005.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Frechulf, von ungefähr 820—850 Bischof von Lisieux in der Normandie, ein treuer Anhänger Ludwigs des Frommen, schrieb auf Wunsch des Kanzlers Helisachar, den er seinen Lehrer nennt, ein Werk über die alte Geschichte, welchem er ein zweites Buch von Christi Geburt bis zum Untergang des römischen Reiches hinzufügte. Dieses widmete er um 830 der Kaiserin Judith, um es beim Unterricht ihres Sohnes Karl zu benutzen. Mit Geschick und für damalige Zeit großer Gelehrsamkeit verfertigt, zeigt uns diese Geschichte die Höhe der Bildung, welche in carolingischer Zeit erreicht wurde. Auch ist merkwürdig, daß hier, abweichend von der sonstigen Auffassung im Mittelalter, das römische Reich einfach als vergangen betrachtet und keine künstliche Fortleitung zu dem carolingischen Kaiserthum versucht wird.

    • Literatur

      Vgl. E. Grunauer, De fontibus historiae Frechulphi, 1864.

  • Autor/in

    Wattenbach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wattenbach, Wilhelm, "Frechulf" in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 327 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118703005.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA