Lebensdaten
1596 bis 1662
Geburtsort
Rosenheim
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
bayerischer Kanzler ; Archivar
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100004628 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Adlzreiter, Johann
  • Adelzreiter, Johann
  • Adlzreiter von Tettenweis, Johann
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Zitierweise

Adlzreiter von Tettenweis, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100004628.html [17.07.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christoph Adlzreiter, Handwerker (Nestler) und Bürger in Rosenheim;
    M Martha, T des Weißgerbermeisters Hans Berger in Rosenheim;
    Gvv Bürger und Weißgerbermeister Hans Adlzreiter, Landshut;
    Ingolstadt 5.2.1625 Euphrosine, T des herzoglichen Regierungsrates Georg Gebhardt in Straubing; 14 K, u. a. Euphrosine, Hofkanzler Johann von Wämpl.

  • Leben

    A. besuchte das Jesuitengymnasium in München. Das durch wirtschaftliche Notlage schwierige Studium an der Universität Ingolstadt beendete er 1622 als Lizentiat beider Rechte. Nach kurzer Tätigkeit als Advokat in Straubing trat er in den Dienst des Kurfürsten Maximilian I. Seit 1625 unter den Hofkammerräten, wurde er 1638 mit der Leitung des Geheimen Archivs betraut und 1639 mit Sitz und Stimme in den Geheimen Rat berufen. Besonders in reichsrechtlichen Fragen, wie sie der Streit um die pfälzische Kurstimme mit sich brachte, wurde A. herangezogen. 1640 hatte er auf dem Reichstag in Regensburg die Ansprüche des Kurfürsten in diesem Streit zu vertreten. In den folgenden Jahren erschienen mehrere Schriften dazu aus seiner Feder (Antimanifestatio electoralis Bavarica …, 1641; Assertio electoratus Bavarici …, 1643). Als Archivar schuf A. im Auftrag des Kurfürsten eine neue Archivordnung, die durch das Registraturprinzip|u. a. bereits weitgehend den modernen Grundsätzen der Provenienz usw. entspricht und von 1640 bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in Geltung blieb. 1650 wurde A. Kanzler des Geheimen Rates und übernahm damit das einflußreichste Amt der kurfürstlichen Regierung, das er bis zu seinem Tode behielt. 1656 erhielt er die Edelmannsfreiheit auf dem niederbayerischen Lehen Tettenweis. Der Verfasser der „Annales boicae gentis“, die 1662 unter A.' Namen erschienen, ist der Jesuit und kurfürstliche Beichtvater Johann Vervaux, dessen Name aus ordenspolitischen Gründen verschwiegen wurde. A. war jedoch als Archivar an der Entstehung des bedeutenden Werkes (1710 von Leibniz erneut herausgegeben) zweifellos in hohem Maße beteiligt.

  • Literatur

    ADB I;
    S. Riezler, Gesch. Baierns, Bd. 6, 1903, S. 78, 441-46;
    G. Ferchl, Bayer. Behörden u. Beamte 1550-1804, Bd. 1, = Oberbayer. Archiv, Bd. 53, 1910, S. 650;
    M. J. Neudegger, Gesch. d. bayer. Archive, T. 1-2, 1881/82;
    ders., Gesch. d. Geh. Rates u. Ministeriums in Bayern vom MA bis z. neueren Zeit, 1921, S. 133 f. u. ö.

  • Portraits

    im Besitz d. Bayer. Ak. d. Wiss.

  • Autor/in

    Hans Läppert
  • Empfohlene Zitierweise

    Lippert, Hans, "Adlzreiter von Tettenweis, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 73-74 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100004628.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Adlzreiter: Johann A. von Tettenweis, kurfürstl. baierischer Kanzler und Archivar, geb. 2. Febr. 1596 als Sohn eines Bürgers und Nestlers zu Rosenheim, 11. Mai 1662. Nach Vollendung der humanistischen Studien zu München bezog er die Universität Ingolstadt, ohne jedoch bei den ärmlichen Mitteln seiner Eltern die Vorlesungen regelmäßig besuchen zu können; 1617—18 diente er als Schreiber am Landgerichte Pfaffenhofen; dann nahm ihn der Ingolstädter Professor Kaspar Denich als Famulus in sein Haus auf und verschaffte ihm so die Möglichkeit, seine Studien zu vollenden. 1622 erwarb er sich den Grad eines Licentiaten der Rechte durch Vertheidigung von Lehrsätzen über die Rechte des Fiscus, welche er dem Herzog Wolfgang Wilhelm von Neuburg widmete und wofür er von diesem durch einen Wappenbrief belohnt wurde. So kümmerlich er sich in den Studienjahren hatte durchkämpfen müssen, so rasch stieg der reichbegabte Jüngling jetzt auf der Stufenleiter der Staatsämter empor. Zuerst Advocat in Straubing, 1625 schon kurfürstlicher Hofkammerrath, im selben Jahre noch Revisionsrath, erwarb er sich das volle Vertrauen seines Herrn, des großen Kurfürsten Max I., der ihm bald die Leitung des geheimen Archivs, 1639 auch Sitz und Stimme im geheimen Rath übertrug. Auf dem Reichstage zu Regensburg 1640 war A. einer der Vertreter der baierischen Regierung; in den Streitigkeiten über die pfälzische Kur zwischen Baiern und Pfalz verfocht er als gelehrter und scharfsinniger Jurist in mehreren Abhandlungen die Rechte seines Landesherrn. 1650 wurde ihm die Würde eines Kanzlers und die Anwartschaft auf einige Lehensgüter in Niederbaiern zu Theil, nach deren einem er sich "von Tettenweis" nannte. Im folgenden Jahre wurde er durch Maximilians Testament zum Mitglied des Rathes bestimmt, der bis zur Großjährigkeit des Kurprinzen Ferdinand Maria Regierung und Vormundschaft führen sollte. — In der Karmeliterkirche zu München, wo er begraben liegt, erinnert ein Denkmal noch jetzt an seinen Namen. In einer 37jährigen Ehe mit Euphrosine Gebhard, Tochter eines Regierungsrathes zu Straubing, hatte er 14 Kinder gewonnen, von denen sechs das mannbare Alter erreichten. Ein im 10. Bande von Westenrieder's Beiträgen veröffentlichtes Tagebuch zeigt ihn von der Seite des frommen Hausvaters. Adlzreiter's Name ist besonders bekannt durch die Jahrbücher des baierischen Volkes, die im Jahre seines Todes unter seinem Namen erschienen, eine so bedeutende Leistung, daß Leibnitz im J. 1710 eine neue Ausgabe veranstaltete. A. hat sich aber an dem Werke nur dadurch betheiligt, daß er als Archivar das Quellenmaterial lieferte; Verfasser ist der Jesuit Johann Verveaux, dessen Name nach dem Willen der Oberen verschwiegen werden sollte. Die "Assertio electoratus Bavarici" (a. d. J. 1643) rührt dagegen wirklich von A. her, ist aber nichts weiter als eine sehr gewöhnliche Parteischrift.

  • Autor/in

    Riezler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Riezler, Sigmund Ritter von, "Adlzreiter von Tettenweis, Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 88 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100004628.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA