Lebensdaten
1636 bis 1687
Beruf/Funktion
Herzog von Braunschweig-Lüneburg
Konfession
lutherischer Vater
Normdaten
GND: 11883732X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ferdinand Albrecht zu Bevern

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Zitierweise

Ferdinand Albrecht I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd11883732X.html [20.11.2017].

CC0

Artikel noch nicht erschlossen.
  • Leben

    Ferdinand Albrecht I., Herzog von Braunschweig-Lüneburg-Bevern, der Stifter der bevern'schen Nebenlinie des Hauses Braunschweig-Wolfenbüttel, geb. zu Braunschweig 22. Mai 1636, 1687, ist der Sohn des Herzogs August des Jüngeren von Braunschweig und dessen dritter Gemahlin Sophie Elisabeth von Mecklenburg. Unter der besonderen Ueberwachung des gelehrten Vaters und dessen treuen Rathgebers Justus Schottelius durch den bekannten Dichter Sigismund v. Birken erzogen, hatte er sich ein reiches, aber ungeordnetes Wissen angeeignet und in seiner Jugend große Reisen durch Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, England gemacht und auch Malta, Polen, Curland, Dänemark, Schweden und das Elsaß kennen gelernt. Ein Jahr nach dem Tode seines Vaters (17. Sept. 1666) vermählte er sich am 23. Nov. 1667 zu Eschwege mit der Prinzessin Christina, Tochter des Landgrafen Friedrich von Hessen Eschwege, und vertrug sich mit seinen älteren Stiefbrüdern, dem regierenden Herzoge Rudolf August und dem Herzoge Anton Ulrich, wegen der väterlichen Erbschaft nach längeren Verhandlungen dahin, daß ihm das am Sollinge romantisch belegene Schloß Bevern bei Holzminden mit dem dazu gehörenden Untergerichte in Dorf und Feld, eine jährliche Apanage von 8000 Thalern, sowie Lieferung des Wildprets für die Küche und der sechste Theil der vom Vater hinterlassenen Baarschaften, Kleinodien und des Silbergeschirrs zugesichert wurden, wogegen er auf alle Ansprüche an der Regierung verzichtete. — Bevern wurde nun der Sammelort aller Kunstsachen, Raritäten, Curiositäten, Bücher, Gemälde etc., welche der Herzog von seinen Reisen heimgebracht hatte. Es war ein eigenthümliches Leben, welches F. A. fortan in seiner Residenz führte. Von seinem abenteuerlichen Geschmacke, welcher sich bald in phantastischen Träumereien, bald in rastloser Hingabe wissenschaftlicher Unterhaltung, durch Musiciren, Dichten und Schriftstellern, ohne eigentliches Ziel äußerte, gibt die Einrichtung seines Schlosses Bevern Zeugniß. Sämmtliche Wände, Thüren, Portale, Saal- und Zimmerdecken, selbst Gerichtsstube und Gefängniß waren mit von ihm selbst verfaßten deutschen, lateinischen, italienischen und französischen Inschriften bedeckt. — Ruhe und Erholung brachte dem Herzoge diese Unterhaltung nicht.|Von Jugend auf mißtrauisch und gegen seine Stiefbrüder, von denen er sich bei der Erbtheilung übervortheilt glaubte, in hohem Grade leidenschaftlich eingenommen, wurden seine letzten Lebensjahre durch periodisch eintretende "melancholische Zufälle" sehr getrübt. In solchen bedauerlichen Augenblicken konnte er in tiefster Zerknirschung sein einziges Heil im inbrünstigen Gebete finden und doch in demselben Augenblicke im höchsten Jähzorn Alles verfolgen, was sich ihm nahete, dabei alle Schranken des Rechts übertretend. Selbst seine Gemahlin war vor seinem Zorn nicht sicher, so daß sie aus dem Schlosse weichen und bei dem Herzoge Rudolf August in Wolfenbüttel Schutz suchen mußte. Einmal mußte dieser selbst ein Commando von 80 Mann nach Bevern schicken, um die gerichtlichen Anschläge des Bruders abzunehmen und die von diesem dort errichtete Druckerei, in welcher dessen Schmähschriften gegen seinen Bruder gedruckt wurden, unter Aufsicht zu nehmen. Als zwei seiner Söhne im frühesten Alter starben und er sich selbst unwohl fühlte, schrieb F. A. solches den "Listigkeiten" seines Bruders Anton zu, welcher ihn und seine Familie durch Gift und Verleumdungen aus dem Wege räumen wolle. Doctor und Apotheker wurden von ihm an Einem Tage entlassen, weil er glaubte, daß sie ihn vergiften wollten, ja er jagte einst in Einer Stunde seine ganze Dienerschaft fort. Wegen seines übertriebenen Mißtrauens gegen Jedermann und seiner Furcht vor einem frühzeitigen unnatürlichen Tode wurde er scherzweise der Herzog von Zittern und Bebern genannt. — Alle Versuche, den Herzog mit den Brüdern auf längere Zeit auszusöhnen, schlugen fehl. In der festen Ueberzeugung, daß er von seinen Brüdern in jeder Weise übervortheilt und verkürzt sei, wandte sich F. A. im J. 1674 nach Wien, um seine Klagen dem Kaiser vorzutragen und zugleich zu versuchen, die Statthalterei in Tirol zu erlangen, wofür er nicht abgeneigt war, den ihm aus der mütterlichen Erbschaft zugefallenen, unter dem Namen "das Mantuanische Gefäß" bekannten Onyx dem Kaiser zu überantworten Auch dieser Versuch hatte keinen Erfolg, einmal weil F. A. sich standhaft weigerte, seinen evangelischen Glauben zu ändern, dann weil des Herzogs Charakter von der Uebertragung einer so wichtigen Stellung von vornherein abrathen mußte. Als Herzog Rudolf August seinen Bruder Anton Ulrich zum Mitregenten annahm, drang F. A. auf Erhöhung seiner Apanage. Gegen Verzichtleistung seiner Ansprüche auf die Grafschaft Blankenburg und auf sämmtliche vom Vater hinterlassenen Lande und Güter, den Fall ausgenommen, daß Rudolf August und Anton Ulrich ohne männliche Erben sterben sollten, übernahm der letztere durch die Vergleiche vom 15. Oct. 1680 und 2. Sept. 1685 dem Bruder für seine Lebenszeit 12000 Thlr. jährlich und nach Ferdinand Albrechts Tode dessen Kindern 4000 Thlr. jährlich aus eigenen Mitteln zu zahlen, überließ ihm das Decanat am St. Blasiusstifte zu Braunschweig und für seine Söhne zwei, dem braunschweigischen Hause zustehende Canonicate zu Straßburg. F. A. gehörte zu den "curieusen Herren oder Antiquaren", welche mit mehr oder weniger richtigem Takte durch eifriges Sammeln den Grund zu den später theilweise berühmt gewordenen Museen, Gallerien und Bibliotheken gelegt haben, denn seine in Bevern aufgehäuften, oft zwar wunderlichen, im ganzen aber doch werthvollen Kunstschätze bilden mit den Stamm des jetzigen herzoglichen Museums zu Braunschweig. Der Hauptschmuck seiner Sammlungen war der bereits erwähnte, aus der Erbschaft seiner Mutter überkommene weltberühmte Onyx, "das Mantuanische Gefäß", welches bei der Erstürmung der Stadt Mantua am 18. Juli 1630 eine Beute der Sieger aus der Gonzaga'schen Kunstkammer in die Hände eines deutschen Soldaten gefallen, später in den Besitz des Herzogs Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg gekommen und von dessen Gemahlin an ihre Schwester, Ferdinand Albrechts Mutter, und von dieser an ihren Sohn vererbt wurde. Bekanntlich ist das Gefäß, nachdem es seit dem J. 1830 mit der Flucht des Herzogs Karl von Braunschweig verschwunden war, nach dessen Tode in dem Nachlasse desselben aufgefunden und in den Besitz des herzoglichen Museums zurück gelangt und dort wieder aufgestellt. — Herzog F. A. war ein gelehrter Herr, der bereits während seines Aufenthaltes in London zum Mitglied der königlichen Societät der Wissenschaften erwählt und unter dem Namen: "Der Wunderliche im Fruchtbringen" Mitglied der bekannten, im J. 1617 gegründeten "Fruchtbringenden Gesellschaft" war. Seine Schriften ließ er zum Theil in der von ihm zu Bevern eingerichteten Druckerei drucken, die bekanntesten derselben sind: "Sonderbahre aus göttlichen Eingaben andächtige Gedanken in Reimen gemacht und gebracht von einem Liebhaber seines Herrn Jesu, deswegen auch, weil er die reine Wahrheit und Aufrichtigkeit bis in den Tod zu lieben und zu verthädigen beschlossen, unglückseligen Fürsten, auch nach desselben Verordnung und Einrichtung mit ihren Singweisen, von seiner Hoff-Capellen gemacht, hervorgegeben. Frömmigkeit Ankerfest Haltenden Zur Beständigkeit Und Liebe", Braunschweig 1657. 8. 2. Aufl. Bremen 1674. 12. 3. Aufl. Bevern 1677. 4., und "Wunderliche Begebnussen und wunderlicher Zustand in dieser wunderlichen, verkehrten Welt, meistentheils aus eigener Erfahrung, und dann gottseliger, verständiger erfahrener Leute Schriften wunderlich herausgesuchet durch den in der Fruchtbringenden Gesellschaft sogenannten Wunderlichen im Fruchtbringen", Th. 1. Bevern 1663. Thl. 2 daselbst 1680. Die von ihm verfaßten Beschreibungen seiner Reisen befinden sich in des Herzogs eigener Handschrift im städtischen Museum zu Braunschweig. F. A. starb zu Bevern 23. April 1687 und ist in dem von ihm begründeten Erbbegräbnisse in der Capelle des St. Blasius-Domes zu Braunschweig beigesetzt. Von seinen Kindern sind zu nennen August Ferdinand, geb. 29. Dec. 1676, 2. Juli 1704; Ferdinand Albrecht II., geb. 19. Mai 1680, gest. 13. Sept. 1735 und Ernst Ferdinand, geb. 4. März 1682, 14. April 1746 (s. d. betreff. Art.) und Sophie Eleonore, geb. 5. März 1674, 4. Januar 1711 als Canonissin zu Gandersheim, bekannt als Dichterin geistlicher Lieder.

  • Autor

    F. Spehr.
  • Empfohlene Zitierweise

    Spehr, F., "Ferdinand Albrecht I." in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 679-681 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11883732X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA